WERBUNG

Welche Rolle Versicherungen bei der Vorsorge spielen können

28.4.2026 – Die erste Säule steht zunehmend unter Druck, für Versicherungen und Berater ergeben sich vor allem bei direkten Leistungszusagen Chancen. Hybride Modelle bieten Unternehmen Flexibilität, im Fokus stehen Mitarbeiterbindung und ein sichtbarer Mehrwert im Alltag.

Symbolbild (Foto: Wilfried Pohnke auf Pixabay)
Bild: Wilfried Pohnke auf Pixabay

Brigitta Schwarzer, geschäftsführende Gesellschafterin der Governance- und Compliance-Plattform Inara, und Risikomanagementexperte Helmut Tenschert luden in der Vorwoche zu einem Seminartag zur betrieblichen Altersvorsorge (BAV) in die Räume der Zürich Versicherung in Wien.

Der Termin war nahezu perfekt gewählt – denn am Tag davor hatte die Regierung ihre Pläne für die bAV, wie Generalpensionskassenvertrag, die Übertragbarkeit von Abfertigungsanwartschaften und steuerliche Erleichterungen, vorgestellt (VJ 23.4.2026).

Die Veranstaltung wollte einen Überblick über die Gestaltung und Umsetzung von BAV-Modellen für und in Unternehmen durch betriebliche Vorsorgekassen, Pensionskassen und Versicherungen geben und lud dafür hochrangige Experten ein.

Zürich-Vertriebsvorstand Erwin Mollnhuber zeigte sich eingangs „wirklich überzeugt, dass es ein Thema für die Zukunft ist“. „Besser wird es nicht mit den gesetzlichen Pensionen“, ergänzte Tenschert, nötig sei es deshalb, Aktivitäten zu setzen.

Vorteile einer BAV für Vermittler

Auf die „Pensionsproblematik“ ging Markus Pumberger, Leiter BAV bei Zürich Österreich, ein: Bis 2040 würden rund 800.000 Personen hierzulande in Pension gehen, gleichzeitig würde Österreich 300.000 Personen im arbeitsfähigen Alter verlieren.

Der Druck auf das System sei massiv, deutliche Einschnitte „werden unumgänglich“, so Pumberger. Aber: „Eingriffe in die erste Säule sind weniger schmerzhaft, wenn sie abgefedert werden.“ Dies sei „die perfekte Chance für die betriebliche Altersvorsorge“.

Für Vermittler biete die BAV eine Reihe von Vorteilen: Das Geschäft sei zwar beratungsintensiv, aber weniger stornoanfällig als das Privatgeschäft. Und es sei nicht so renditesensibel, weil es mehr um Steuer- und Abgabenvorteile und strategische Überlegungen für die Unternehmen gehe.

Bei Zürich stehe die direkte Leistungszusage im Fokus: Diese sei so attraktiv, weil es eine große Bandbreite begünstigter Personen gebe: von Gesellschafter-Geschäftsführern über Mitarbeiter in einer Führungsebene bis hin zu freien Dienstnehmern, Vorständen und Konsulenten.

Hybrides Modell für direkte Leistungszusage

Die klassische Lebensversicherung sei für die Rückdeckungsversicherung bei einer direkten Leistungszusage „nicht mehr Mittel der Wahl“, so Gerhard Kantusch, Eigentümer der P&C Pension Consulting GmbH. Dass hybride Versicherungslösungen zulässig sind, habe ein Gutachten von PWC bestätigt.

Es sei nämlich nicht nötig, für die steuerliche Pensionsrückstellung zu 100 Prozent in den Deckungsstock zu gehen: Eine Wertpapierdeckung von 30 Prozent durch die klassische Lebensversicherung genüge, 70 Prozent könnten frei veranlagt werden, so Kantusch.

Auf die Vorteile von Pensionszusagen ging Christian Schuster, Eigentümer der BAV Schuster GmbH, ein: Sie schließen im Idealfall die Lücke zwischen staatlicher Pension und Aktivbezug, gehen nicht zu Lasten des privaten Vermögens und binden Führungskräfte.

Wichtig für Unternehmen sei vor allem Flexibilität, betonte Schuster. Es gehe um Verfügbarkeit und Bedienbarkeit, darum, Veranlagungsmöglichkeiten zu wählen und zu verändern sowie um Serviceleistungen für die jeweilige Marktsituation und eine Fondsauswahl mit System.

Mitarbeiterbindung mit Potenzial

„Die Quelle“ für Potenzial in der Zukunft sieht Markus Reindl, Berater für betriebliche Altersvorsorge und gerichtlich beeideter Sachverständiger, in der direkten Leistungszusage. Im Gegensatz zu betrieblicher Krankenversicherung oder Pensionskassen bestehe die Möglichkeit einer echten Mitarbeiterbindung.

Denn Mitarbeiter würden die vollen Leistungen nur dann erhalten, wenn sie bis zu ihrer Pensionierung im Betrieb bleiben. Für den Fall, dass das Arbeitsverhältnis vor dem Leistungsfall beendet wird, können hohe Verluste für den Mitarbeiter fast nach Belieben vereinbart werden, so Reindl.

Wichtig sei es, gegenüber Mitarbeitern nie das Argument „statt einer Gehaltserhöhung“ zu verwenden und keine Wahlmöglichkeit zwischen Barlohn und Modell zu ermöglichen. Die Vereinbarung sollte immer in beitragsorientierter Form erfolgen, als Bemessungsgrundlage empfiehlt Reindl eine klassische Kapitalversicherung.

Wichtigste Zielgruppe für eine direkte Leistungszusage seien aber geschäftsführende Geschäftsführer von GmbH mit Anteilen über 25 Prozent. Im Vordergrund stehe dabei aber weniger die zukünftige Rente, wichtiger seien der Wegfall von Lohnnebenkosten und Sozialversicherung.

Die Sicht der Pensionskassen

Die Sicht der Pensionskassen beleuchtete Beate Wolf, Vorstandsmitglied der APK Pensionskasse, in ihrem Vortrag. BAV sei „mehr als nur ein nice to have“, sie stifte Nutzen, weil sie die erste Säule entlaste. BAV sei aber immer nur ein ergänzendes Produkt, betont Wolf.

Vorbild könne Skandinavien sein, wo Absicherung im Alter keine individuelle Holschuld, sondern systematisch organisiert sei. „Best Parctices“ aus dem Norden seien die hohe Abdeckung der betrieblichen Vorsorge, Generalpensionskassen für alle, staatlich gestützte Modelle und Finanzbildung ab der Schule.

Unternehmen sollten betriebliche Altersvorsorge als Benefit etablieren, Informationen bereitstellen und Workshops sowie Info-Tage anbieten. Die Politik wiederum sollte die Förderung der zweiten Säule ausbauen, Transparenzpflichten für Anbieter etablieren und Initiativen zur Finanzbildung setzen.

Besonders wichtig sei es, die bAV einfach zu erklären, bisher hätten die Pensionskassen das Thema immer sehr komplex gemacht, so Wolf. Ihr Wunsch ist eine gemeinsame App für alle Säulen; Pensions- und Vorsorgekassen hätten das „fertig entwickelt“, ein „Nein“ dazu komme aber von der ersten Säule.

Was für Unternehmer wichtig ist

„Nichts von dem, was ich bisher gehört habe, brauche ich“, sagte Andreas Pangratz, Geschäftsführer von Canon Medical Systems Österreich. Aus Unternehmenssicht gehe es vor allem darum, ob „das, was wir heute als Vorsorge anbieten, attraktiv für junge Menschen ist“.

BAV sei für viele junge Menschen nicht relevant genug: „Benefits für Junge müssen im Alltag spürbar sein, nicht erst in 40 Jahren.“ Es gehe nicht um isolierte Lösungen, sondern um einen sichtbaren Mehrwert im Alltag. Ideal wäre eine Kombination aus BAV, betrieblicher Krankenversicherung und Prävention.

„Moderne Arbeitgeber müssen Zukunft ermöglichen“, sagt Kerstin Valet, Regional Director Marketing & Communications beim Informationsdienstleister Crif. Im Fokus stünden bei Crif finanzielle Sicherheit und Planbarkeit; abgedeckt werden Altersvorsorge- und Berufsunfähigkeitspension sowie eine Hinterbliebenenversorgung.

Für eine Pensionskasse habe sich Crif wegen der planbaren Kosten ohne Nachschusspflichten, des geringen Verwaltungsaufwands sowie eines attraktiven Benefits für Mitarbeiter entschieden. Daneben werde aber auch eine Zukunftssicherung in Form einer Bezugsumwandlung in Höhe von 25 Euro pro Monat angeboten.

 
WERBUNG
Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu! Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.at.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.at.

Täglich bestens informiert!

Der VersicherungsJournal Newsletter informiert Sie von montags - freitags über alle wichtigen Themen der Branche.

Ihre Vorteile

  • Alle Artikel stammen aus unserer unabhängigen Redaktion
  • Die neuesten Stellenangebote
  • Interessante Leserbriefe

Jetzt kostenlos anmelden!

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.at
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
23.12.2016 – 28 Versicherungsvorstände sprechen in einer Umfrage über die größten Herausforderungen des ausklingenden und die wichtigsten Themen des kommenden Jahres. mehr ...
 
17.12.2015 – Wir haben uns in der Versicherungswirtschaft umgehört und nach den Erwartungen für das neue Jahr gefragt. 15 Unternehmen haben uns gesagt, welche Trends sie sehen und wo sie selbst Schwerpunkte setzen wollen. mehr ...