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VIG-CEO Hartwig Löger: „Europa neu denken!"

26.3.2026 – Löger sieht derzeit eine „Weltunordnung“, in der Europa nicht fähig sei, zu reagieren. Es sei nötig, Europa neu zu denken, so der VIG-CEO. Künstliche Intelligenz könne der Digitalisierung einen Turbo verschaffen, im Pensionssystem sei eine Stärkung aller drei Säulen notwendig. Und schließlich warnt Löger auch davor, das Thema Nachhaltigkeit fallen zu lassen.

VIG-CEO Hartwig Löger beim Insurance Forum Austria (Bild: Thomas Magyar)
VIG-CEO Hartwig Löger beim Insurance Forum Austria (Bild: Thomas Magyar)

Mit einem Highlight begann der zweite Tag des diesjährigen Insurance Forums Austria: Hartwig Löger, CEO der Vienna Insurance Group, nahm im Gespräch mit Reinhold Baudisch, Durchblicker-Gründer und heute Entrepreneur, Stellung zu aktuellen geopolitischen und technologischen Umbrüchen.

Was die globale Sicherheitslage betrifft, könne er nur mit „Betroffenheit pur“ reagieren, so Löger. Man müsse mittlerweile von einer „Weltunordnung“ sprechen, besonders fatal sei es, dass durch den Konflikt im arabischen Raum die Situation in der Ukraine in den Hintergrund trete.

Aus unternehmerischer Sicht könne man von der Ukraine lernen, was es heißt, in extremen Situationen durchzuhalten. Gerade auch die VIG-Gesellschaften in der Ukraine würden es schaffen, aktiv zu sein, Servicedienstleistungen aufrecht zu erhalten und Geschäft zu machen.

Was den arabischen Raum betreffe, gehe es aus wirtschaftlicher Sicht nicht nur um Treibstoffpreise. Löger erwartet Sekundäreffekte, die man noch nicht einschätzen kann – beispielsweise in der Kunststoffindustrie, für die Erdöl wichtig ist.

Europa neu denken

Man werde sich darauf einstellen müssen, dass solche Unsicherheiten nicht beherrschbar sind – insbesondere, wenn man sich die handelnden Personen ansieht, die nicht rational agieren. Es gebe immer mehr Kräfte, die gegen Europa sind, und Europa sei nicht fähig, darauf zu reagieren.

Es gehe darum, Europa neu zu denken, so Löger: „Wir leben die Strukturen nicht, die wir definiert haben.“ Europa reguliere alles durch, „aber nicht das, was wesentlich ist“. Vor allem würde Europa mehr Subsidiarität benötigen.

Die EU besitze keine gemeinsame Währung, keine gemeinsame Sicherheitspolitik und keine gemeinsame Infrastruktur. In den USA sei es genau umgekehrt: Es gebe mehr Föderalität, die wirklich wichtigen Dinge würden aber gemeinsam geregelt.

Überbordende Regulierung

Kein gutes Haar lässt Löger an der „Insurance Recovery and Resolution Directive (IRRD)“, der EU-Abwicklungsrichtlinie für Versicherungen in Krisensituationen. Die Aufsicht verdiene dafür „einen Fünfer im Zeugnis“. Die Richtlinie sei ein Blödsinn – Löger: „Dazu stehe ich.“

Es wäre besser gewesen, das Thema über das bestehende Solvenz-Regime zu lösen: Durch Solvency II „soll und kann es nicht dazu kommen, dass ein Versicherer insolvent wird“.

Es gebe in der EU 27 Kommissionen mit tausenden Beamten, die den ganzen Tag arbeiten, Gedanken und Überlegungen produzieren. Und das dürfte sich auch mit der EU-Omnibus-Initiative (Maßnahmenpaket zur Deregulierung, Anm.) nicht ändern, befürchtet Löger.

Künstliche Intelligenz

Ein weiteres Thema, das die VIG beschäftige, ist Künstliche Intelligenz (KI). Sie biete viele Chancen und könnte der digitalen Entwicklung der letzten Jahrzehnte einen „Turbo“ verschaffen, glaubt Löger. Es stelle sich die Frage, wie es gelingt, durch Technologie Mehrwert zu schaffen.

Denn letztlich gehe es um Ertrag und Dividende, und das funktioniere nicht mit „Gesundschrumpfen“. Gerade für Künstliche Intelligenz benötige man Mitarbeiter, die das einsetzen können – Ziel könne es daher nicht sein, wenige Menschen zu beschäftigen.

Eine Herausforderung stelle allerdings die Demografie dar. Angesichts „massiv schrumpfender Gesellschaften“ könnten KI-Anwendungen dabei helfen, dass viele Tätigkeiten, die jetzt von Menschen geleistet werden, weiter funktionieren können.

Demografie und Vorsorge

Die demografische Entwicklung wirke sich aber auch auf die Pensionssysteme aus. Die Finanzierung des Umlagesystems gerate unter Druck. Doch die Diskussion sei ideologisch aufgeladen, es gelinge nicht, auf politischer Ebene rational darüber zu diskutieren, so Löger.

Die dadurch entstehende Kostenbelastung nehme Österreich aber „extrem viele Chancen“. Das Pensionssystem koste ein Drittel des Budgets, mit diesem Geld könnte man in anderen Bereichen viel bewegen.

„Gott sei Dank haben wir das staatliche System“, sagt Löger. Es gehe darum, es abzusichern. Dazu benötige es eine „ergänzende kapitalbildende Basis in der ersten Säule“ – doch politisch sei das am schwierigsten.

Wichtig sei vor allem auch Eigenverantwortung: Alle drei Säulen müssten gestärkt werden, und „es muss auch Chancen geben, privat vorzusorgen“, spielt Löger auf die seit langem vom Versicherungsverband geforderte Senkung der Versicherungssteuer bei Lebensversicherungen an.

Nachhaltigkeit bleibt wichtig

Auch wenn es derzeit etwas in den Hintergrund gerückt ist: Größtes Thema sei es, „dass die Welt, auf der wir leben, eine gute Welt ist“ und damit die Verantwortung für Klima und Nachhaltigkeit, sagt Löger.

Europa habe mit dem „Green Deal“ allerdings „zu euphorisch“ einen politischen Ansatz definiert und dabei zu wenig darauf geachtet, wie weit Verbesserungen evolutionär möglich sind. Wichtig wären positive Anreize und nicht nur Verbote.

Dass Europa bei diesen Fragen vorangeht und alle anderen folgen werden, habe sich nicht realisiert. Das Thema aber fallen zu lassen, wäre nicht der richtige Zugang.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Digitalisierung · Lebensversicherung · Mitarbeiter · Nachhaltigkeit · Versicherungsteuer
 
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