„Ham S’ a Zusatzversicherung?”

28.3.2019 – Ich denke, fast jeder Österreicher kennt diese Frage -- beim Besuch des Arztes oder bei der Anmeldung für einen stationären Krankenhaus-Aufenthalt ist diese Frage ein Teil der Grußformel.

Dass diese „Zusatzversicherten“ mit ihren durch private Prämien finanzierten Leistungen eine erhebliche Entlastung der Pflicht-Krankenkassen erbringen, das ist zwar nicht geheim, wird aber praktisch nie öffentlich diskutiert. Auch nicht politisch.

Bei Sonderklassepatienten leistet nämlich die Pflichtversicherung nur mehr einen geringen Tagsatz, während alles andere von der Zusatzversicherung übernommen wird.

Warum gibt es denn plötzlich so viele Wahlärzte – die man privat oder mit Zusatzversicherung bezahlt – und dafür nicht stundenlang im Wartezimmer mit anderen Kranken sitzt? Weil das öffentliche System an seine Grenzen gestoßen ist. Das wird auch so bleiben und auch in der Pflege nicht anders sein.

Das ist kein Plädoyer gegen staatliche Sozialsysteme, sondern eines für die Aufrechterhaltung einer funktionierenden Versorgung. Und die wird es nur in Kombination von Staat und Privat geben können.

Übrigens: Wo ist denn der Aufschrei der Gerechtigkeitsapostel bei Katastrophenschäden? Auch da subventionieren jene, die private Versicherungen haben, die staatlichen Systeme, genauer gesagt den Katastrophenfonds.

Die privat Vorsorgenden zahlen via Steuer in den Katastrophenfonds, bekommen aber nichts. Auch das ist eine Form von Solidarität – und Eigenvorsorge. Denn in dem einen Fall ist man Bittsteller (das mag die Politik), im anderen hat man vertragliche Rechte.

Ich bin persönlich gegen jeden Versuch der Aushöhlung sozialer Systeme, und ich bin ebenso gegen jedwede Diffamierung privater Vorsorge .Beides scheint zur Zeit je nach politischer Ausrichtung „modern“ zu sein.

Rudolf Mittendorfer

r.mittendorfer@verag.at

zum Artikel: „Ist Versicherung für die SPÖ etwas Unsolidarisches?”.

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