Mit Kanonen auf Spatzen schießen

2.10.2018 – Eine hochqualifizierte Veranstaltung gestern - aber es gab nichts Neues im Osten.

Der Westen – Brüssel – hat vor geraumer Zeit eine RL erlassen, und die Mitgliedsstaaten hatten an sich ausreichend Zeit, diese in nationales Recht umzusetzen.

Jetzt ist auch der letzte Verlängerungstermin verstrichen, und sie wirkt eben direkt. Die „Begründungen” für die Verzögerungen (Regierungswechsel, EU-Ratspräsidentschaft...) sind ja geradezu skurril.

Warum ist nicht gleich der Borkenkäfer oder irgendein Hurrikan schuld? Jeder Kaufmann weiß, wie schnell Finanz und Sozialversicherung mit Exekutionen sind – da soll einmal einer argumentieren, er hätte keine Zeit zum Überweisen gehabt, weil wichtige Schadenbearbeitungen ihn daran hinderten!

Was nach einem langen Tag voller professoraler und aufsichtsrechtlicher Folien und Ausführungen bleibt, sind Frust und Unbehagen.

Mehr Konsumentenschutz sollte die IDD sicherstellen? Das ist gründlich mißlungen. Eine Unzahl von Bestimmungen und Paragraphen bestimmt das Beraterleben. Seitenlange Protokolle, Einwilligungserklärungen etc. sind notwendig.

Glaubt da wirklich noch jemand, daß EIN Kunde das alles lesen und diskutieren will, BEVOR er zum Kern seines Anliegens kommt, nämlich einer sachkundigen Versicherungsberatung?

In Wirklichkeit wird jede Aufklärung totgeschlagen, wenn damit die Aufmerksamkeitsschwellen der Menschen überstrapaziert werden. Ich habe heute ein neues Girokonto eröffnet ....sieben Millimeter bedrucktes Papier. Die Folge war meine geradezu flehentliche Bitte – „wo überall muß ich unterschreiben?”

Im Versicherungsgeschäft ist es aber noch ärger. Die durchschnittliche Monatsprämie (je Vertrag) macht bei Privatkunden weniger als 30 Euro aus, im Lebensbereich 53 Euro. Für jeden dieser Verträge muss man nun eine ganze Batterie von Formularen und Erklärungen und Dokumentationen ausfüllen.

Da wird nicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen, sondern auf Maikäfer!

Gleichzeitig nimmt die EU hin, daß in ihren eigenen Mitgliedsstaaten Steuerdumping betrieben wird, Offshore-Konstruktionen mit tausenden Milliarden existieren, Staaten enorme Förderungen lukrieren, dafür aber konsequent EU-Recht brechen.

Die Kleinen hängt man, die Großen läßt man laufen; noch ein leider altbekannter Spruch. Horst Grandits hat mit seinem Statement betreffend Sterben der Berater und Beratungsnotstand für Privatkunden Recht. Das wird so werden. Das Statement von Ch. Berghammer stimmt leider auch – es ist blamabel für Österreich!

Rudolf Mittendorfer

r.mittendorfer@verag.at

zum Artikel: „IDD, Tag 1 – kein Ruhmesblatt für den Gesetzgeber”.

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