Acredia: Nicht eine Abhängigkeit durch die nächste ersetzen

3.9.2026 – Der Strombedarf steigt, nicht zuletzt wegen des Energiehungers der künstlichen Intelligenz. Auch das Bestreben, Europas Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu verringern, trägt dazu bei. Das lasse für die Stromwirtschaft einen Wachstumsschub erwarten, meinen Acredia und Allianz Trade. Zugleich seien aber erhebliche Investitionen in die Infrastruktur nötig – und eine Strategie, mit der fossile Abhängigkeit nicht lediglich gegen Abhängigkeit von chinesischer Hardware eingetauscht wird.

Solarmodule, Windrad (Bild: Alexander Mils/Unsplash)
Bild: Alexander Mils/Unsplash

KI braucht Energie: Europas Stromwirtschaft könnte dadurch vor einem „kräftigen Wachstumsschub“ stehen, meint Kreditversicherer Acredia und stützt sich dabei auf die Analyse „Energie & Solar“ von Acredia und Allianz Trade.

„Vor allem der Ausbau leistungsstarker KI-Rechenzentren sorgt für eine neue, dauerhaft hohe Stromnachfrage und erhöht damit auch den Bedarf an erneuerbaren Energien“, stellt Acredia in einer aktuellen Mitteilung fest. Für die Energiebranche eröffne dies neue Geschäftsmöglichkeiten.

In Österreich kamen im ersten Halbjahr 2026 laut Acredia rund 45 Prozent der Stromerzeugung aus Wasserkraft, 13 Prozent aus Windkraft und geschätzte 17 Prozent aus Photovoltaik. Gleichzeitig sei der Stromverbrauch gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 um 3,4 Prozent gestiegen.

Investitionen nötig

Bevor sich die zusätzliche Nachfrage in den Ergebnissen der Energieunternehmen niederschlage, seien jedoch erhebliche Investitionen in Stromnetze, Speicherkapazitäten und digitale Infrastruktur nötig, um mit dem Bedarf Schritt halten zu können. Erschwert werde der Ausbau durch höhere Finanzierungskosten.

Parallel dazu stehe in Folge des schnellen Solarausbaus an besonders sonnenreichen Tagen zeitweise mehr Strom zur Verfügung, als verbraucht oder weitertransportiert werden kann. Die Folge: sehr niedrige oder sogar negative Strompreise.

2025 seien in Österreich 378 Stunden mit negativen Strompreisen registriert worden; demgegenüber habe es 233 Stunden mit Preisen von mehr als 150 Euro je Megawattstunde gegeben. „Europa hat zunehmend nicht das Problem, zu wenig erneuerbaren Strom zu erzeugen, sondern ihn zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Ort zu bringen“, sagt Acredia-Vorstand Michael Kolb.

Und weiter: „Solange Netze und Speicher nicht ausreichend ausgebaut sind, kann ein Teil dieser Energie wirtschaftlich nicht optimal genutzt werden. Damit geraten jene Erträge unter Druck, die für weitere Investitionen in die Energiewende notwendig wären.“

Steigender Solar-Anteil am Energiemix erwartet

Die langfristigen Perspektiven für Solarenergie sehen die beiden Kreditversicherer trotzdem positiv. Ihrer Einschätzung nach dürfte sich der Anteil der Solarenergie am weltweiten Energieverbrauch bis 2050 nahezu vervierfachen und rund 30 Prozent erreichen.

„Elektrifizierung und KI sorgen dafür, dass der Strombedarf weiter wächst – und Solarenergie wird einen wesentlichen Teil dieser zusätzlichen Nachfrage abdecken müssen“, erwartet Kolb.

Größere europäische Widerstandsfähigkeit

„Wind- und Solarenergie sind inzwischen auch eine Frage der wirtschaftlichen Sicherheit Europas“, gibt Acredia-Vorstand Michael Kolb zu bedenken. Mehr heimische erneuerbare Energie bedeute weniger Abhängigkeit von internationalen Krisen und den Preissprüngen bei fossilen Energieträgern.

„Die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten haben die Gaspreise wieder steigen lassen. Gleichzeitig waren die Auswirkungen auf den europäischen Strommarkt wesentlich geringer als während der Energiekrise 2022. Das zeigt, wie sehr der Ausbau der Erneuerbaren Europas Widerstandsfähigkeit bereits verbessert“, fügt Kolb hinzu.

Nicht eine Abhängigkeit durch eine andere ersetzen

Zugleich sieht man beim Kreditversicherer an anderer Stelle ein strategisches Risiko entstehen. Solarmodule, Batterien, Energiespeicher und zahlreiche wichtige Vorprodukte kämen nämlich weiterhin überwiegend aus chinesischer Produktion.

Angesichts zunehmenden Protektionismus und geopolitischer Spannungen würden sichere und diversifizierte Lieferketten daher immer wichtiger. Kolb unterstreicht: Europa dürfe bei der Energiewende nicht eine Abhängigkeit durch die nächste ersetzen.

„Der Ausbau erneuerbarer Kapazitäten und die Absicherung der dafür notwendigen Lieferketten gehören zusammen“, so Kolb. Entscheidend werde sein, wie schnell Europa technologische Abhängigkeit reduziert und Engpässe bei kritischen Komponenten überwindet.

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