Was Frauen vom Vorsorgen und Anlegen abhält

8.3.2019 – Die meisten Frauen erwarten in einer Raiffeisen-Umfrage nicht, von ihrer gesetzlichen Pension gut leben zu können. Raiffeisen zufolge investieren viele Frauen in wenig ertragreiche Anlageformen und erleiden dadurch Kaufkraftverluste. Ein oft genannter Grund gegen private Vorsorge ist Geldmangel, ein Fünftel ist misstrauisch. Defizite gebe es im Wissen um die betriebliche Altersvorsorge.

Heute ist Weltfrauentag – und es mangelt aus diesem Anlass nicht an Studien rund um das Thema Anlage und Vorsorge (VersicherungsJournal 6.3.2019).

So hat etwa die Valida Vorsorgekasse Zahlen aus einer 2018 bei Spectra in Auftrag gegebenen Umfrage vorgelegt, wonach 79 Prozent der befragten Frauen nicht erwarten, von der gesetzlichen Pension gut leben zu können. Bei den Männern sagten dies 68 Prozent.

Nur sieben Prozent der Frauen rechnen mit einer Pension aus der ersten Säule, die ihnen ein gutes Auskommen ermöglicht (Männer: 13 Prozent) – was nicht zuletzt auch damit zu tun haben wird, dass das durchschnittliche Einkommen bei den Frauen niedriger ist als bei den Männern.

Vorsorgebremse Geldmangel

Was hält Frauen von der privaten Vorsorge ab? 63 Prozent gaben an, dass das Geld dafür fehle; bei den Männern nannten dies 50 Prozent als Grund.

Was hervorsticht: Es sind zwar „nur“ 20 Prozent der Frauen, die den angebotenen Vorsorgeprodukten ganz einfach misstrauen. Die Vorbehalte sind aber bei den Frauen offenbar deutlich weiter verbreitet als bei den Männern, wo nur halb so viele Misstrauen hegen.

Gründe gegen die Nutzung privater Vorsorgeprodukte (Daten: Valid, Grafik: Lampert)

Verzicht auf Ertrag

Wenn vertraut wird, dann gerne in klassische Instrumente wie Sparbuch und Bausparvertrag; sie gehören bekanntlich zu den besonders oft genutzten Anlageformen – wenngleich beide in der Gunst der Österreicher schon einmal höher gestanden sind.

Dementsprechend seien auch viele Frauen traditionell in Produkten investiert, die zwar grundsätzlich sicher seien, aber bereits seit geraumer Zeit keine Erträge mehr brächten, sagt Ingrid Szeiler, Chief Investment Officer (CIO) der Raiffeisen KAG.

In der Zeitspanne 2008 bis 2018 habe sich die Kaufkraft der durchschnittlichen täglich fälligen Spareinlage abzüglich KESt und unter Berücksichtigung der Inflation um ungefähr 15 Prozent reduziert, rechnet Raiffeisen vor. Die Entscheidung für „die scheinbare Sicherheit klassischer Sparanlagen“ bedeute also Verzicht auf Rendite.

Kapitalmarktveranlagungen brächten zwar gewisse Risiken mit sich, räumt Szeiler ein. Wer aber die Möglichkeit habe, länger in einem Investment zu bleiben, könne hier oft wesentlich höhere Erträge erwirtschaften.

Wissensstand über betriebliche Vorsorge ausbaufähig

Für Beate Wolf, Vorstand der Valida Vorsorgekasse, lässt der Informationsstand hinsichtlich der Nutzung der „Abfertigung neu“ als Instrument der Pensionsvorsorge noch zu wünschen übrig.

„Wir sehen sehr häufig, dass auf die Abfertigung zugegriffen wird, sobald ein Anspruch entsteht“, sagt Wolf. Nur 19 Prozent der Frauen verfügen laut Valida über ihren Abfertigungsanspruch erst zum Pensionsantritt. Heißt umgekehrt: 80 Prozent greifen vorher darauf zu.

41 Prozent wussten in der Valida/Spectra-Umfrage nicht, ob ihr Arbeitgeber eine Form der betrieblichen Vorsorge anbietet (Männer: 34 Prozent). 61 Prozent der Frauen gaben an, dass ihr Arbeitgeber eine Form der betrieblichen Altersvorsorge abgeschlossen habe; bei den Männern sagten dies 88 Prozent.

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Altersvorsorge · Bausparen · Marktforschung · Pension
 
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