16.6.2026 – Sowohl der Markt der Cyber- als auch jener der D&O-Versicherungen sei derzeit „weich“. Eine Änderung sei zwar zu erwarten, dürfte aber nicht so bald kommen, so die einhellige Meinung der Teilnehmer. Positiv hätten sich die Deckungskonzepte der Cyberversicherung entwickelt. Uneinig waren sich die Experten aber darüber, wie mit Künstlicher Intelligenz umgegangen werden sollte.

Welche Fragen und Herausforderungen international tätige Makler derzeit bei D&O und Cyber sehen, war Thema eines Experten-Panels beim Financial Lines Summit der digitalen Versicherungsplattform Finlex in der Vorwoche.
Am Podium diskutierten Sebastian Klapper, CEO von Finlex, Kerstin Keltner, bei Aon Austria für Financial Lines und Cyber zuständig, und Patrick Bammer, Vice President von Marsh McLennan Austria.
Der Markt für Cyberversicherungen sei weiterhin „weich“ und es gebe viele Kapazitäten, so Keltner einleitend. Und sie warnt: Der Bestand wachse nicht, Rückversicherer seien nicht zufrieden und beim Underwriting ortet sie ein „eklektisches Verhalten der Anbieter“.
Ähnlich sehe es bei D&O aus: Der Markt sei ganz, ganz weich und es sei „nicht mehr ökonomisches Underwriting, das da betrieben wird“. Es gebe derzeit keine großen Schwierigkeiten, auch komplexe Risiken zu versichern, doch wenn die Preise weiter sinken, werde sich der Markt drehen.
Auch Bammer sieht einen „generell käufer- und kundenfreundlichen Versicherungsmarkt“. Bei D&O registriert er seit zwei Jahren kaum Bewegung bei den Prämien, bei längerer Bindung des Kunden gebe es aber noch Preisreduktionen.
Bei Cyberversicherungen sei dagegen in Europa die Talsohle noch nicht erreicht: Seit zehn Quartalen in Folge habe es zweistellige Prämienreduktionen gegeben. Er geht zwar davon aus, dass sich der weiche Markt in absehbarer Zeit verhärten werde, „aber nicht so schnell“.
Mit dazu beitragen dürfte, dass die Schadenbenachrichtigungen in Kontinentaleuropa „nicht durch die Decke“ gehen: Bei Cyber habe es 2025 gegenüber dem Jahr davor einen Rückgang um 26 Prozent gegeben. Auch die Fälle hätten sich wenig verändert, Schadentreiber Nummer eins sei weiterhin die Betriebsunterbrechung.
Klapper, der einen starken Fokus auf KMU hat, sieht in diesem Bereich nicht so starke Preisbewegungen; bei großen Kunden seien mehr Preisreduktionen möglich.
Insgesamt sei Cyber aber nach wie vor ein „Weichmarkt“, es gebe genug Kapazitäten, neue Player und die Combined Ratio der Versicherer sei weiterhin gut. Zusammen werde dies dazu führen, dass es nicht bald zu einer Verhärtung kommt, erwartet Klapper.
Anders sehe die Lage bei D&O-Versicherungen aus, der Markt sei weniger „soft“ und es gebe weniger neue Player. Wichtig wäre es, die Volatilität der Preise in den Griff zu bekommen.
Preisreduktionen bei bestehenden Versicherungen sollte man mit dem Kunden diskutieren, rät Klapper: Man könnte dadurch beispielsweise Crime-Deckungen oder eine Vertrauensschadenversicherung dazu nehmen oder die D&O um Strafrechtsschutz erweitern.
Was Deckungen betrifft, habe sich der Cybermarkt zuletzt positiv entwickelt, so Bammer. Es gebe nun ausgefeiltere Deckungskonzepte und die Kombination Cyber- und Vertrauensschadenversicherung sei Standard geworden, womit alle drei Komponenten (Cyber-Diebstahl, Cyber-Betrug und Social Engineering) abgedeckt werden.
Im Bereich der Betriebsunterbrechung gebe es nun auch Lösungen, wenn diese von Kunden verursacht wurden. „Je mehr in Cyber hineingepackt wird, umso besser“, resümiert Bammer.
Eine All-Risk-Deckung sei zwar „nice to have“, man solle aber bei neuen Deckungen hinterfragen, wie sinnvoll sie sind, warnt dagegen Keltner. Dabei gehe es beispielsweise auch um die Frage, ob der Kunde kritische Lieferanten hat, die er nicht austauschen kann – was beim Mittelstand oft nicht zutreffe.
„Überraschend zurückhaltend“ sei der Cyber-Markt, was Künstliche Intelligenz betrifft, so Keltner. Hier könne es zu einer Gefahrenerhöhung kommen, Klarstellungen seien daher nötig. Dazu komme, dass „nicht alles, was Künstliche Intelligenz ist, auch Cyber ist“.
So seien nur 15 Prozent der aktuellen KI-Schadenfälle durch Cyberversicherungen, aber 80 Prozent durch Vermögensschadenhaftpflichtversicherungen versichert. Der Rest entfalle auf andere Polizzen wie D&O, Betriebshaftpflicht, Vertrauensschaden oder Sachversicherungen.
Anders sieht das Bammer: Risiken, die durch KI entstehen, seien „selbstverständlich“ abgedeckt, es gebe durch KI keine neue Gefahr. Er empfiehlt, KI nicht explizit in den Polizzen in die Deckung einzubeziehen.
Klapper weist dagegen auf neue Anwendungsfälle wie Haftung aufgrund von „Halluzinationen“ der KI hin. Derzeit werde diskutiert, ob man Cyber-Versicherungen in Richtung KI erweitern oder ob es eine eigene Versicherungslösung geben soll.
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