Eiopa: Klima-Wandel für Lebens- und Krankenversicherer

5.10.2026 – Waldbrände, übertragbare Krankheiten und allem voran Hitzewellen: Auf längere Sicht könnten diese Faktoren als Folgen des Klimawandels die Geschäftsmodelle von Lebens- und Krankenversicherern beeinflussen, heißt es seitens der EU-Versicherungsaufsicht. Zurzeit seien die Auswirkungen zwar begrenzt, für die kommenden Jahrzehnte sei aber eine Zunahme der Risiken zu erwarten.

Sonne (Bild: Alexa/Pixabay)
Bild: Alexa/Pixabay

Hitze stellt sich als das größte klimabedingte Haftungsrisiko für Anbieter von Lebens- und Krankenversicherungen und betrieblicher Altersversorgung dar.

Zu diesem Schluss kommt die europäische Versicherungsaufsicht Eiopa in ihrem neuen Bericht „Climate Change Impacts in Life and Health and Potential Emerging Risks for the Insurance and IORP Sectors“.

Sie untersucht darin, wie sich der Klimawandel auf diese Branchen auswirken könnte.

Hitzewellen „tödlichste klimabedingte Gefahr“

Hitzewellen seien bereits heute „die tödlichste klimabedingte Gefahr“ in Europa. Seit dem Jahr 2000 seien deshalb rund 300.000 Menschen gestorben. Das entspreche etwa 97 Prozent aller Todesfälle im Zusammenhang mit extremen Wetter- und Klimaereignissen.

Von Wissenschaftlern werde für die kommenden Jahrzehnte eine Zunahme der Häufigkeit, Intensität und Dauer von Hitzewellen erwartet, was in Extremszenarien dazu führen könnte, dass die Anzahl der Todesfälle ein Ausmaß erreicht, das mit der Corona-Pandemie vergleichbar ist.

Waldbrände und Vektor-Krankheiten

Eiopa-Bericht zu Klimawandel und Lebens- und Krankenversicherungen (Cover; Quelle: Eiopa)
Eiopa-Bericht zu Klimawandel und
Lebens- und Krankenversicherungen
(Cover; Quelle: Eiopa)

Neben hitzebedingter Sterblichkeit nennt die Aufsichtsbehörde noch zwei weitere klimabedingte Faktoren, die die Gesundheit der Bevölkerung beeinträchtigen könnten.

Der eine ist eine zunehmende Häufigkeit von Waldbränden.

Der andere ist eine mögliche Verbreitung von Krankheiten, die durch „Vektoren“, also Lebewesen wie zum Beispiel Stechmücken, übertragen werden – etwa Dengue oder Malaria.

Rahmen für Risikobewertung

Zusammengenommen ergeben sich daraus aus Sicht der Eiopa direkte Auswirkungen auf die Annahmen, die den Geschäftsmodellen der Lebens- und Krankenversicherer für Sterblichkeit, Morbidität und Langlebigkeit zugrunde liegen.

„Um diese Risiken besser zu verstehen“, hat sie einen Rahmen für die Risikobewertung entwickelt. Dieser soll helfen abzuschätzen, wie sich Hitzewellen auf verschiedene Arten von Unternehmen, Sparten und Länder auswirken.

Unterschiedliche Auswirkungen auf Versicherer

Die am stärksten betroffenen Sparten dürften nach Einschätzung der Eiopa

  • im Nichtleben-Segment die Kranken-, die Einkommensausfall- und die Arbeitsunfallversicherung sein,
  • im Leben-Segment Krankenversicherungen nach Art der Lebensversicherung sowie andere Lebensversicherungen ohne Gewinnbeteiligung.

Die Eiopa merkt aber an, dass Auswirkungen in hohem Maß „produkt- und portfoliospezifisch sein werden“. Denn der Klimawandel könne Sterblichkeits-, Krankheits- und Langlebigkeitsrisiken je nach Produktmerkmalen auf unterschiedliche Weise beeinflussen.

„Wenngleich die finanziellen Auswirkungen heute begrenzt bleiben“, so ruft die Eiopa Versicherer doch dazu auf, „diese neu auftretenden Risiken ganzheitlich in ihre Klimarisikobewertungen einzubeziehen“ und dabei sowohl direkte und breitere indirekte makroökonomische Auswirkungen zu berücksichtigen, „da ihre Bedeutung über die Zeit voraussichtlich zunehmen wird“.

Link

Schlagwörter zu diesem Artikel
Altersversorgung · Gesundheitsreform · Lebensversicherung · Versicherungsaufsicht
 
Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu! Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.at.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.at.

Täglich bestens informiert!

Der VersicherungsJournal Newsletter informiert Sie von montags - freitags über alle wichtigen Themen der Branche.

Ihre Vorteile

  • Alle Artikel stammen aus unserer unabhängigen Redaktion
  • Die neuesten Stellenangebote
  • Interessante Leserbriefe

Jetzt kostenlos anmelden!

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.at
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
19.12.2025 – Der dritte und letzte Teil des Jahresrückblicks mit Ereignissen von September bis Dezember. (Bild: Zerbor/AdobeStock) mehr ...
 
4.7.2025 – Ein Verlust von Biodiversität als wesentliches Risiko: In der Versicherungswirtschaft werde dies bereits erkannt, stellt die EU-Versicherungsaufsicht fest. Der Sektor befinde sich dabei aber noch in einer frühen Phase. Die Behörde hält weitere Schritt für notwendig. (Bild: Hermann Kollinger/Pixabay) mehr ...