22.4.2026 – Ein europäischer Naturkatastrophen-Versicherungspool, kombiniert mit einer kreditbasierten Auffangregelung: Dieses Modell wird in einem neuen Expertenpapier von Eiopa und ESM erörtert. Nach Ansicht der Autoren könnte es zur Verringerung der Deckungslücke beitragen und den Schutz finanzierbar halten, ohne private Märkte zu verzerren und Staatshaushalte zusätzlich zu belasten.
Die Deckungslücke bei Schäden, die Naturkatastrophen verursachen, soll kleiner werden, die Widerstandsfähigkeit Europas gegen eine Zunahme von Ereignissen wie Überschwemmungen, Dürren, Stürmen und Bränden steigen.
Das ist das Thema eines Diskussionspapiers, das die EU-Versicherungsaufsicht Eiopa und der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) kürzlich veröffentlicht haben.
Das Staff Paper ist als Beitrag zu einer „informierten Diskussion“ über mögliche Optionen gedacht, Lücken in der Natkat-Absicherung anzugehen.
Erst- und Rückversicherer, marktbasierte Lösungen und, wo vorhanden, nationale Systeme sollten weiter eine „Schlüsselrolle“ bei der Natkat-Risikostreuung spielen, schickt die Eiopa vorweg.
Angesichts der Erderwärmung, so die Behörde weiter, könnten die Kapazitäten der genannten Akteure für wahrscheinlicher werdende größere Naturkatastrophen aber allenfalls nicht ausreichen.
Das Expertenpapier skizziert deshalb ein neues Modell für das Natkat-Risikomanagement. Es würde sich auf zwei Stützen aufteilen.
Die erste Stütze wäre ein „Europäischer Naturkatastrophen-Versicherungspool“. Er würde Risiken über Länder und verschiedene Risikoarten hinweg diversifizieren. Die Finanzierung würde durch risikobasierte Prämien erfolgen.
„Dieser Zugang würde es Versicherern ermöglichen, ihr Kapital effizienter einzusetzen, die Deckung auszuweiten und die Prämien für Haushalte und Unternehmen leistbar zu halten“, argumentiert die Eiopa.
In Ergänzung dessen würde eine kreditbasierte Auffangregelung („Backstop“) für Extremereignisse jenseits der Pool-Kapazitäten die zweite Stütze bilden. Die Pool-Mitglieder würden die so erhaltenen Mittel nachher zurückzahlen – zum Risikoausgleich im Kollektiv träte damit ein Ausgleich über die Zeit.
Diese marktbasierte und haushaltsneutrale Ausgestaltung hätte, so die Idee, mehrere Vorteile. Sie würde es den Versicherern ermöglichen, die Kosten im Lauf der Zeit ohne Rückgriff auf Steuergeld aufzufangen, eine vorhersagbare und leistbare Finanzierung bieten, die Abhängigkeit von staatlicher Unterstützung im Anlassfall verringern und Rückversicherungskosten stabilisieren, ohne private Märkte zu verzerren oder die Haushaltsdisziplin zu schwächen.
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