Zukunftsvorsorge auf dem Rückzug

16.7.2021 – In den vergangenen Jahren ist nicht nur die Anzahl der Verträge, sondern auch die der Anbieter gesunken. 2020 betrieben noch fünf Versicherer Neugeschäft, der Vertragsbestand lag insgesamt bei gut einer Million. Die Veranlagungsperformance des PZV-Gesamtmarktes rutschte ins Negative auf –1,26 Prozent. Das geht aus einem neuen FMA-Bericht hervor.

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Die Finanzmarktaufsicht (FMA) hat am Donnerstag ihren Bericht zum „Markt für die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge 2020“ vorgelegt.

Die FMA kommt in der Analyse zu dem Ergebnis, der Markt sei seit der „signifikanten Kürzung der staatlichen Förderung“ – der Prozentsatz wurde damals von 8,5 auf 4,25 halbiert, 2020 betrug die maximale staatliche Prämie 125,71 Euro – und angesichts „der unattraktiven Anlageergebnisse im Niedrigzinsumfeld“ konstant rückläufig.

Von 1,6 Millionen Verträgen 2012 auf zuletzt 1,05 Millionen

Bestanden 2012 noch knapp über 1,6 Millionen Verträge, so ist diese Anzahl seither kontinuierlich gefallen, 2020 auf 1,05 Millionen. Laut dem Bericht meldeten alle Unternehmen eine Abnahme der Bestände an PZV-Verträgen.

Im vergangenen Jahr reiften rund 79.000 Verträge ab. Auslaufende Altverträge werden nur zu einem kleinen Teil durch Neuverträge ersetzt, so der Bericht.

Viele weniger Neu- als beendete Verträge

FMA-Bericht zum Zukunftsvorsorgemarkt 2020 (Cover; Quelle: FMA)
FMA-Bericht zum Zukunftsvorsorgemarkt 2020
(Cover; Quelle: FMA)

2020 schlossen nur fünf der 19 in der Erhebung erfassten Unternehmen Neuverträge ab. Insgesamt wurden 1.271 Stück gezählt (–15,9 Prozent gegenüber 2019).

Die Anzahl der Neuverträge ist seit Jahren fast durchgehend rückläufig, 2014 waren noch 29.030 Neuverträge abgeschlossen worden.

„Die Anzahl an Neuzugängen ist jedenfalls deutlich davon entfernt, abreifende Verträge und Kündigungen auszugleichen“, so die FMA.

Hohe Marktkonzentration

Von Kapitalanlagegesellschaften werde bereits seit mehr als zehn Jahren kein PZV-Neugeschäft mehr betrieben, alle ihre Verträge seien inzwischen auch abgereift.

Von den 19 Versicherern, die die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge einst verkauften, boten 2020 nur noch fünf den Abschluss neuer Verträge an.

Mehr als die Hälfte bei einem Unternehmen

Die Marktkonzentration ist auch insofern hoch, als von diesen fünf ein einziges Unternehmen 56 Prozent des Neugeschäftes abgeschlossen habe.

Und: „Der zweitgrößte Anbieter (mit einem Marktanteil im Neugeschäft von 30 Prozent) hat angekündigt, ab dem Jahr 2021 keine PZV-Verträge mehr anzubieten.“

Es sei daher davon auszugehen, „dass das PZV-Geschäft in der Zukunft noch schneller schrumpfen bzw. sich die Marktkonzentration erhöhen wird“.

Verwaltetes Vermögen relativ konstant

Nichtsdestoweniger liegt nach wie vor viel Geld in der PZV. Der Grund sind lange Vertragslaufzeiten. Zwar seien die Einzahlungen 2020 um 2,9 Prozent niedriger gewesen als 2020, hätten aber mit 778 Millionen Euro immer noch eine „beachtliche Höhe“ erreicht.

Das in der prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge verwaltete Vermögen blieb zuletzt einigermaßen konstant: 2017 betrug es zum Jahresende 9,0 Milliarden Euro, 2018 waren es 8,65, ein Jahr später 9,03 und 2020 schließlich 8,96 Milliarden Euro.

Die volumengewichtete Veranlagungsperformance, vor Kosten, war entsprechend dem herausfordernden Kapitalmarktumfeld im Berichtsjahr mit –1,26 Prozent negativ, teilt die FMA mit. 2019 lag sie noch bei +5,48 Prozent.

Zum Herunterladen

Der vollständige Bericht kann von einer FMA-Webseite als PDF-Dokument heruntergeladen werden.

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Verkauf · Versicherungsaufsicht · Zukunftsvorsorge
 
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