Prognose: Dämpfer für das Prämienwachstum

9.7.2026 – Einen Rückgang des globalen BIP-Wachstums von 2,9 Prozent 2025 auf 2,5 Prozent 2026 und einen Rückgang des Prämienwachstums von 3,9 auf 1,3 Prozent prognostiziert das Swiss Re Institute in einem neuen Bericht. Der nachlassenden Dynamik könnte aber das komplexe Risikoumfeld entgegenwirken, hohe Investitionen in KI-Infrastruktur den Bedarf an Versicherungsschutz befeuern. Die Lebensversicherung profitiere von höheren Renditen.

Nach Corona-Pandemie, Energiekrise und Handelsproblemen sieht das Swiss Re Institute (SRI) den Nahostkonflikt als den „jüngsten großen Angebotsschock, der die Weltwirtschaft bremst, die Inflation antreibt und den allgemeinen Wandel zu einer stärker fragmentierten Weltwirtschaft verstärkt.

In seinem am Mittwoch veröffentlichten Bericht „World insurance in 2026: Shock absorbers in a fragmenting world“ geht es davon aus, dass das globale BIP-Wachstum 2026 auf 2,5 Prozent (2025: 2,9 Prozent) sinken könnte; zu Jahresbeginn hatte das SRI noch mit 2,8 Prozent gerechnet. Für 2027 erwartet es 2,7 Prozent Wachstum.

Für den Euroraum fallen die Werte niedriger aus: Nach 1,5 Prozent BIP-Wachstum 2025 rechnet das SRI hier mit 0,4 Prozent 2026 und einer Verbesserung auf 1,3 Prozent 2027. Bei allen genannten Angaben ist reales Wachstum gemeint.

Höhere Inflation, Zinsen voraussichtlich „länger auf höherem Niveau“

Für die globale Inflation 2026 geht das SRI von einem Anstieg auf 4,0 Prozent (2025: 3,4 Prozent) aus, ehe sie 2027 auf 3,3 Prozent zurückgehen sollte. Das Euro-Gebiet entwickelt sich laut Prognose auch in dieser Hinsicht moderater: von 2,1 Prozent 2025 über 3,1 Prozent 2026 zu 2,6 Prozent 2027.

Die Zinsen dürften nach Einschätzung des SRI „länger auf höherem Niveau verharren, weil Anleger für Inflations-, Fiskal- und geopolitische Risiken eine höhere Kompensation verlangen“.

Strukturwandel mit neuen Risikopools

Und weil Regierungen „nationale Sicherheit, strategische Autonomie und krisensichere Lieferketten zunehmend höher priorisieren als wirtschaftliche Effizienz“, befinde sich die Weltwirtschaft in einem Strukturwandel.

Das heiße: Um widerstandsfähiger zu werden, nehmen die Unternehmen eine Neubewertung von Lieferantenabhängigkeiten, Logistikwegen und geopolitischen Risiken vor.

Für Jérôme Haegeli, Group Chief Economist von Swiss Re, stellt sich der jüngste Konflikt im Nahen Osten denn auch als „ein weiteres Zeichen“ dafür dar, dass geopolitische Risiken zu einem „strukturellen Merkmal der Weltwirtschaft“ geworden sind.

„In dem Maße“, so Haegeli, „in dem Volkswirtschaften in KI-Infrastruktur, Energiesysteme und widerstandsfähigere Lieferketten investieren, entstehen völlig neue Risikopools.“

Deutlicher Rückgang des Prämienwachstums

In diesem Umfeld dürfte das reale Wachstum der weltweiten Versicherungsprämien merklich sinken, schätzt man im Swiss Re Institute: von 3,9 Prozent 2025 auf 1,3 Prozent 2026 – ehe es 2027 zu einer leichten Erholung auf 1,6 Prozent kommen könnte.

Prämienprognose bis 2027 (Daten: SRI; Grafik: Lampert)

„Begrenzter Abschwung“ in der Nichtleben

Die Nichtlebensversicherung trete in eine „schwächere Phase des Underwritingzyklus“ ein, stellt das SRI fest. Aber: „Aufgrund der steigenden Schadeninflation, der geopolitischen Unsicherheit und der wachsenden Katastrophenrisiken dürfte sich der Abschwung in Grenzen halten.“

Dennoch: Die weltweiten Nichtleben-Prämien dürften 2026 nur noch um real 0,6 Prozent wachsen – deutlich schwächer als im Jahresschnitt des Zeitraums 2015 bis 2024 (3,6 Prozent). Besonders stark treffe der Abschwung Industrieländer, während Schwellenländer „relativ widerstandsfähig bleiben“.

Je länger der Inflationsdruck aufgrund des Nahostkonflikts anhalte, desto wahrscheinlicher sei, dass seine Auswirkungen auf die Reparatur-, Wiederbeschaffungs- und Haftungskosten durchschlagen und damit den Abwärtsdruck auf die Preise teilweise ausgleichen.

„Daher könnte der aktuelle Zyklus flacher ausfallen als frühere Soft-Market-Phasen, wobei die Versicherer ihre Preise wohl stärker anpassen dürften, wenn sich die Lage bei Großschäden, Inflation und Kapitalsignalen stärker verschlechtert als erwartet“, so das SRI.

Nichtlebensversicherung bleibt profitabel

Der neue Sigma-Report 2/2026 (Cover; Quelle: SRI)
Der neue Sigma-Report 2/2026 (Cover; Quelle: SRI)

Trotz eines sinkenden Preisniveaus und steigender Schadeninflation bleibe die Nichtlebensversicherung aber profitabel, hält das SRI fest.

Für 2026 rechnet es mit einer Eigenkapitalrendite von 11,4 Prozent, nachdem 2025 ein Höchststand von 14 Prozent erreicht worden sei. Bis 2028 wird ein Rückgang auf 7,7 Prozent prognostiziert.

„Die weiterhin hohen Kapitalanlageerträge bilden den wichtigsten Puffer gegen den Abschwung im Underwriting-Zyklus“, fügt das Institut hinzu.

Profitables Wachstum auch in der Lebensversicherung

Die Lebensversicherung profitiere weiterhin von einem gestiegenen Zinsniveau. Dem Bericht zufolge dürften die weltweiten Leben-Prämien 2026 real um 2,3 Prozent und damit über dem langfristigen Trend (2015 bis 2024: 1,9 Prozent) wachsen.

„Dem Spar- und Rentenversicherungsgeschäft kommen nach wie vor die höheren Renditen zugute, und die Schwellenländer profitieren von günstigen demografischen Entwicklungen, regulatorischen Reformen und einer steigenden Versicherungsdurchdringung“, erläutert das SRI.

Die Aussichten für die Profitabilität der Lebensversicherer seien weiterhin positiv, „weil die Kapitalerträge weiterhin durch höhere Wiederanlagerenditen gestärkt werden“.

Hohe KI-getriebene Investitionen

Einen „wichtigen Ausgleich für die Belastung durch Angebotsschocks“ ortet das SRI im Zusammenhang mit der sich schnell entwickelnden Infrastruktur für künstliche Intelligenz.

Die Welt stehe am Beginn eines Zyklus, der durch hohe Investitionen in Rechenzentren, Energieinfrastruktur und hochmoderne Fertigung gekennzeichnet ist.

Diese Anlagen, so das SRI, lassen den Bedarf an Versicherungsschutz in den Sparten Sachversicherungen, Engineering, Cyber, Haftpflicht und Betriebsunterbrechung steigen.

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Lebensversicherung · Sachversicherung · Wiederanlage
 
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