Afpa warnt vor „Trend“ zu beratungsfreiem Vertrieb

21.7.2026 – Algorithmen können Informationen bereitstellen, aber die persönliche Verantwortung und das Verständnis der individuellen Lebenssituation eines Kunden nicht ersetzen, betont die Berater-Vereinigung Afpa. Anlass dafür ist die derzeit laufende Reform des Paneuropäischen Privaten Pensionsprodukts (Pepp): Hier sieht ein aktueller Entwurf vor, dass das „Basis“-Pepp auch ohne Beratung angeboten werden können soll.

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Im Juni hat der EU-Ministerrat seinen Verhandlungsstandpunkt für die Reform des Paneuropäischen Privaten Pensionsprodukts (Pepp) bekanntgegeben.

Bis dato gibt es europaweit kaum Pepp-Anbieter, das Produkt führt ein Mauerblümchendasein. „Attraktiver, zugänglicher und einfacher“ soll das neue Pepp deshalb nach den Worten des Rates werden.

Die in Ausarbeitung befindliche Novelle dreht dazu an mehreren Schrauben. Unter anderem sollen die viel kritisierte Kostenobergrenze des „Basis“-Pepp fallen und die Veranlagungsvorgaben gelockert werden.

Entwurf: Ein Pepp auch ohne Beratung?

„Wie im ursprünglichen Vorschlag der Kommission zur Aktualisierung der Pepp-Verordnung wird mit dem Standpunkt des Rates die derzeitige Verpflichtung für Rentenanbieter und -vertreiber zur obligatorischen Anlageberatung für Basis-Pepp aufgehoben“, stellte der Rat weiters fest.

In solchen Fällen sollte die Beratung nach Ansicht des Rates nur auf Kundenanfrage erfolgen. „Dies ist von entscheidender Bedeutung, um Basis-Pepp zu einem reinen Ausführungsprodukt zu machen, das online vertrieben werden kann, wodurch die Kosten gesenkt werden und ein modernes Altersvorsorgeprodukt bereitgestellt wird.“

Um einen „angemessenen Verbraucherschutz“ zu gewährleisten, sollen Anbieter aber dazu angehalten sein, „weiterhin eine obligatorische Beratung für maßgeschneiderte Pepp“ anzubieten, die „differenzierter und auf die individuellen Bedürfnisse eines Anlegers zugeschnitten“ sind.

Afpa: Nicht Beratungskosten sind das Problem beim Pepp

Afpa-Obmann Michael Herzhofer (Bild: Fineart Photos by Andrea Schober)
Afpa-Obmann Michael
Herzhofer: „Pepp-Misserfolg
nicht als Argument gegen
Beratung missbrauchen“
(Bild: Fineart Photos by
Andrea Schober)

Der Branchenverband Afpa (Austrian Financial & Insurance Professionals Association) hielt dazu am Montag in einer Stellungnahme fest, dass „die Reduktion von regulatorischen Belastungen und Compliance-Kosten grundsätzlich zu begrüßen“ sei.

Problematisch sei aber, wenn Beratung „als Kostentreiber und Hindernis“ für das Pepp dargestellt werde, zumal die Gründe für dessen „mangelnden Erfolg“ anderswo lägen, etwa in der steuerlichen Komplexität.

Brief an Kommissarin Albuquerque

Die Afpa verweist in dem Zusammenhang auf einen Brief, der im Mai an Maria Luís Albuquerque, EU-Kommissarin für Finanzdienstleistungen, ergangen sei, verfasst vom europäischen Finanzberater- und Finanzvermittler-Verband Fecif, dem die Afpa angehört, und der Europäischen Finanzplaner-Vereinigung Efpa.

Darin sei argumentiert worden, dass eine intensivere Finanzbildung wichtig sei und helfe, die Grundlagen finanzieller Entscheidungen zu verstehen, aber erst professionelle Beratung zu personalisierten und geeigneten Entscheidungen führe.

Zudem, so werde in dem Brief weiter argumentiert, fänden zunehmend Inhalte unregulierter Finanz-Content-Ersteller, sogenannter Influencer Verbreitung. Dies berge Risiken, etwa unqualifizierte Ratschläge, unvollständige oder oberflächliche Information, versteckte Werbung oder sogar Betrug.

Afpa und Fecif „warnen vor dieser Entwicklung, treten dagegen auf und versuchten bereits in persönlichen Gesprächen mit Vertretern von EU-Kommission und EU-Parlament Überzeugungsarbeit zu leisten“, so die Afpa.

Herzhofer betont Wert der Beratung

„Die Lehre aus dem Pepp darf nicht lauten, dass Beratung das Problem ist. Vielmehr müssen wir uns fragen, ob es klug ist, Menschen bei immer komplexeren Finanzentscheidungen zunehmend auf digitale Tools, Algorithmen oder die oft ungeprüften Empfehlungen von Finfluencern zu verweisen“, meint Afpa-Obmann Michael Herzhofer.

„Persönliche Beratung verursacht Kosten. Fehlentscheidungen kosten oftmals deutlich mehr“, so Herzhofer weiter. Beratung ausschließlich als Kostenfaktor zu betrachten, heiße deshalb, ihren gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wert zu verkennen.

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