Viele erachten unparteiische Beratung als schwer erhältlich

25.1.2023 – Rund sieben von zehn Europäern tun sich mit der Sprache der Versicherung schwer. Sechs von zehn finden es schwierig, unparteiische Beratung zu bekommen. Drei von zehn hatten schon einmal das Gefühl, zum Kauf einer Deckung verleitet zu werden, die nicht benötigt wird. Das sind Ergebnisse aus einer unionsweiten Eiopa-Umfrage.

Die Verkaufspraxis ist regelmäßig Thema, wenn es um versicherungsrechtliche Regelungen geht – aktuell im Vorfeld der EU-Kleinanleger-Strategie (VersicherungsJournal 12.1.2023), auf weitere Sicht auch im Hinblick auf eine allfällige Novelle zur Versicherungsvertriebsrichtlinie (IDD).

Für den „Consumer Trends Report 2022“, den die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (Eiopa) kürzlich veröffentlicht hat (VersicherungsJournal 20.1.2023), wurde eine Umfrage durchgeführt, bei der unter anderem auch solche Aspekte angerissen wurden.

Das Marktforschungsinstitut Ipsos hat hierfür von 22. bis 30. Juni 2022 unionsweit 25.880 Personen in einem Alter ab 18 Jahren befragt. In Luxemburg, Malta und Zypern umfasste das Sample rund 500, in den anderen 24 EU-Ländern rund 1.000 Personen.

Erhältlichkeit der gewünschten Deckung, Drängen beim Verkauf

„Wollten Sie jemals ein Versicherungsprodukt mit breiterer Deckung, aber es wurde Ihnen nicht angeboten, oder es war nicht verfügbar?“ EU-weit 66 Prozent haben das noch nicht erlebt, 23 Prozent hingegen schon auf breitere Deckung verzichten müssen. Mit „weiß nicht“ antworteten elf Prozent.

War umgekehrt schon einmal nur eine Mindestdeckung gewünscht, sie wurde aber nicht angeboten oder war nicht verfügbar, sodass ein „volles Paket“ gekauft wurde, „das Ihnen das Gefühl gab, überversichert zu sein?“ Nein, sagen 69 Prozent. Ja, sagen 22 Prozent.

Und hatten die Befragten jemals das Gefühl, dass sie zum Kauf einer Polizze verleitet werden, die sie gar nicht brauchen? 31 Prozent bejahen, 63 Prozent verneinen das.

Schwierigkeiten mit Produktverständnis

In der Folge sollten sich die Teilnehmer aufgrund eigener Erfahrungen beim Versicherungsabschluss zu Themen wie Beratung, Preis-Leistungs-Verhältnis und Produktverständnis äußern.

Demnach tun sich sieben von zehn Personen sehr oder eher schwer, Versicherungsdeutsch zu verstehen. Ebenso viele finden Versicherungsbedingungen mehr oder minder schwammig. Nur etwas mehr als die Hälfte ist zuversichtlich, im Schadenfall jene Leistung zu bekommen, die sie nach ihrem Verständnis erwartet.

Immerhin stellen 60 Prozent dem Preis-Leistungs-Verhältnis („value for money“) ein gutes oder eher gutes Zeugnis aus. 20 Prozent sehen das eher, sechs Prozent völlig anders. Die Kostenproblematik sei zwar nicht weit verbreitet, folgert die Eiopa daraus, sie sieht aber dennoch Handlungsbedarf.

Als ein Beispiel für entsprechende Maßnahmen nennt sie im Bericht die Arbeit der deutschen Aufsicht rund um die Informationen, die Versicherer zu den Effektivkosten („reduction in yield“) von Versicherungsanlageprodukten (IBIPs) zur Verfügung stellen.

Aussagen zu Beratung, Kosten/Nutzen und Produktverständnis (Daten: Eiopa, Grafik: Lampert)

Mehrheit findet es schwer, unparteiische Beratung zu erhalten

Ist es schwierig, unparteiische Beratung zur Erlangung einer perfekt auf den Bedarf abgestimmten Deckung zu bekommen?

Dieser Aussage schließt sich ein großer Teil an: 16 Prozent stimmen ihr gänzlich, weitere 48 Prozent eher zu. 22 Prozent stimmen ihr eher nicht, fünf Prozent gar nicht zu.

Österreich liegt hier ziemlich genau im EU-Schnitt. Etwas mehr als 60 Prozent erachten es als sehr oder eher schwierig, unparteiischen Rat einzuholen. Rund 30 Prozent sind der Meinung, dass das gut oder zumindest eher gut zu machen ist.

Größter Optimisten-Anteil in Dänemark

In Deutschland ist das Stimmungsbild ähnlich. Der Anteil der Skeptiker liegt dort knapp unter 60 Prozent. Etwa ein Drittel sieht die Chancen auf unvoreingenommene Beratung eher oder sehr positiv.

Unter den Dänen gibt es den höchsten Anteil an Kunden, die unparteiische Beratung als eher oder sehr gut erhältlich einstufen: „Nur“ rund 45 Prozent – EU-weit der einzige Wert unter 50 Prozent – sind dort skeptisch; fast ebenso viele finden sich im anderen „Lager“.

Besonders hohe Skeptiker-Anteile von um die 70 Prozent finden sich dagegen in Spanien, Slowenien, Kroatien, Frankreich, Irland, Portugal und Zypern.

 
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