Allianz: Mangelndes Finanzwissen kostet

13.8.2026 – Nur ein Fünftel der Österreicher verfügt laut einer Allianz-Analyse über ein hohes Finanzbildungsniveau. Für ein Zehntel ist KI bereits die wichtigste Quelle für Finanzberatung – ohne, dass die Finanzkompetenz dadurch aber größer würde. Der Allianz zufolge verringert fehlendes Finanzwissen die Ertragschancen spürbar: Mit einer Umschichtung der Hälfte der Bankeinlagen hätte ein österreichischer Haushalt in den letzten zwei Jahrzehnten im Schnitt real 6.100 Euro mehr lukrieren können.

Sparschwein mit Brille vor Rechner (Bild: Sasun Bughdaryan/Unsplash)
Bild: Sasun Bughdaryan/Unsplash

Die Finanzkompetenz der Bevölkerung ist „besorgniserregend niedrig“. Zu diesem Schluss gelangt die Allianz aufgrund ihrer neuen „Finanzbildungsstudie“. Seit der letzten Auflage 2023 habe sich dies auch kaum verbessert.

Für die Untersuchung von Allianz Research wurden mehr als 8.000 Menschen in Österreich, Frankreich, Deutschland, Italien, Polen, Spanien, Großbritannien und den USA befragt.

Die Einstufung basiert nicht auf einer Selbsteinschätzung der Befragten, sondern wurde mit Hilfe von neun Fragen vorgenommen, etwa zu Zinsen, Inflation und Risikodiversifikation.

Nur ein Fünftel der Österreicher hat „hohes“ Finanzbildungsniveau

Nur 17 Prozent aller Befragten verfügen demzufolge über ein hohes Finanzbildungsniveau. Bei 57 Prozent sei es als „mittel“ und bei den restlichen 26 Prozent als „niedrig“ einzustufen.

Die höchsten Anteile an Personen mit „hohem“ Finanzbildungsniveau haben Großbritannien (23 Prozent) sowie Österreich und Deutschland (jeweils 22 Prozent). Österreich hat im Übrigen den niedrigsten Anteil an Personen mit niedrigem Finanzbildungsniveau (20 Prozent).

„Auch wenn Österreich im internationalen Vergleich verhältnismäßig gut abschneidet, ist noch viel Luft nach oben“, meint Sabine Stöger, Chief Financial Officer der Allianz Österreich.

Besonders betroffen: Frauen, Junge, niedrige Bildungsabschlüsse

Frauen, Junge und formal weniger Gebildete schneiden am schlechtesten ab:

  • Frauen erreichen nur halb so häufig wie Männer ein hohes Finanzbildungsniveau (11 vs. 24 Prozent; Österreich: 14 vs. 30 Prozent).
  • In der Generation Z erreichen nur 12 Prozent (Österreich: 13 Prozent) ein hohes Niveau, unter den Babyboomern 22 Prozent (Österreich: 29 Prozent).
  • Nur 5 Prozent (Österreich: 14 Prozent) der Befragten mit Pflichtschulabschluss erreichen ein hohes Niveau, gegenüber 24 Prozent (Österreich: 35 Prozent) derjenigen mit tertiärer Bildung.

KI erhöht Zugänglichkeit, aber nicht die Finanzkompetenz

Allianz-Finanzbildungsstudie (Cover; Quelle: Allianz)
Allianz-Finanzbildungsstudie
(Cover; Quelle: Allianz)

Bereits 14 Prozent (Österreich: 10 Prozent) der Befragten nannten KI als ihre wichtigste Quelle für Finanzberatung, in der Generation Z gar 26 Prozent (Österreich: 16 Prozent).

Laut Allianz Research sind KI-Nutzer in größerer Zahl von ihrem Finanzwissen überzeugt (43 vs. 33 Prozent, Österreich: 35 vs. 29 Prozent). Sie erreichen aber nicht häufiger ein hohes Niveau als Nicht-Nutzer, hält die Allianz fest.

„KI macht Finanzinformationen zugänglicher als je zuvor, aber sie kann Finanzbildung nicht ersetzen“, kommentiert Simon Krause, Ökonom bei Allianz Research.

„Denn nur wer über das nötige Finanzwissen verfügt, kann Empfehlungen kritisch einordnen, Selbstüberschätzung vermeiden und fundierte, langfristige Finanzentscheidungen treffen.“

Nichtwissen kostet im Schnitt 300 Euro pro Jahr

Aus Sicht der Allianz tragen die Defizite im Finanzwissen dazu bei, dass weniger ertragreich angespart und investiert wird, als bei höherer Finanzkompetenz angespart und investiert werden könnte.

Eine „einfache Simulation“ zeige die möglichen Kosten einer schlechten Kapitalanlage: „Hätte man die Hälfte der Bankeinlagen eines durchschnittlichen Haushalts in Anleihen und Aktien umgeschichtet, wären die jährlichen Erträge in jedem in der Analyse berücksichtigten Land gestiegen“, so die Allianz.

Ohne mehr zu sparen, hätte eine solche Umschichtung das nominale Pro-Kopf-Finanzvermögen in den vergangenen zwei Jahrzehnten um 14 Prozent bis 21 Prozent erhöht, wie es weiter heißt.

Die geschätzte „finanzbildungsbedingte Lücke im Vermögensaufbau“ wird in dem Bericht mit nominell „fast 10.300 Euro“ beziffert, nach Inflation mit rund 6.100 Euro, als zirka 300 Euro jährlich.

Allianz sieht Regierungen, Arbeitgeber und Finanzinstitute gefordert

Für die Allianz folgt aus den Ergebnissen die Notwendigkeit eines „koordinierten Zusammenspiels von Regierungen, Arbeitgebern und Finanzinstituten“, um das Finanzbildungsniveau zu heben.

Dabei müsse es um mehr als reine Wissensvermittlung gehen. Finanzbildung „sollte Menschen befähigen, ihre eigenen Finanzkenntnisse realistisch einzuschätzen, zu erkennen, wann professionelle Beratung sinnvoll ist, und fundierte, langfristige Finanzentscheidungen zu treffen“, erklärt die Allianz.

„Regierungen sollten Finanzbildung stärken und die Altersvorsorgeplanung greifbarer machen. Arbeitgeber können die finanzielle Bildung und Beratung am Arbeitsplatz ausbauen.“

Finanzinstitute sollten „den Weg vom Sparen zum Investieren durch einfachere Produkte, hochwertige Beratung und digitale Werkzeuge erleichtern“, so die Allianz weiter.

„Allianz School for Life“

Die Allianz selbst hat ein Wissensangebot ins Internet gestellt, das Lernmodule für die unterschiedlichen Altersgruppen von Kindern bis hin zu Erwachsenen enthält.

„Mehr Eigenverantwortung muss mit mehr Finanzkompetenz einhergehen“, sagt Ludovic Subran, Chefvolkswirt und Chief Investment Officer der Allianz SE. „Deshalb startet die Allianz mit der ‚School for Life‘ eine kostenlose digitale Lernplattform für Finanzbildung.“

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