Wie Österreich in Sachen Versicherung regional tickt

7.9.2020 – Im Rahmen einer neuen Analyse wurde untersucht, wie viel österreichische Haushalte im Schnitt pro Monat ausgeben und wie viele Versicherungsverträge sie im Portfolio haben. Das Besondere daran: Ihr liegt eine Methodik für Berechnungen bis auf Bezirks- und Gemeindeebene zugrunde. In puncto Ausgaben sind demnach Regionen Niederösterreichs und Kärntens besonders versicherungsaffin, Westösterreich eher „distanziert“. Was die Anzahl der Verträge angeht, sind mehrere Wiener Bezirke die Schlusslichter.

Wie viele Versicherungsverträge haben österreichische Haushalte, wie viel geben sie pro Kopf für Versicherungen aus? Dazu gibt es nun eine Auswertung, die diesen Fragen bis auf regionale Ebene nachgegangen ist.

Robert Sobotka, Telemark Marketing (Bild: Sobotka)
Robert Sobotka,
Telemark Marketing
(Bild: Sobotka)

Grundlage dafür bilden Daten aus der Versicherungsmarkt-Basisstudie des Marktforschungsinstituts Telemark Marketing.

Für diese wurden im ersten Quartal dieses Jahres 8.000 Befragte repräsentativ für Österreich um Auskunft gebeten. In der Folge wurde eine „geoanalytische“ Methode angewendet.

Ergebnisse für die lokale Ebene

„Bislang wurde von uns nur auf Bundessländerebene ausgewertet“, sagt Telemark-Marketing-Geschäftsführer Robert Sobotka.

„Durch die Anwendung der Methodik ist erstmals eine Aussage betreffend Marktanteile, Anzahl an Verträgen und Versicherungsausgaben auf Bezirksebene und sogar auf Gemeindeebene möglich.“

Die Methodik

Erik Stadler, Marketmind (Bild: Marketmind)
Erik Stadler, Market-
mind (Bild: Marketmind)

Neben erhobenen Daten wie eben etwa der Versicherungsmarkt-Basisstudie gewönnen Geodaten immer mehr an Bedeutung, sagt Projektleiter Erik Stadler von der Marketmind GmbH. Eine Vielzahl von Geodaten sei auf Gemeindeebene frei verfügbar.

Zwar sei freilich nicht jede Information als Geovariable verfügbar, man könne aber auf Basis der verfügbaren Geodaten mit Hilfe der sogenannten „Small Area Estimation“ Berechnungen zu weiteren Fragestellungen auf Gemeindeebene anstellen.

„Bei ausreichenden Fallzahlen – mindestens 1.500 – ist es damit möglich, nahezu jede erhobene Frage auf der Landkarte zu visualisieren – hier am Beispiel der monatlichen Versicherungsausgaben pro Haushalt.“

Kurz gesagt, kommen die Werte „durch einen Mix aus Mittelwert und modelliertem Wert je Gemeinde zustande“. So gut wie nie seien nämlich alle österreichischen Gemeinden in einer Befragung abgedeckt. Für fehlende Gemeinden werde unter Zuhilfenahme von Geodaten ein „gewichteter Mittelwert aus strukturverwandten Gemeinden“ ermittelt.

Versicherungsausgaben

Ergebnis der Untersuchung ist eine Österreich-Karte, in der die mehr als 2.000 Gemeinden je nach Höhe der monatlichen Versicherungsausgaben eingefärbt sind. Zu den Regionen mit besonders hohen Ausgaben zählen demnach das Waldviertel sowie Ober- und Teile von Unterkärnten.

Besonders viel Rot findet sich demgegenüber in Wien und im Westen, vor allem im Bregenzerwald und im Rheintal. „Es lassen sich somit Cluster und Regionen auf der Landkarte grafisch intuitiv veranschaulichen und gezielt vertriebliche Akzente setzen.“

Monatliche Versicherungsausgaben (Quelle: Marketmind/Telemark Marketing)
Monatliche Versicherungsausgaben (Quelle: Marketmind/Telemark Marketing). Zum Vergrößern Karte anklicken.

„Top 5“ und „Bottom 5“ der Versicherungsausgaben

Im Schnitt gibt ein österreichischer Haushalt laut der Analyse monatlich 175 Euro für Versicherungsprämien aus.

An der Spitze liegen die Bezirke Horn mit 210,80 Euro, gefolgt von Völkermarkt und Zwettl. Am anderen Ende der Tabelle liegt der Bezirk Dornbirn mit durchschnittlich 139,88 Euro.

Monatliche Versicherungsausgaben pro Haushalt

Top 5

Bottom 5

Bezirk

Euro

Bezirk

Euro

Horn

210,80

Dornbirn

139,88

Völkermarkt

200,72

Bregenz

146,55

Zwettl

194,08

Feldkirch

147,10

Spittal an der Drau

193,39

Innsbruck (Stadt)

148,71

Neusiedl am See

191,07

Salzburg (Stadt)

148,96

Anzahl der Verträge

In Bezug auf die Anzahl der Verträge zeigt sich wieder das Waldviertel sehr „grün“. Die Bezirke Horn (5,87 Verträge), Waidhofen an der Thaya, Zwettl und Gmünd sind unter den Top 5.

Anzahl der Verträge pro Haushalt

Top 5

Bottom 5

Bezirk

Anz.

Bezirk

Anz.

Horn

5,87

Wien Rudolfsheim-Fünfhaus

3,82

Waidhofen an der Thaya

5,67

Wien Margareten

3,85

Zwettl

5,60

Wien Ottakring

3,86

Völkermarkt

5,54

Wien Hernals

3,88

Gmünd

5,51

Wien Leopoldstadt

3,88

6,2 Verträge in Lichtenau, Wiener „Versicherungsmuffel“

Auf Gemeindeebene hat der Analyse zufolge Lichtenau im Waldviertel mit durchschnittlich 6,2 Verträgen pro Haushalt die Nase vorne.

In Wien hingegen sei die Anzahl der Verträge vergleichsweise gering. Insbesondere in den Gemeindebezirken Hernals, Ottakring und Rudolfsheim-Fünfhaus „zählen wir weniger als vier Verträge auf Haushaltsebene“.

Versicherungsveträge pro Haushalt (Quelle: Marketmind/Telemark Marketing)
Versicherungsveträge pro Haushalt (Quelle: Marketmind/Telemark Marketing).
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Haushalte können, gemessen an der Anzahl der Personen, unterschiedlich groß sein; dieser Aspekt ist nicht in die Analyse eingeflossen und könnte einer der Faktoren für regionale Unterschiede sein, sagt Robert Sobotka.

Laut Statistik Austria sind im Österreich-Schnitt (2019) 37,5 Prozent der Haushalte Ein-Personen-Haushalte. In der Mehrheit der Länder liegt der Anteil zwischen 35 und gut 38 Prozent. Darunter liegen das Burgenland (31,9 Prozent), Vorarlberg (33,8 Prozent) und Niederösterreich (34,4 Prozent), darüber Wien (44,3 Prozent).

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Marketing · Marktforschung · Versicherungsmarkt
 
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