Was der Straßenverkehr an Gesundheitskosten verursacht

4.12.2018 – Laut einer neuen Studie sind 2016 in der EU bis zu rund 72 Milliarden Euro, davon bis zu etwa 2,8 Milliarden Euro in Österreich, an Kosten für Gesundheitsschäden entstanden, die auf straßenverkehrsbedingte Luftverschmutzung zurückzuführen sind. Der VCÖ plädiert für eine grundlegende Änderung des Mobilitätsverhaltens.

Mit eindringlichen Worten hat UNO-Generalsekretär Antonio Guterres am Montag bei der internationalen Klimakonferenz in Polen davor gewarnt, die Chance auf ein Einbremsen des Klimawandels zu verpassen.

In der Versicherungsbranche ist der Klimawandel bereits seit Jahren ebenfalls ein Thema – meist im Zusammenhang mit einer drohenden Zunahme der Sach- und Vermögensschäden aufgrund einer Häufung von Wetterextremereignissen.

Zur Herausforderung könnten Umweltveränderungen, auch für die Versicherungswirtschaft, aber ebenso im Hinblick auf die Effekte für die menschliche Gesundheit werden.

Einer der treibenden Faktoren für die Belastung der Umwelt ist bekanntermaßen der Verkehr. Eine Studie der niederländischen Forschungs- und Beratungs-Organisation CE Delft hat sich nun mit den Auswirkungen der straßenverkehrsbedingten Luftverschmutzung auf die Gesundheit auseinandergesetzt.

67 bis 80 Milliarden Euro Luftverschmutzungskosten

Die Schätzungen der Studie siedeln die „Luftverschmutzungskosten“ für die gesamte EU im Jahr 2016 je nach Berechnungsmethode bei 66,7 oder 79,8 Milliarden Euro an.

Der Bericht unterscheidet hierbei noch zwischen gesundheits- und nicht-gesundheitsbezogenen Kosten. Die Kosten für die Gesundheit machen aber in beiden Berechnungen mit 93 beziehungsweise 91 Prozent den weitaus höchsten Anteil aus.

Geht man von der Treibstoffart aus, so identifiziert die Studie einen Hauptverantwortlichen: Der Großteil der Luftverschmutzungskosten (83 beziehungsweise 75 Prozent) gehe auf das Konto des Diesels.

Für Österreich werden, wieder je nach Berechnungsmethode, die Gesamtkosten mit rund 2,0 beziehungsweise rund 3,0 Milliarden Euro angegeben. Gesundheitskosten sind davon zirka 1,9 beziehungsweise 2,8 Milliarden Euro. Und auch hier gelte, dass sich in erster Linie der Diesel schädlich auswirkt.

„Massive Luftverschmutzung“

Ulla Rasmussen (Bild: VCÖ)
Ulla Rasmussen
(Bild: VCÖ)

„Das Verbrennen von Benzin und Diesel verschärft die Klimakrise und verschmutzt massiv die Luft. Lungenschäden, Atemwegs- und Herzkreislauferkrankungen sind einige der Folgen“, kommentiert Ulla Rasmussen, die im VCÖ für den Bereich Energie, Klima, Ressourcen, Gesundheit zuständig ist, die Studie.

Die Kosten für die Schäden seien „enorm und werden in der öffentlichen Wahrnehmung nicht dem Verkehr zugerechnet“.

Sehr hoch, so der VCÖ, seien die Schäden, die durch Klein-Lkw und Kleintransporter entstehen: Obwohl deren Anteil an der Verkehrsleistung vergleichsweise gering sei, seien sie für 35 Prozent der von Dieselabgasen verursachten Schäden verantwortlich.

Wir sind die letzte Generation, die Maßnahmen setzen kann, um den Klimawandel zu bremsen.

VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen

Viele Kleintransporter seien nämlich alt und wiesen besonders schlechte Schadstoffwerte auf. „Aufgrund des boomenden Online-Handels nehmen die Lieferfahrten dieser Transporter stark zu“, ergänzt Rasmussen.

„Die letzte Generation, die Maßnahmen setzen kann“

Wenn – unter der Annahme, dass drei Viertel der Gesundheitsschäden von der öffentlichen Hand und von Pflichtversicherungen getragen werden – Österreichs Gesundheitssystem jährlich mit 1,4 Milliarden Euro aus verkehrsbedingter Luftverschmutzung belastet werde, so sei dies „rund dreimal so viel, wie der Staat und die Sozialversicherungsträger für Gesundheitsprävention ausgeben“, so Rasmussen.

„Wir sind die letzte Generation, die Maßnahmen setzen kann, um den Klimawandel zu bremsen. Nun müssen dem Ziel eines klimaneutralen Wirtschaftens rasch konkrete Maßnahmen folgen“, meint Rasmussen.

Mobilitätsverhalten grundlegend ändern

CO2-Emissionen einzelner Verkehrsarten (Bild: VCÖ)
CO2-Emissionen einzelner Verkehrsarten.
Zum Vergrößern Bild anklicken (Quelle: VCÖ).

Der VCÖ plädiert unter anderem dafür, dass spätestens 2030 kein Neuwagen mehr mit Verbrennungsmotor auf den Markt kommen soll.

Neben einer Wende hin zur Elektromobilität spricht er sich für eine „grundlegende Änderung“ des Mobilitätsverhaltens aus.

Das heiße konkret: weniger Autofahrten, dafür häufiger Bahn, Bus und Fahrrad nutzen oder zu Fuß gehen. Und, so Rasmussen: „Gerade in den Städten und im Stadt-Umland braucht es mehr Bahnverbindungen sowie den Ausbau der Fahrrad-Infrastruktur.“

Auch sollten nach Ansicht des VCÖ rasche Bahnverbindungen zwischen Europas Haupt- und Großstädten den Flugverkehr „deutlich reduzieren“.

Zum Herunterladen

Der Bericht „Health impacts and costs of diesel emissions in the EU“ kann von einer Webseite von CE Delft als PDF-Dokument heruntergeladen werden.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Gesundheitsreform · Sozialversicherung · Vermögensschaden
 
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