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Helvetia: von der Automatisierung zur Digitalisierung

2.3.2026 – Aus Automatisierung soll Digitalisierung werden, sagt Helvetia-Österreich-CEO Thomas Neusiedler im Interview mit dem VersicherungsJournal. Im Online-Geschäft sei die große Revolution noch nicht eingetreten, in der Beratung könne KI unterstützen, aber den Menschen nicht ersetzen. Im Vertrieb wünscht sich Neusiedler mehr Frauen, auch in Führungspositionen.

Helvetia-Österreich-CEO Thomas Neusiedler (Bild: Helvetia)
Helvetia-Österreich-CEO Thomas Neusiedler (Bild: Helvetia)

Im vergangenen Dezember hatte Helvetia Österreich eine Erweiterung des Vorstandsteams mit Jänner 2026 bekanntgegeben (VJ 12.12.2025). Eines der Ziele sei es dabei, einen Schwerpunkt auf die „digitale Transformation“ zu legen, wurde damals betont.

Im Gespräch mit dem VersicherungsJournal präzisiert Helvetia-Vorstandsvorsitzender Thomas Neusiedler den aktuellen Stand, die Ziele und Strategien seines Unternehmens. Digitalisierung sei derzeit zwar in aller Munde, häufig werde darunter aber noch nur Automatisierung verstanden.

Auch Helvetia sei derzeit vor allem „stark in der Automatisierung“, nächster Schritt sei nun die Digitalisierung. Dies sei ein Grund gewesen, mit Hans Stögerer jemanden für den IT-Bereich in die Geschäftsleitung zu berufen.

Was im Fokus der Digitalisierung ist

Strategisch bevorzugt Neusiedler ein Prozessdenken gegenüber einer Konzentration auf Sparten. Es gehe darum, bei den „breiten Prozessen“ zu beginnen, wobei an erster Stelle die Schadenbearbeitung liege: Hier sei es möglich, „von null auf 100 alle 180.000 Schadenfälle anzugreifen“.

Daneben seien auch „Antrag und Quotierung“ sowie die Anbindung der Makler bei der Digitalisierung im Fokus. Jeder wolle heute eine mehrfache Dateneingabe vermeiden, „das ist der Hebel, den wir als erstes angehen“.

Das neue Offertsystem „TIM“ für Außendienst und Makler solle zu einer „ganzheitlichen Software“ ausgebaut werden. Ziel sei ein moderner Prozess, mit dem man für Berater das wird, „was die Erste Bank mit ,George‘ auf der Bankenseite ist“.

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Online: Revolution noch nicht eingetreten

Bereits 2022 hatte Helvetia sich das Ziel gesetzt, mit „Smile“ zum führenden Online-Versicherer in Österreich zu werden. Dazu stehe er heute auch noch, sagt Neusiedler. Die „große Revolution“, was das Online-Geschäft betrifft, sei aber hierzulande noch nicht eingetreten.

Nach wie vor gehe es um den „olympischen Gedanken“, „dabei und vorbereitet“ zu sein. Und irgendwann, in ein paar Jahren, sei damit zu rechnen, dass Online Fahrt aufnimmt. Gelingen könne dies aber nur mit einem intelligenten versicherungstechnischen Ansatz, und nicht marketinggetrieben.

Derzeit gibt es zwei Angebote von Smile: Die Kfz-Versicherung smile.car, für die es eine direkte Antragstrecke gibt, sowie die aktuell nur über „Durchblicker“ angebotene Haushaltsversicherung smile.home; auch für diese werde man „realistischerweise in einem Jahr“ ein direktes Angebot ausrollen können.

Online sei aber immer nur als komplementäres Modell geplant, betont Neusiedler, keinesfalls wolle man das eigene Geschäft kannibalisieren. Langfristig könne er sich vorstellen, online die typische Privatkundenpalette abzubilden, inklusive Unfall- und Rechtsschutzversicherung.

Die Zukunft der Beratung ist hybrid

Künstliche Intelligenz und Automatisierung sollten den menschlichen Prozess nicht ersetzen, sondern unterstützen, so Neusiedler. Wer es schaffe, neue Arbeitsformen in bestehende Prozesse zu integrieren, werde einen Wettbewerbsvorteil haben.

Wie sich beim jüngsten „Partner Cercle“ im Herbst gezeigt habe, seien Vertriebspartner vor allem bei sich wiederholenden Tätigkeiten wie Polizzencheck oder Deckungsprüfung an KI-Unterstützung interessiert. Aber auch bei der Vorbereitung von Kundenterminen mit KI „tut sich eine enorme Türe auf“.

Hoffnung, dass man so mit der gleichen Anzahl von Mitarbeitern eine größere Betreuungsqualität erzielen kann, setzt Neusiedler vor allem in die nächste Generation. Und schließlich könne die neue Technologie „uns ein Stück weit ins Zentrum des Kundeninteresses bringen“.

Organisation am Zeitgeist ausrichten

Als weiteren Schwerpunkt hatte Helvetia im Dezember auch die „organisatorische Weiterentwicklung“ genannt. Helvetia sei inzwischen mehr als 165 Jahre alt, damit es sie auch in 165 Jahren noch geben wird, sei es notwendig, sie dem Zeitgeist entsprechend auszurichten, erläutert Neusiedler.

Vor allem sei auf die Mitarbeitererwartung abzustellen; darauf habe man mit der Bestellung von Bernd Allmer zum Vorstand für Human Resources reagiert. Es gehe darum, der neuen Generation gerecht zu werden, die Rahmenbedingungen der Arbeit zu optimieren und ein attraktiver Arbeitgeber zu sein.

Um Potenziale zu erschließen, müsse man auf die Anforderungen des beruflichen Alltags reagieren. Dazu seien Arbeitszeitmodelle, ein moderner Arbeitsplatz oder auch Homeoffice zu zählen. Neusiedler: „Wer das als Arbeitgeber nicht macht, verliert Talente.“

Ein Fokus liege auch auf Frauen im Verkauf. Nach wie vor sei der Vertrieb männerdominiert, Neusiedler würde sich wünschen, „als Gesamtbranche beim Versicherungsverkauf vom Keilerimage wegzukommen und so attraktiver für Frauen zu werden.“ Und auch in der vertrieblichen Führung sei ein höherer Frauenanteil anzustreben.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Digitalisierung · Haushaltversicherung · Kfz-Versicherung · Marketing · Mitarbeiter · Rechtsschutz · Strategie · Verkauf
 
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