Mehr Versicherte wandten sich an die Verbraucherschlichtung

8.4.2019 – Um 75 Prozent gestiegen sind die Schlichtungsverfahren zwischen Konsumenten und Versicherungen, die von der Verbraucherschlichtung Austria im Vorjahr bearbeitet wurden. In weniger als der Hälfte der Fälle waren Versicherer allerdings bereit, an der Schlichtung teilzunehmen. Die Einigungsquote war dagegen relativ hoch. Die meisten Probleme betrafen Lebens- und Rechtsschutzversicherung.

Jahresbericht 2018 der Verbraucherschlichtung Austria (Cover)
Jahresbericht 2018 der
Verbraucherschlichtung Austria

Seit Jänner 2016 bietet die Verbraucherschichtung Austria kostenlose Schlichtungsverfahren zwischen Unternehmen und Konsumenten an. Organisiert als gemeinnütziger Verein, will sie nach eigener Aussage dazu beitragen, „Probleme gemeinsam aus der Welt zu schaffen“.

Rechtliche Grundlagen ihrer Tätigkeit sind die EU-Richtlinie über alternative Streitbeilegung in Verbraucherangelegenheiten (ADR-Richtlinie 2013/11/EU) und als österreichisches Umsetzungsgesetz das Alternative-Streitbeilegung-Gesetz (AStG).

Insgesamt gibt es in Österreich acht staatlich anerkannte Verbraucherschlichtungsstellen. Während die anderen sieben Stellen auf bestimmte Sachverhalte spezialisiert sind (beispielsweise E-Control), deckt die Verbraucherschlichtung Austria als Auffangschlichtungsstelle alle Verbraucherstreitigkeiten ab, die nicht in die Zuständigkeit einer anderen Stelle fallen.

Mehr Anfragen, mehr Anträge

Die Verbraucherschlichtung Austria sei bemüht, ihren Bekanntheitsgrad und damit einhergehend die Antragszahlen zu erhöhen, heißt es im Jahresbericht 2018. Die Anzahl der Anfragen vor oder außerhalb eines Schlichtungsverfahrens ist von 3.724 im Jahr 2017 auf 4.217 im Vorjahr gestiegen.

Insgesamt wurden 2018 dann 701 Schlichtungsanträge eingebracht, was einem Zuwachs gegenüber dem Jahr davor von 25 Prozent entspricht. Versicherungen lagen dabei mit 96 Anträgen (+75 Prozent) auf Platz drei.

2017 hatten noch Fremdwährungskredite mit 71 Anträgen den dritten Rang eingenommen, ihre Zahl ging im Vorjahr stark zurück. Auf den ersten beiden Plätzen liegen unverändert Handel und Reise.

Eingebrachte Schlichtungsanträge 2018

Branche

Anzahl

+/– ggü. 2017

Handel

151

+16 %

Reise

97

+29 %

Versicherung

96

+75 %

Sonstige Dienstleistungen

90

+125 %

Fernwärme

40

+5 %

Fremdwährungskredit

35

-51 %

Andere

192

+28 %

Gesamt

701

+25 %

330 Einigungen erzielt

677 Fälle konnten laut Jahresbericht im Vorjahr abgeschlossen werden. In 106 Fällen wurde die Fallbehandlung von der Verbrauchschlichtung Austria abgelehnt, beispielsweise wegen Unzuständigkeit.

In weiteren 130 Fällen haben die angesprochenen Unternehmen eine Teilnahme am Schlichtungsverfahren entweder von vornherein abgelehnt oder nicht auf Kontaktaufnahmeversuche reagiert.

Von den verbleibenden Fällen wurde 330 Mal eine Einigung erzielt. Ohne Einigung endeten 111 Fälle.

Versicherer mit geringer Beteiligung

Insgesamt konnten 2018 im Versicherungsbereich 95 Fälle abgeschlossen werden, was einer Zunahme um 67 Prozent entspricht (2017: 57 Fälle).

Im Versicherungsbereich sei die Teilnahmequote der Unternehmen „leider unter dem Durchschnitt“, so Simon Eder, Geschäftsführer und Schlichter, zum VersicherungsJournal. In 46 Fällen habe das Versicherungsunternehmen eine Teilnahme abgelehnt.

Wenn sich Versicherungsunternehmen allerdings am Verfahren beteiligen, sei die Einigungsquote „recht gut“, so Eder. In 26 Fällen wurde eine Einigung erzielt, was für Verbraucher zu Zahlungen bzw. Erlässen in Höhe von insgesamt 32.952 Euro geführt hat.

Worum es bei Versicherungen ging

Von den 95 abgeschlossenen Fällen betrafen 24 die Lebensversicherung (2017: zwei), 20 die Rechtsschutzversicherung und 15 die Haushaltsversicherung. Dahinter rangieren Unfallversicherung (14 Fälle) und Krankenversicherung (zehn Fälle).

Rechtlich betrafen die abgeschlossenen Fälle 54 Mal Vertragsprobleme sowie 31 Mal Themen rund um Kündigung, Rücktritt oder Stornierung.

Konkret warfen die Kunden ihrem Versicherer in 46 Fällen vor, eine Deckung zu Unrecht abgelehnt zu haben, in 14 Fällen ging es um eine angeblich zu lange Vertragsbindung und in zwölf Fällen um eine behauptete Fehlberatung. Neun Vorwürfe betrafen zu geringe Versicherungsleistungen.

Die Höhe der Streitwerte lag in 37 Fällen zwischen 1.001 und 5.000 Euro. 22 Mal ging es um Beträge zwischen 101 und 1.000 Euro, 14 Mal um 5.001 bis 10.000 Euro. Ein Streitwert von mehr als 10.000 Euro wurde in 15 Fällen angegeben.

Zum Herunterladen

Der Jahresbericht 2018 kann von der Website der Verbraucherschlichtung heruntergeladen werden.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Haushaltversicherung · Lebensversicherung · Rechtsschutz
 
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