6.11.2026 – Nur wenige Österreicher verbinden mit Versicherungen das Solidarprinzip. Erklärt man es ihnen aber, so findet die weit überwiegende Mehrheit es gut, so eine Studie im Auftrag des VVO. Weitere Ergebnisse: Finanzbildung sollte schon in der Schule beginnen, Menschen sollten mehr Eigenverantwortung übernehmen und Versicherungsverträge sind oft unverständlich formuliert.

Im Rahmen der Pressekonferenz des Versicherungsverbands (VVO) wurde – neben der qualitativen Studie des Kompetenzzentrums für Finanzbildung – lesen Sie dazu den Beitrag „Wie es um die Risikokompetenz der Österreicher steht“ – auch eine quantitative Studie zu Risikoverständnis und Financial Literacy vorgestellt.
Dafür hat Triple M Matzka Markt- und Meinungsforschung im Mai dieses Jahres tausend Österreicher zwischen 16 und 79 Jahren online befragt. Die Studie sei repräsentativ für die österreichische Bevölkerung, so Triple-M-Inhaberin Christina Matzka bei der Präsentation.
Ihre eigene Finanzbildung bezeichnen demnach 56 Prozent der Befragten als eher oder sehr gut. Ein weniger positives Bild haben sie von anderen: 73 Prozent sind der Meinung, die Finanzbildung der Österreicher sei insgesamt eher oder sehr schlecht, nur 22 Prozent glauben, dass sie gut ist.
86 Prozent der Studienteilnehmer sind darüber hinaus der Meinung, dass Finanzbildung schon in der Schule beginnen sollte. Und 79 Prozent erwarten sich von Versicherungen mehr objektive und transparente Informationen; oft hätten sie das Gefühl, dass ihnen nur etwas verkauft werden soll.
Was das Risikoverständnis und die Risikoeinschätzung betrifft, zeigen sich derzeit 55 Prozent eher bis sehr risikoscheu – vor fünf Jahren war dies nur die Hälfte der Befragten. Männer und Menschen mit höherer Bildung seien risikofreudiger, so Matzka.
Mehr als 80 Prozent sind der Meinung, dass Menschen mehr Verantwortung übernehmen und sich nicht auf den Staat und die Allgemeinheit verlassen sollten, fast ebenso viele glauben, dass Risiken eher unterschätzt werden. Aber immerhin 72 Prozent sagen auch, dass man sich nicht zu sehr fürchten sollte.
Relevant sind für die Studienteilnehmer vor allem wirtschaftliche Risiken – 73 Prozent zeigen sich davon (eher) betroffen. 62 Prozent geben an, von gesundheitlichen Risiken, 56 Prozent, von finanziellen Risiken betroffen zu sein. Vor allem Menschen unter 30 Jahren sehen sich bei allen Risiken überdurchschnittlich betroffen.
Befragt, wie Versicherungen funktionieren, nennen laut Studie 15 Prozent spontan das Solidarprinzip. Rund ein Viertel sieht regelmäßige Einzahlungen für Leistungen im Schadenfall als wichtigste Funktion, Risikodeckung, Vorsorge und Absicherung für den Ernstfall nennen 13 Prozent.
Immerhin 16 Prozent zeigen sich aber skeptisch oder misstrauisch und kritisieren das Versicherungsprinzip. Und sechs Prozent sehen Versicherungen als wirtschaftliches Modell der Gewinnorientierung.
Erklärt man den Menschen, was unter dem Versicherungsprinzip zu verstehen ist, so geben 54 Prozent an, dass sie es verstanden haben, sagt Matzka. Von 71 Prozent werde es darüber hinaus auch als „gutes Prinzip“ betrachtet.
Fast drei Viertel der Befragten (72 Prozent) sind sich im Klaren darüber, dass Versicherer nicht jeden Schaden in voller Höhe versichern. 69 Prozent geben an, zu wissen, welche Schäden in ihren Verträgen abgedeckt und ausgeschlossen sind. Und 64 Prozent glauben, das nötige Wissen über Versicherungen zu haben.
62 Prozent der Befragten sagen, dass sie Versicherungsverträge überprüfen und bei Bedarf auch anpassen, wenn sich ihre Lebenssituation ändert. Dass Versicherungsverträge verständlich formuliert sind, finden aber nur 28 Prozent der Teilnehmer.
Am besten kennen sich die Befragten in ihrer Selbsteinschätzung mit Haushalts- und Kfz-Haftpflichtversicherungen aus, heißt es in der Studie. Die Lebensversicherung wird hauptsächlich (von 56 Prozent) als Ansparprodukt gesehen, 21 Prozent können sie aber überhaupt nicht einordnen.
Man habe mit den Studien zeigen wollen, dass finanzielle Selbstbestimmung dort beginnt, wo Menschen Risiken verstehen und fundierte Entscheidungen für ihr eigenes Leben treffen können, resümiert VVO-Präsident Gregor Pilgram: „Finanzbildung schafft genau diese Orientierung.“
Und VVO-Generalsekretär Christian Eltner sieht die Ergebnisse als Auftrag an die Versicherungswirtschaft und die Gesellschaft, mehr in Finanz- und Risikobildung zu investieren.
Zur Kritik an der Verständlichkeit von Versicherungsunterlagen betont Eltner die Komplexität der Regulierung; ein Abweichen sei nicht möglich. Man bemühe sich, hier Erleichterungen durchzusetzen, das sei aber ein „Bohren dicker Bretter“.
„Die Informationsflut kommt beim Kunden an, er kann aber nichts damit anfangen“, so Eltner; nötig seien flankierende Maßnahmen: Es gehe darum, die Fähigkeiten der Kunden zu steigern und in der Beratung auf die wesentlichen Punkte hinzuweisen.
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