Silvester „teuerste Nacht des Jahres“

7.1.2019 – Raketen und Böller zum Jahreswechsel sind Tradition, allerdings auch Schäden und Unfälle, die damit einhergehen: Die Wiener Städtische beziffert ihren jährlich wiederkehrenden Leistungsaufwand mit fünf bis fünfeinhalb Millionen Euro.

„Silvester zählt jedes Jahr aufs Neue zu der mit Abstand schadensträchtigsten Nacht des ganzen Jahres“, ließ Wiener-Städtische-Vorstandsdirektor Manfred Rapf kurz vor Jahreswechsel wissen. Häufig mangle es an der „nötigen Vorsicht im Umgang mit pyrotechnischen Utensilien“.

So komme es, dass unsachgemäßes Hantieren mit Knallkörpern Jahr für Jahr unzählige Unfälle mit Personen- und Sachschäden nach sich ziehe, stellt die Städtische fest.

Für sämtliche Silvesterschäden – Unfälle, Haftpflicht-, Gebäude-, Kfz- und Brandschäden – bezahle sie jedes Jahr durchschnittlich 5,0 bis 5,5 Millionen Euro.

Raketen am beliebtesten

Zum Jahreswechsel 2018/19 werden in Österreich bei rund 10.000 Verkaufsstellen Feuerwerkskörper verkauft, hieß es von der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) vor Silvester.

Man müsse sich aber auch „der Tatsache gewärtig sein, dass der Pyrotechnikhandel mittlerweile das ganze Jahr über eine Rolle bei der Gestaltung von privaten Festen, Feiern und großen öffentlichen Events spielt – Tendenz steigend“, sagt Christoph Riedl, Branchensprecher des Pyrotechnikhandels in der WKÖ.

Freilich sei die Auswahl an im Handel erhältlichen Feuerwerkskörpern zu Silvester besonders groß; „Kinder-, Batterie- und Bodenfeuerwerke“ seien „bei je rund 33 Prozent der Konsumenten gefragt“, am beliebtesten seien aber Raketen (rund 63 Prozent), berichtet die WKÖ.

Dabei betont Riedl: „Sicherheit geht vor und hat oberste Priorität.“ Insbesondere unterstreicht er, dass „die Altersbeschränkungen für die Nutzung von Pyrotechnikartikeln strikt eingehalten werden“ müssen.

Augenverletzungen durch Feuerwerkskörper

Der Verband der österreichischen Augenärztinnen und Augenärzte (Österreichische Ophthalmologische Gesellschaft, ÖOG) verweist unterdessen auf eine Umfrage, die er Anfang 2018 unter 25 österreichischen Augenabteilungen hinsichtlich der Anzahl der Feuerwerksunfälle zum Jahreswechsel 2017/18 durchgeführt hat.

„Das Ergebnis ist erschreckend“, schickt Matthias Bolz, Vorstand und Professor an der Klinik für Augenheilkunde der Johannes-Kepler-Universität Linz und Referent für Öffentlichkeitsarbeit der ÖOG, voraus. Der Umfrage zufolge wurden in den Spitälern bundesweit 86 Augenverletzungen registriert.

Von leichten Verletzungen bis zu Erblindung

Die Bandbreite der Verletzungen reichte laut ÖOG von leichten Verbrennungen der Lider bis zu schweren Verletzungen des Augapfels, die zur Erblindung, in einem Fall sogar zum Verlust des Auges geführt haben.

„Bei den schweren Verletzungen kommt es zu einer Kombination von Verbrennung, einer stumpfen Gewalteinwirkung auf den Augapfel, teilweise auch zu Verätzungen“, erklärt die OÖG.

Folge seien oberflächliche Verletzungen, die Entwicklung einer Linsentrübung, der Einriss des Augapfels, eine Netzhautabhebung oder eine Blutung im Auge. Vielfach seien langwierige Operationen und teils auch Folgeoperationen unumgänglich.

Nicht selten seien auch noch andere Gesichtsregionen, wie zum Beispiel der Gesichtsschädel oder die gesamte Gesichtshaut betroffen. Nicht unüblich seien zudem Verletzungen anderer Körperregionen wie etwa der Hände.

Feuerwerke den Profis überlassen

Der Verband sieht das pyrotechnische Spektakel gerade im privaten Rahmen entsprechend kritisch – auch wenn der überwiegende Großteil der Verletzten angegeben habe, sich die Verletzungen durch handelsübliche, zugelassene Produkte zugezogen zu haben.

Neben der Gefahr einer Erblindung könne die unsachgemäße Verwendung von Feuerwerkskörpern im Übrigen auch schwere Hörschäden verursachen, ergänzt der Verband.

„Eine wirklich sachgemäße Verwendung ist gerade im dicht besiedelten Gebiet in einer ausgelassenen Feierstimmung nur in wenigen Fällen möglich“, meint Bolz. „Wir plädieren daher dafür, Feuerwerke nur professionellen Organisationen zu überlassen und im Privatbereich gänzlich darauf zu verzichten.“

Denn, so Bolz, „das Risiko, die Silvesternacht möglicherweise in der Notfallambulanz zu verbringen, zahlt sich nicht aus“.

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Marktforschung · Öffentlichkeitsarbeit · Verkauf
 
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