Wie mehr Weiblichkeit im Vertrieb möglich wäre

25.3.2026 – Der Versicherungsvertrieb passe gut zu Frauen, doch es gebe noch immer strukturelle Barrieren. Das Berufsbild sei männlich besetzt, nur wenige Frauen würden sich bewerben. Dabei gebe es gute Chancen und die Möglichkeit, gleich viel wie Männer zu verdienen, so einige der Highlights aus der Diskussion.

Podiumsdiskussion über Frauen im Vertrieb beim Insurance Forum Austria (Bild: Thomas Magyar)
Podiumsdiskussion über Frauen im Vertrieb beim Insurance Forum Austria letzte Woche in Stegersbach (v.l.n.r.): Sonja Brandtmayer (Wiener Städtische), Finanzexpertin Marietta Babos, Bianca Großgasteiger (Allianz), Kathrin Kühtreiber-Leitner (Oberösterreichische) und Birigt Wastl (Uniqa). (Bild: Thomas Magyar)

Über Barrieren, Chancen und Strategien für Frauen im Versicherungsvertrieb diskutierte beim 14. Insurance Forum Austria eine hochkarätige Expertinnenrunde, moderiert von Sonja Brandtmayer, der stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Wiener Städtischen.

Im Zentrum der Diskussion stand die Frage, wie Unternehmen Diversität fördern können. Wer allerdings eine Diskussion über Kinderbetreuung erwartet, den müsse sie enttäuschen, so Brandtmayer einleitend.

Vielmehr gehe es um Barrieren durch gewachsene Strukturen im Vertrieb. Denn immerhin seien rund 50 bis 60 Prozent der Beschäftigten in Versicherungen und rund die Hälfte der Kunden Frauen. Im Vertrieb seien es aber nur 20 bis 30 Prozent.

Frauen wollen beraten, nicht verkaufen

„Würde ich meinem Team sagen, ihr seid gute Verkäuferinnen, dann wären sie beleidigt“, betonte die Finanzexpertin Marietta Babos einleitend: „Frauen wollen nicht verkaufen, sie wollen beraten.“ Dafür bräuchten sie ein Team, dann würden sie „großartige Leistungen erbringen“.

„Die Vergangenheit holt uns ein“, ergänzte Bianca Großgasteiger, Leiterin Exklusivvertrieb bei der Allianz. Versicherungen würden tolle Möglichkeiten bieten, doch es sei in Summe nicht gelungen, Frauen dieses Bild nachhaltig nahezubringen.

Dabei gebe es im Vertrieb viele Themen, die gut zu Frauen passen. Großgasteiger: „Es fehlen die Visionärinnen, die vorangehen, um junge Frauen anzusprechen.“ Man müsse deshalb darüber diskutieren, wie man Frauen „in die erste Reihe“ bringen kann.

Denn am Ende des Tages gehe es für Führungskräfte darum, dass man Menschen mag. Und Kühtreiber-Leitner, Vorstandsdirektorin der Oberösterreichischen Versicherung, ergänzte, es sei im Vertrieb wesentlich, gerne unter Menschen zu sein.

Männlich besetztes Berufsbild

Das Berufsbild des Versicherungsberaters sei in unserer Gesellschaft männlich besetzt gewesen, so Birgit Wastl, Leiterin des Exklusivvertriebs bei der Uniqa Österreich. Dies sei auf das Image des Berufs zurückzuführen, Aufgabe sei es nun, dieses Image aufzubrechen und Frauen zu begeistern.

„Man kann im Vertrieb Geld verdienen, das haben Männer für sich beansprucht“, sieht Kathrin Kühtreiber-Leitner einen weiteren Grund dafür, dass nur wenige Frauen im Vertrieb tätig sind.

Dabei sei der Versicherungsvertrieb eine der wenigen Möglichkeiten, keinen Gender-Pay-Gap zu haben, betonte Wastl: Männer und Frauen würden im Versicherungsvertrieb gleich viel bekommen. Wichtig sei es, die guten Argumente für dieses „extrem spannende Produkt“ herauszustreichen.

Zu wenig Interesse von Frauen?

Kühtreiber-Leitner hat die Erfahrung gemacht, dass es im Vertrieb kaum Frauen unter den Bewerbern gibt. Einen Grund dafür sieht sie darin, dass es unter Männern viele „völlig ungeeignete“ Bewerber gibt, während sich Frauen, wenn sie glauben, nicht für einen Job geeignet zu sein, nicht bewerben.

Man habe der Thematik, dass eine Frau diese Rolle einnimmt, keinen Raum gelassen, so Wastl. Man dürfe sich nicht die Frage stellen, ob man Mann oder Frau ist, sondern, ob man die benötigten Eigenschaften mitbringt.

Für Brandtmayer ist es deshalb wichtig, das Rollenbild des Vertriebs zu ändern. Je mehr Frauen es im Vertrieb gibt, desto mehr werden angezogen, ist sie überzeugt. Und auch für Kühtreiber-Leitner ist es wichtig, das Berufsbild positiv nach außen zu tragen und das Image der Versicherung anders zu kommunizieren.

Ein idealer Job für Frauen

Früher sei für Führungskräfte eine Arbeit in Vollzeit nötig gewesen, so Großgasteiger. Die Allianz habe deshalb „Shared Leadership“ ins Leben gerufen; dafür müssten zwar viele Faktoren passen und es gebe eine gemeinsame Verantwortung, doch: „Teilzeitfrauen gehen oft die Extrameile!“

Und aus dem Publikum ergänzte die burgenländische Maklerin Katharina Freungruber, die als erste Frau in Österreich einer Fachgruppe der Versicherungsmakler vorsteht, dass es, zumindest auf der selbstständigen Seite, keinen familienfreundlicheren Job als den Vertrieb gebe.

Großgasteiger erinnert schließlich auch daran, dass es in den nächsten Jahren im Vertrieb viele Nachfolgethemen geben werde. Es sei daher nötig, Talente zu fördern. Und an Frauen gerichtet: „Lass dir helfen, dich zu entwickeln.“

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Strategie · Verkauf · Versicherungsberater · Versicherungsmakler · Versicherungsvertrieb
 
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