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Bessere Finanzbildung würde auch der Beratung nützen

19.10.2026 – Ein höheres Finanzbildungsniveau würde die Beratung erleichtern und den Zugang zu den Kapitalmärkten erleichtern. Das war beim jüngsten Afpa-„Marktdialog“ zu hören. Bessere Finanzbildung ist ein von der EU-Kleinanlegerstrategie (RIS) angepeiltes Ziel. Zugleich wurde aber Kritik an der Regulierung generell laut: zu umfangreich, zu kompliziert und letzten Endes für viele ein Grund, von der Beratung Abstand zu nehmen.

Afpa-Marktdialog (v.l.n.r.): Marc Fähndrich (EU-Kommission Wien), Martin Ramharter (Finanzministerium), Christian Prantner (Konsumentenschutz AK Wien), Moderatorin Claudia Schanza, Afpa-Obmann Michael Herzhofer (Bild: Lampert/Screenshot)
Afpa-Marktdialog am Donnerstag in Wien (v.l.n.r.): Marc Fähndrich (EU-Kommission Wien), Martin Ramharter (Finanzministerium), Christian Prantner (Konsumentenschutz AK Wien), Moderatorin Claudia Schanza und Afpa-Obmann Michael Herzhofer (Bild: Lampert/Screenshot)

Viel und intensiv wurde über die EU-Kleinanlegerstrategie (Retail Investment Strategy, RIS) seit der Vorstellung des Entwurfs im Mai 2023 (VJ 25.5.2023) diskutiert. Dabei genossen aber nicht alle Teile des Textes die gleiche Aufmerksamkeit wie die Regelungen zu Vergütung und Beratungsprozessen.

Ein Ziel der RIS sei auch, die Finanzbildung in der Bevölkerung zu stärken, stellte deshalb Afpa-Obmann Michael Herzhofer am Donnerstag bei einem „Marktdialog“ des Branchenverbandes Afpa (Austrian Financial & Insurance Professionals Association) fest.

Ein höheres Finanzbildungsniveau würde letztlich auch die Beratung vereinfachen, sagte Herzhofer. „Wir müssen dieses Thema aufgreifen.“

Prantner: Wissensmangel noch größere Hürde als Risiken und Kosten

An der Finanzbildung zu arbeiten, sei „sicher notwendig“, meinte Christian Prantner, Teamleiter Finanzdienstleistungen in der Abteilung Konsumentenpolitik der Arbeiterkammer Wien.

Er berichtete aus einer AK-Umfrage unter 1.000 Personen, in der es um den Kauf von Wertpapieren ging. Von jenen 30 Prozent, die keine Wertpapiere hatten, gab laut Prantner die Mehrheit an, dass der Grund dafür fehlendes Wissen ist. Risiken oder Kosten seien im Vergleich dazu weniger relevant gewesen.

Nichtsdestoweniger habe sich seit den 1990er-Jahren einiges getan, hielt Prantner fest: Fondssparen, das Anlegen in Investmentfonds sei inzwischen als Anlageoption bei den Konsumenten „angekommen“.

Fähndrich: Wissen würde Zugang zum Kapitalmarkt erleichtern

Marc Fähndrich, Leiter der Wirtschaftspolitik und Berater für wirtschaftspolitische Koordinierung bei der EU-Kommission in Wien, hält diese Entwicklung zur Finanzierung des österreichischen Pensionssystem auch für notwendig.

„Die Menschen werden immer älter, irgendjemand wird das zahlen müssen“, so Fähndrich. Der Kapitalmarkt offeriere hier eine Alternative, denn der biete langfristig höhere Erträge. Voraussetzung sei, dass die Produkte verständlich und den Kunden die Risiken bewusst sind.

Wenn Kunden zumindest „grob verstehen“, worauf sie sich beim Abschluss einlassen, könne das den Zugang zum Kapitalmarkt fördern. Bislang – die Zahlen beziehen sich auf 2021 – legten private Haushalte in der EU nur 17 Prozent ihres Vermögens in Wertpapieren an, während es in den USA 43 Prozent seien.

Bessere Finanzbildung sei gerade angesichts komplexer gewordener Märkte und Produkte ein erklärtes Ziel. Ein Kompliment sprach Fähndrich der Finanzmarktaufsicht (FMA) aus: Sie mache „einen guten Job“ und gehe beispielsweise auch in Schulen, um zu erklären, wie Märkte funktionieren.

Ramharter: Es geht nicht um mehr Regulierung

Martin Ramharter, Legist für Versicherungsrecht im Finanzministerium, betonte: Ziel sei nicht, „mehr Regulierung“ zu erzeugen, sondern ein besserer Anlegerschutz.

Er fügte auch hinzu, die „einfachste“ Lösung sei nicht immer unbedingt die, die man am Ende haben möchte. Als ein Beispiel dafür nannte er ein völliges Provisionsverbot, das ein solches „einfaches“, aber nicht gewünschtes Ergebnis gewesen wäre.

Der künftig größere Stellenwert für digitale Kanäle für die Informationsvermittlung diene der Vereinfachung. Auch das Prinzip „Value for Money“ sieht Ramharter durchaus positiv: Es sei verständlich, wenn verlangt wird, dass ein Produkt „funktioniert und Nutzen stiftet“. Das sei auch nach Maßstäben des österreichischen Rechts so.

Fähndrich merkte an, die EU-Kommission strebe einen Pakt gegen Bürokratie und „Gold Plating“ an. Denn oft sei es so, dass EU-Regelungen durch die nationalen Umsetzungen verkompliziert würden. Die Unterschiede in Europa seien in dieser Hinsicht groß.

Plädoyer für und Kritik an Produktinformationsblättern

Prantner zeigte Verständnis für Vorbehalte gegenüber dem Umfang der erforderlichen Dokumentation und plädierte für „einfache, klar verständliche“ Produktinformationsblätter.

Bislang haben die gesetzliche vorgeschriebenen Produktinformationsblätter Prantner zufolge jedoch nicht im gewünschten Maß in die Beratung Einzug gehalten: Oft würden sie den Kunden in der stationären persönlichen Beratung nur beiläufig überreicht.

Unabhängig davon sei ein „großes Manko“ von Produktinformationsblättern in der derzeit praktizierten Form, dass sie Tarife in einer Weise darstellten, die keine Individualisierung beinhalte und nicht auf die konkrete Beratungssituation abgestimmt sei.

Herzhofer: Regulierung treibt Berater aus dem Markt

Herzhofer kritisierte, die Regulierung treibe Blüten, dass Berater teils bereits davon absehen, überhaupt Lebensversicherungen zu vertreiben und sich lieber auf die Sachversicherung konzentrieren. Der bürokratische Aufwand verhindere Leistungserbringung.

Herzhofer geht davon aus, dass viele Berater den Markt verlassen werden und kleinere Berater sich größeren Haftungsdächern anschließen bzw. keine Veranlagungsprodukte mehr anbieten werden.

Dies wiederum, folgerte der Afpa-Obmann, würde zu einem kleineren Angebot führen und das von der RIS intendierte Ziel damit verfehlt.

Auch Prantner sieht die RIS kritisch: „Es ist sehr kompliziert geworden.“ Behäbig und vieldeutig sei die Regulierung, gerade auch mit Blick auf die Vergütungsregeln. „Die RIS ist ein riesiger Papiertiger.“ Der Anspruch sei hoch, das Ergebnis aber fraglich.

 
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