Herausforderungen und Chancen für Vorsorge mit 50 plus

26.6.2026 – Eine aktuelle Studie im Auftrag von Standard Life offenbart eine deutliche Lücke zwischen Problembewusstsein und tatsächlicher Vorsorge der Generation 50+ in Österreich. Notwendig sei eine ausgewogene Pensionsreform, so Wifo-Experte Thomas Url – betroffen davon werde auch diese Generation sein. Allerdings gibt es auch für ältere Menschen noch sehr viele Möglichkeiten zur Vorsorge, betont Unternehmensberater Wolfgang Ellmaier.

Standard-Life-Seminar zur Vorsorge 50+ (Bild: Standard Life)
Standard-Life-Seminar zur Vorsorge 50+ (v.l.n.r.): Unternehmensberater Wolfgang Ellmaier, Wifo-Ökonom Thomas Url und Standard-Life-Vertriebschef Christian Nuschele (Bild: Standard Life)

Mit der Vorsorge für die „Generation 50+“ beschäftigte sich ein Seminar der Standard Life Versicherung mit Thomas Url, Senior Economist am österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo), und dem Unternehmensberater und Fachbuchautor Wolfgang Ellmaier.

Vorab hat Standard Life dazu vom Marktforschungsinstitut Integral eine Studie zum Thema „Ruhestandsplanung“ erstellen lassen. Befragt wurden im April und Mai 653 Österreicher im Alter zwischen 50 und 75 Jahren, die sich vor dem oder bereits im Ruhestand befanden.

Dass sich das Pensionssystem unter Druck befindet, scheint den Studienteilnehmern klar zu sein. 56 Prozent rechnen mit einer Anhebung des Pensionsantrittsalters in den nächsten fünf Jahren, weitere 28 Prozent damit, dass dies in den nächsten zehn Jahren passieren wird.

Durch monetären Verzicht dazu beitragen, dass die Pensionen künftiger Generationen gesichert bleiben, wollen aber nur wenige: Gerade 16 Prozent der Befragten sind sehr oder eher bereit, dafür Einbußen bei der eigenen Pension hinzunehmen.

Lücke zwischen Problembewusstsein und Vorsorge

Laut Studie schätzen 17 Prozent der Teilnehmer ihre monatlichen Ausgaben im Ruhestand als höher ein als im Erwerbsleben, 41 Prozent erwarten niedrigere Ausgaben. Dennoch glauben nur 40 Prozent der Befragten, dass sie ihren Lebensstandard im Alter aufrechterhalten werden können.

Einen Einnahmen-Ausgaben-Plan für die Zeit nach der Pensionierung haben laut Studie 22 Prozent erstellt, weitere 27 Prozent haben dies vor. Unter den Angehörigen dieser beiden Gruppen wollen wiederum 78 Prozent keine Hilfe bei der Ruhestandsplanung in Anspruch nehmen.

Nur 13 Prozent wollen einen Bankberater, sieben Prozent einen Finanz- oder Versicherungsberater konsultieren. Für Christian Nuschele, Head of Distribution Germany & Austria bei Standard Life, ist dieses Ergebnis „erschreckend“: „Alleine wird man das nicht schaffen, man braucht Experten.“

Insgesamt zeige die Studie eine deutliche Lücke zwischen Problembewusstsein und tatsächlicher Vorsorge, resümiert Nuschele. Viele Menschen würden zwar mit Einschränkungen im Ruhestand rechnen, sich damit aber zu spät oder gar nicht auseinandersetzen.

Umlageverfahren vs. Kapitaldeckung

Aus volkswirtschaftlicher Sicht spiegelten die Studienergebnisse eine zunehmende Unsicherheit wider, betont der Ökonom Url. Österreich biete zwar eine hohe Einkommensersatzrate, sei aber stark auf das Umlageverfahren konzentriert.

Angesichts des demografischen Wandels und der strukturellen Veränderungen am Arbeitsmarkt werde der Finanzierungsdruck in den kommenden Jahren weiter steigen. Eine Umstellung vom Umlageverfahren auf Kapitaldeckung wäre aber kostspielig, eine Generation werde dadurch doppelt belastet.

Aus der Wirtschaftsgeschichte gehe auch nicht eindeutig hervor, welches System besser ist, eine Diversifikation sei aber zu bevorzugen, so Url. Die aktuelle Pensionsreform setze zwar wichtige Impulse, eine strukturelle Reform wurde aber auf 2030 verschoben.

Reformoptionen für Österreich

Url verweist darauf, dass es verschiedene Möglichkeiten gebe, die Probleme in Österreich in den Griff zu bekommen. Dazu zählt, dass das Eintrittsalter in die Pension hierzulande vergleichsweise niedrig ist: Der Durchschnitt liege in der EU um 1,3 Jahre höher, in der Schweiz sogar um 2,4 Jahre.

Auch die Einkommensersatzraten sind in Österreich mit 86,8 Prozent des Nettoeinkommens hoch: Im EU-Schnitt sind sie um 18,5 Prozentpunkte niedriger, in der Schweiz um 39,4 Prozentpunkte. Möglichkeiten würden sich auch bei den Anpassungen der Bestandspensionen und durch den Aufbau kapitalgedeckter Elemente ergeben.

Notwendig sei jedenfalls eine „ausgewogene Pensionsreform“, so Url. Sie sollte möglichst viele Generationen belasten, anzustreben sei ein ausgewogener Mix von Pensionsanpassungen, Anhebung des Pensionsalters und Senkung der Pensionsgutschriften für das Pensionskonto.

Schweden habe die Reform geschafft, weil nach einer Finanzkrise alle politischen Kräfte sich für diese ausgesprochen haben. Url: „Ich hoffe, dass es in Österreich kein ,brennendes Dach‘ dafür braucht.“

Ruhestandsplanung auch nach 50

Für die Generation 50+ gebe es „wahnsinnig viele Möglichkeiten“, weder mit der zweiten noch mit der dritten Säule sei es in diesem Alter vorbei, so Ellmaier. Es handle sich um eine „extrem wichtige Phase“, angesichts der Lebenserwartung sei auch für diese Generation noch lange Planung möglich.

Wer seinen Ruhestand gut planen will, müsse zunächst genau wissen, wo er finanziell steht und welches Leben er später führen will. Selbst mit 65 sei damit nicht Schluss: Gerade dann könnten finanzielle Möglichkeiten und persönliche Ziele optimal aufeinander abgestimmt werden.

Viele Menschen seien aber orientierungslos unterwegs, dabei könne gute Beratung sehr viel ausmachen. Mit dem richtigen Plan, der Beachtung von Kosteneffizienz und Steuern sowie dem Vermeiden von Verhaltensfehlern seien „drei Prozent mehr Rendite möglich“, so Ellmaier.

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