Rechtsschutz: Bedarf durch Corona gestiegen

31.3.2021 – Die Corona-Pandemie hat die Menschen bezüglich ihrer rechtlichen Absicherung noch mehr sensibilisiert, sagt Johannes Loinger, Österreich-Chef der D.A.S. Auch im Firmenbereich sei das Interesse an einer Rechtsschutzversicherung gestiegen. Eine Zunahme von Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit der Klimaerwärmung, dem zweiten großen Thema dieser Tage, gebe es aber noch nicht.

Johannes Loinger, Vorstandsvorsitzender der D.A.S. Rechtsschutz AG Österreich (Bild: D.A.S./Wilke)
Johannes Loinger,
Vorstandsvorsitzender der
D.A.S. Rechtsschutz AG
Österreich (Bild: D.A.S./Wilke)

Das VersicherunngsJournal sprach mit Johannes Loinger, dem Vorstandsvorsitzenden der D.A.S. Rechtsschutz AG Österreich, über die Corona-Krise und ihre Auswirkungen auf Rechtstreits und Rechtsschutzversicherungen sowie über Herausforderungen in den Bereichen Umwelt, Nachhaltigkeit und ESG.

VersicherungsJournal: Das zentrale Thema des letzten Jahres war und ist auch heute noch die Corona-Pandemie. Wie hat sich die Kundennachfrage nach Rechtsschutzversicherungen im letzten Jahr entwickelt? Welchen Einfluss hatte die Corona-Pandemie darauf?

Johannes Loinger: Spürbar ist bei Privatpersonen und Unternehmen, dass die Corona-Pandemie sie bezüglich ihrer rechtlichen Absicherung noch stärker sensibilisiert hat.

Unsere bestehenden Kunden nutzen den D.A.S.-Rechtsschutz, sowohl bereits um etwaige Rechtsfragen im Vorfeld abzuklären und andererseits um Rechtskonflikte zu lösen. Wo immer möglich, außergerichtlich über die D.A.S.-Direkthilfe und wo erforderlich, über die D.A.S.-Partneranwälte vor Gericht.

Im Firmenbereich ist das Interesse an einer Rechtsschutzversicherung generell ebenfalls gestiegen. Viele neue rechtliche Fragestellungen sind auf Unternehmerinnen und Unternehmer zugekommen.

Es gibt aber auch ein paar Branchen, die durch die Pandemie besonders stark betroffen sind, die defacto derzeit um jeden Euro kämpfen müssen. Bei diesen ist die Nachfrage gesunken. Die D.A.S. hat hierfür mit einer Prämienaktion für Neukunden und flexiblen Zahlungsweisen für Bestandskunden unterstützt.

VersicherungsJournal: Haben Sie einen Einfluss der Pandemie auf Rechtsstreitigkeiten im Allgemeinen registriert? In welchen Gebieten wurde mehr bzw. weniger Deckung beansprucht?

Loinger: Wir merken ganz deutlich, dass die Coronakrise den Bedarf nach rechtlicher Unterstützung erhöht und auch verändert hat. Das sehen wir vor allem an der gestiegenen Anzahl von rechtlichen Kundenanfragen bei der D.A.S. Rechtsberatung.

Angefangen bei arbeitsrechtlichen Fragen rund um Sonderbetreuungszeiten, Kurzarbeit, Homeoffice und Wiedereinstellungsvereinbarung, bis hin zu Stornierung von Fitnessstudio- und Theaterabos. Rund um die Sommermonate beschäftigen uns Fragen zum Reiserücktritt und zu Urlaubsstornierungen naturgemäß besonders stark.

Unsere Juristen der D.A.S.-Rechtsberatung bekommen aber auch viele Anfragen von Gastronomen und Selbstständigen zum Thema Mietrecht. Hierbei interessiert unsere Firmenkunden vor allem, ob sie weiterhin Miete oder Pacht für ihr Geschäftslokal bezahlen müssen, obwohl sie derzeit nicht offen haben dürfen.

Aufgrund von zunehmenden Zahlungsschwierigen wird auch der Inkasso-Rechtsschutz derzeit häufig in Anspruch genommen. Außerdem helfen wir unseren Kunden vermehrt bei Streitigkeiten mit Versicherungen, wenn es zum Beispiel zu einer ungerechtfertigten Ablehnung im Zusammenhang mit Covid-19 gekommen ist.

VersicherungsJournal: Gab es aufgrund der Pandemie Änderungen (mehr/weniger) bei der Ablehnung einer Deckung Ihrerseits? Wenn ja, was waren die wichtigsten Gründe?

Loinger: Im Interesse unserer Versicherungsnehmergemeinschaft sind wir natürlich dazu verpflichtet, zu prüfen, ob ein Fall gedeckt ist oder nicht. Das war auch vor Corona schon so, daran hat sich also nichts geändert.

Die Corona-bezogenen Schadensfälle machen aber nur einen geringfügigen Teil aller gemeldeten Fälle aus und halten sich somit in Grenzen. Bei der Deckungsbeurteilung kommt es sonst immer auf den Einzelfall an. Wir prüfen hier ganz genau und kommen unseren Kunden dort entgegen, wo es uns möglich ist.

VersicherungsJournal: Sehen Sie einen Bedarf für eine Änderung von Rechtsschutz-Bedingungen (Versicherungsschutz, Ausschlüsse, Obliegenheiten)? Haben Sie Änderungen vorgenommen oder planen Sie solche?

Loinger: Derzeit sehen wir keinen Anlass oder Grund für neue Ausschlüsse oder die Vereinbarung von zusätzlichen Obliegenheiten.

Sicherlich auch deshalb, weil wir unseren Versicherungsschutz laufend an die Bedürfnisse unserer Kunden und die aktuellen Begebenheiten anpassen und dort präzisieren und nachschärfen, wo es nötig ist.

VersicherungsJournal: Sehen Sie einen Bedarf für eine Änderung von anderen Versicherungsbedingungen, um Rechtsstreitigkeiten im Fall einer Pandemie zu vermeiden (beispielsweise Betriebsunterbrechung, Haftung im Homeoffice)?

Loinger: Überall dort, wo es Rechtsunsicherheiten gibt, ist es sinnvoll, genauer hinzusehen und diese – wenn möglich – zu beseitigen. Aber unser Fokus liegt ganz klar darauf, so viel wie möglich zu versichern, damit qualifizierter Rechtsschutz attraktiv bleibt.

Für D.A.S. Kunden ist es weniger von Bedeutung, ob Versicherer aus anderen Sparten ihre Bedingungen nachschärfen. Durch uns sind sie ohnehin auch bei Versicherungsvertragsstreitigkeiten geschützt.

VersicherungsJournal: Das zweite große Thema neben der Pandemie sind Nachhaltigkeit und Klimaerwärmung. Erwarten Sie in diesem Zusammenhang eine Zunahme von Rechtsstreitigkeiten? Oder beobachten Sie solche bereits jetzt?

Loinger: Wir beobachten die Entwicklung sehr genau. Derzeit gibt es bei uns noch keine Auffälligkeiten oder eine signifikante Zunahme von entsprechenden Rechtsstreitigkeiten.

Da wir kein Elementarversicherer sind, wird uns das Thema aber eher nur indirekt treffen. Zum Beispiel bei Rechtskonflikten mit anderen Versicherern aufgrund von Naturereignissen.

VersicherungsJournal: Welche besonderen Herausforderungen für Rechtsschutzversicherer gibt es in den Bereichen Umwelt, Nachhaltigkeit, ESG? Wie reagieren Sie darauf?

Loinger: Die größte Herausforderung ist es, Risiken, die sich aus dem Klimawandel ergeben, frühzeitig zu erkennen, diese richtig zu beurteilen und geeignete Maßnahmen zu treffen.

Für uns geht es in diesem Zusammenhang aber auch immer um Chancen, die mit einer verstärkten Berücksichtigung von ESG-Prinzipien bei Unternehmensprozessen verbunden sind.

Immerhin stehen verantwortungsbewusstes Handeln und die Abschwächung der Folgen des Klimawandels sogar in unserem Unternehmensleitbild.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Arbeitsrecht · Bestandskunden · Nachhaltigkeit · Rechtsschutz
 
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