20.7.2026 – Das Klima verändert die Biodiversität, diese wirke sich wieder auf das Klima aus: In diesem Kreislauf sind wir gefangen, so der Aktuar Christoph Krischanitz. Auswirkungen hat das auf alle Sparten der Versicherungen, vor allem gebe es durch den Klimawandel auch starke Abhängigkeiten zwischen den Sparten.
Mit den Auswirkungen von Naturkatastrophen auf Banken und Versicherungen beschäftigte sich ein Webinar von Aktuar Christoph Krischanitz in der Vorwoche. Ziel war es, das Thema nicht versicherungstechnisch aufzubereiten, sondern einen Überblick zu geben, wo man ansetzen kann.
„Der Klimawandel allein ist es nicht“, betonte Krischanitz einleitend und verwies auf den Kreislauf von Klima und Biodiversität. Phänomene der Biodiversität wie Erosion, Bodenverdichtung oder Auswirkungen auf die Vegetation hätten eine Rückwirkung auf das Klima.
Andererseits haben klimatische Bedingungen wie Hitze, Starkregen, Stürme oder Frost Auswirkungen, die sich in der Biodiversität manifestieren. Krischanitz: „Wir sind gefangen im Kreislauf.“ Ob die derzeitigen Klimamodelle diese Verstärkung durch die Biodiversität beinhalten, sei nicht sicher.
Derzeit seien „kaskadische Risiken“ zu beobachten, sagt Krischanitz. So führe die durch den Klimawandel verursachte Erderwärmung zum Naturphänomen „Hitze“. Aus dieser wiederum ergeben sich als Folgeereignisse Trockenheit, Neobiota, Stürme oder Starkregen.
Diese wiederum erzeugen Risiken, die bestimmte Versicherungssparten betreffen. Trockenheit führe einerseits zu Dürre, was Agrarversicherungen betreffe, andererseits auch zu Hochwässern, was ein Thema für Gebäudeversicherer sei.
Neobiota könnten neue Krankheiten verursachen – ein Problem für Krankenversicherer. Stürme können mit Hagel einhergehen und damit auch die Kfz-Versicherung betreffen. Und Starkregen könne beispielsweise Überflutungen verursachen und zu Unfällen führen.
Das zeige, dass die gesamte Versicherungsbranche betroffen ist. Insbesondere betont Krischanitz in diesem Zusammenhang auch die Korrelation und starke Abhängigkeit zwischen den Sparten durch den Klimawandel.
„Es kommt viel auf uns zu, was die Schadenhöhe beeinflusst“, sagt Krischanitz. Zu erwarten seien vermehrte Kumulschäden, höhere Kosten der Schadenerhebung und -regulierung, aber auch neue Rechtsrisiken, die Kosten verursachen können.
Steigen dürfte auch der Kapitalbedarf; Rückversicherung werde teurer werden, es gebe fehlende Kapazitäten und es stellten sich auch zunehmend Fragen der Versicherbarkeit.
Schließlich – und das sei eigentlich positiv für Versicherungen – sei auch mit einer steigenden Nachfrage zu rechnen. Denn das Bewusstsein sei groß und nur ein Bruchteil der Schäden sei versichert. Dabei gehe es auch darum, ob die Versicherungswirtschaft oder der Staat das Risiko tragen sollen.
Immobilien seien ein wichtiges Geschäftsfeld für Versicherungen, wobei zwei Seiten zu beachten seien: Einerseits Immobilien als Assetklassse, die mit rund 12 Milliarden Euro knapp 10 Prozent des veranlagten Vermögens heimischer Versicherer ausmachen.
Andererseits gehe es um die Versicherung von Immobilien. Krischanitz erinnert daran, dass die Schadenquoten in der Sturmschadenversicherung auch schon deutlich über 200 Prozent lagen und zuletzt bei etwas über 150 Prozent.
Betroffen vom Klimawandel sei der gesamte Lebenszyklus von Immobilien: Immobilienentwickler bei der Planung, Banken bei der Finanzierung, Baugewerbe, Versicherungen und Hausverwaltungen bis hin zu Gebäudesanierungen.
Zukünftig werden zusätzliche Informationen sowohl für die Finanzierung als auch für die Versicherung und Bewertung von Immobilien nötig werden, so Krischanitz: Dabei gehe es um geologische Details zum Standort, um Bauweise, Bedachung, die Nähe zu Handwerkern, die bei Schäden schnell eingreifen können, ebenso wie um die Energieversorgung.
Der Klimawandel wirke sich aber auch auf die Rückversicherung aus: Die Risiken seien nicht unabhängig voneinander, die Korrelationen schlagen auch auf die Rückversicherung durch. Für Versicherer gehe es darum, die Diversifikation im Netto und den Eigenbehalt zu optimieren.
Auch von Seiten der europäischen Versicherungsaufsicht Eiopa gebe es Vorstellungen, wie Schäden durch Naturkatastrophen europaweit finanziert werden können. Demnach könnte es ein Zwei-Säulen-System aus privater und staatlicher Finanzierung geben (VJ 22.4.2026).
Dazu betont Krischanitz, dass der Klimawandel an sich keine neuen Risiken mit sich bringe, sondern bekannte Risiken verstärke. Für Versicherer bedeute das veränderte Prämien, Schäden und Kosten, was Einfluss auf ihre Eigenmittel und schließlich auf die Solvabilität habe.
Wichtig sei es für Versicherer deshalb, sich darüber klar zu werden, welcher Anteil der Eigenmittel und welcher Anteil der Schäden vom Klimawandel betroffen sein können.
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