Erste Halbjahr brachte Versicherungswirtschaft Verschiebungen

11.9.2018 – Dank deutlich höherer Prämieneinnahmen im zweiten Quartal konnte Österreichs Versicherungswirtschaft im ersten Halbjahr noch ein kleines Prämienplus einfahren. Trotz niedrigerer Aufwendungen für Versicherungsfälle blieben die Ergebnisse allerdings hinter dem Vorjahr zurück. Die Reserven sind aber weiterhin zufriedenstellend, wie die FMA feststellt.

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FMA-Bericht zum zweiten Quartal 2018
FMA-Bericht zum zweiten
Quartal 2018

Nachdem das Prämienvolumen im ersten Quartal, verglichen mit dem Vorjahreszeitraum, rückläufig gewesen war, konnte Österreichs Versicherungswirtschaft im zweiten Quartal wieder zulegen. Damit wurde sogar im gesamten ersten Halbjahr noch ein kleiner Zuwachs verzeichnet.

Insgesamt stiegen die Prämien im ersten Quartal um 3,5 Prozent auf 4,14 Milliarden Euro, im ersten Halbjahr um rund 1,6 Prozent auf 9,38 Milliarden, wie dem soeben veröffentlichten Quartalsbericht der Finanzmarktaufsicht (FMA) über die österreichische Versicherungswirtschaft zu entnehmen ist.

Die größten Steigerungsraten gegenüber dem ersten Quartal 2017 verzeichnete mit 4,94 Prozent der Bereich Schaden/Unfall, gefolgt von der Krankenversicherung mit einem Zuwachs von 4,31 Prozent. Minimal höher waren auch die Prämien in der Lebensversicherung (+0,86 Prozent).

Prämienvolumen im zweiten Quartal 2018

Sparte

Q2/2018

Q2/2017

Schaden/Unfall

2.253

2.147

Leben

1.343

1.332

Kranken

548

526

Gesamt

4.144

4.004

Verschiebungen in der Lebensversicherung

In der Lebensversicherung kam es im ersten Halbjahr zu einem Rückgang der laufenden Prämien um 77 Millionen Euro auf 2.436 Millionen, während das Einmalerlags-Geschäft einen Zuwachs um acht Millionen auf 444 Millionen Euro verzeichnete.

Erhöht hat sich der Anteil der fonds- und indexgebundenen Lebensversicherungen am gesamten Prämienvolumen der Bilanzabteilung Leben. Deren Prämien sind um elf Millionen auf 716 Millionen Euro gestiegen.

Die konventionelle Lebensversicherung musste dagegen ein Prämienminus von 80 Millionen auf 2.164 Millionen Euro hinnehmen.

Gesunkene Aufwendungen

Sowohl gegenüber dem zweiten Quartal 2017 als auch gegenüber dem Vorquartal zurückgegangen sind von April bis Juni die Aufwendungen für Versicherungsfälle. Auch im ersten Halbjahr reduzierten sich die Aufwendungen im Vorjahresvergleich: um 2,95 Prozent auf 3.485 Millionen Euro.

Am deutlichsten fiel der Rückgang in der Lebensversicherung aus (Q2/2018: 1.670 Millionen Euro; Q1/2018: 1.781 Millionen Euro; Q2/2017: 1.775 Millionen Euro). In der Schaden- und Unfallversicherung sanken die Aufwendungen minimal, während sie in der Krankenversicherung leicht anstiegen.

Fast die Hälfte aller Aufwendungen für Versicherungsfälle (47,92 Prozent) fiel im Bereich Lebensversicherung an. Fast ein Viertel davon betraf Rückkäufe. Das Volumen der Rückkäufe ist allerdings stark rückläufig: Lag es im zweiten Quartal 2017 noch bei 469 Millionen Euro, so sank es im heurigen zweiten Quartal auf 394 Millionen.

Weiterhin deutliche Ergebnisrückgänge

Nachdem das versicherungstechnische Ergebnis im ersten Quartal im Jahresvergleich um 18,3 Prozent gesunken war, kam es im zweiten Quartal zu Verbesserungen, sodass der Rückgang sich im gesamten ersten Halbjahr auf 6,44 Prozent verkleinerte.

Positiv entwickelt hat sich der Bereich Leben, der im ersten Halbjahr mit 36,9 Millionen Euro ein positives versicherungstechnisches Ergebnis auswies, nachdem im Vorjahreszeitraum ein Minus von 14,3 Millionen zu verzeichnen gewesen war.

In der Krankenversicherung sank das versicherungstechnische Ergebnis dagegen um 94,15 Prozent auf nur noch 3,4 Millionen Euro. Um 6,3 Prozent auf 266 Millionen reduziert hat es sich im Bereich Schaden/Unfall. In Summe lag es damit bei 306 Millionen Euro.

Auch beim Finanzergebnis musste Österreichs Versicherungswirtschaft im ersten Halbjahr in Summe Rückgänge hinnehmen. Während die Kapitalaufwendungen sich nur minimal von 508 auf 491 Millionen Euro reduzierten, sanken die Kapitalerträge von 2.116 auf 1.832 Millionen Euro.

Insgesamt führte diese Entwicklung im ersten Halbjahr zu einem Rückgang des Ergebnisses der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) um 25,72 Prozent auf 693,8 Millionen Euro. Mit 653,9 Millionen Euro kam der bei weitem größte Ergebnisbeitrag aus dem Bereich Schaden/Unfall.

Reserven und Solvabilität

Ohne die Kapitalanlagen der fonds- und indexgebundenen Lebensversicherung betrugen die Marktwerte der Kapitalanlagen zum 30. Juni 108,3 Milliarden Euro. Dies entspricht einem leichten Rückgang seit Jahresende 2017, damals hatten sie 109 Milliarden betragen.

Ebenfalls einen Rückgang im Vergleich zu Ultimo 2017, aber einen leichten Zuwachs gegenüber dem Vorquartal gab es bei den stillen Nettoreserven der Kapitalanlagen. Von ihrem Gesamtwert von 21,1 Milliarden Euro entfallen 42,88 Prozent auf Aktien, Ergänzungs- und Partizipationskapital inklusive Beteiligungen, 23,18 Prozent auf Schuldverschreibungen und 19,85 Prozent auf Immobilien.

„Zufriedenstellend“ war laut FMA zur Jahresmitte der Solvabilitätsgrad der österreichischen Versicherungsunternehmen. Mehr als die Hälfte von ihnen besaß mehr als doppelt so viele Eigenmittel wie vorgeschrieben, der Median des SCR-Solvabilitätsgrades lag bei 238,8 Prozent.

Zum Herunterladen

Der Quartalsbericht Q2 2018 kann als PDF-Dokument (507 KB) von der Website der FMA heruntergeladen werden.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Geschäftsbericht  · Immobilie · Lebensversicherung · Solvabilität · Versicherungsaufsicht
 
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