Verhaltenskodex für Versicherungsmakler kommt

13.5.2019 – Die seit 2017 geltenden Standesregeln für Versicherungsmakler seien durch die neuen Wohlverhaltensregeln der IDD überholt, sie bekommen deshalb einen Nachfolger. Darüber informierte der Fachverband in Velden. Der neue „Code of Conduct“ wird jetzt im Arbeitskreis Recht zusammengestellt. Einer Umfrage zufolge stößt die Forderung nach Ethik im Vertrieb und entsprechenden Sanktionen auf Zustimmung in der Maklerschaft.

Österreichs Versicherungsmakler und Berater in Versicherungsangelegenheiten bekommen einen „Code of Conduct“, zu Deutsch: Verhaltenskodex.

Das hat der Fachverband bei einer Ausschusssitzung am Rande des Versicherungswissenschaftlichen Symposions in Velden entschieden. Ausgearbeitet werden sie im Rechtsausschuss des Fachverbandes.

CoC soll bisherige Standesregeln ablösen

Dieser „CoC“ soll an die Stelle der „Standesregeln für Versicherungsmakler“ treten, jenen Verhaltenskodex des Fachverbandes, der seit Jänner 2017 gilt und insbesondere zum Verhalten gegenüber Kunden, Versicherern, Mitbewerbern und Institutionen Regelungen trifft (VersicherungsJournal 7.12.2016).

Randnotiz: Nicht zu verwechseln sind diese Standesregeln mit der geplanten Verordnung des Wirtschaftsministeriums über „Standesregeln für Versicherungsvermittlung“, die im Zuge der IDD-Umsetzung erlassen werden soll (VersicherungsJournal 11.12.2018).

Die Entscheidung, einen Code of Conduct zu erstellen, hat aber durchaus mit der Versicherungsvertriebsrichtlinie zu tun.

Antowrt auf die neue Rechtslage

Denn wie Klaus Koban, Leiter des Arbeitskreises „Recht“ im Fachverband, im Rahmen des Symposions erläuterte, seien die bisherigen Standesregeln des Fachverbands durch die neuen Wohlverhaltensregeln der IDD überholt. Der CoC soll die „alten“ Standesregeln vor diesem Hintergrund weiterentwickeln.

Die Richtlinie fordere vom Vertrieb, „ehrlich, redlich und professionell“ zu agieren, rief Koban in Erinnerung. Sie enthalte Anforderungen wie „best interest“, das Vermeiden von Fehlanreizen im Verkauf oder auch den „Wunsch- und Bedürfnistest“ – der im Übrigen „weniger“ sei als das, was Versicherungsmakler aufgrund des „best advice“-Prinzips ohnehin zu leisten hätten.

Koban machte außerdem darauf aufmerksam, dass die Richtlinie Bestimmungen zu den „Mindestanforderungen an berufliche Kenntnisse und Fähigkeiten“ enthält, zu denen sie auch „Mindestkenntnisse der ethischen Standards im Geschäftsleben“ zählt.

Ethische Verhaltensgrundsätze werden für Versicherungsmakler demzufolge künftig „Pflichtfach“ sein, betonte Koban.

Makler-Ethik mit historischen Wurzeln

Für Koban ist Ethik etwas, das ohnehin bereits seit geraumer Zeit in der Maklerschaft verankert sei. Entscheidend habe dazu die „klare Positionierung auf Seite des Versicherungsnehmers“ beigetragen.

Dies finde auch im Maklergesetz und in den vor zweieinhalb Jahren erlassenen Standesregeln Ausdruck; auch die Judikatur haben den Berufsstand mit Begriffen wie „Treuhänder, Sachwalter, Bundesgenosse“ assoziiert. Zudem habe man schon bisher einen „starken Fokus“ auf Weiterbildung gesetzt.

Ähnliches sagte Rudolf Mittendorfer, stellvertretender Obmann und konsumentenschutzpolitischer Sprecher des Fachverbandes, der zusammen mit Koban für die Erstellung des Kodex zuständig ist. Er lobte nicht nur das Maklergesetz, sondern griff noch ein gutes Stück weiter in die Geschichte zurück.

So habe etwa die Hamburger Maklerordnung aus dem Jahr 1642 verlangt, dass „nur gute und tüchtige Personen“ Makler sein sollen. Noch älter ist der Maklereid von 1567, mit dem der Makler „getreu und redlich“, nach bestem Gewissen und aufrichtig zu handeln verspricht. „Damit ist eigentlich alles gesagt“, so Mittendorfer.

Maklerumfrage: „Mehr Ethik im Vertrieb“

Im Vorfeld des Symposions hatte der Fachverband in Kooperation mit dem Branchenmagazin Asscompact eine Umfrage unter Versicherungsmaklern rund um das Thema Ethik durchgeführt. Laut Mittendorfer nahmen knapp 400 Makler daran teil.

Von diesen schließe sich eine Mehrheit von 68 Prozent der Aussage „Die Forderung nach mehr Ethik im Vertrieb ist mir ein großes Anliegen“ an. 80 Prozent seien für Sanktionen für unethisches Handeln, zum Beispiel in Form von Strafzahlungen, Nachschulungen, verlängerten Rücktrittsrechten und dergleichen.

Von jenen, die solchen Ansinnen skeptisch gegenüberstehen, sei unter anderem als Gegenargument angeführt worden, dass Ethik subjektiv sei und dass Mitbewerber solche Regeln als Instrument für Anfeindungen verwenden könnten.

Mittendorfer berichtete auch von einer eigenen Umfrage. Das Ergebnis sei zwar „unwissenschaftlich“, da es sich lediglich auf rund 50 Äußerungen aus dem Kunden- und Freundeskreis stütze. Die meisten Antworten hätten aber denselben Tenor, was ethisches Verhalten ausmacht: das Gefühl, nicht über den Tisch gezogen zu werden. „So einfach ist das in Wirklichkeit.“

Leserbriefe zum Artikel:

Rudi Schwarz - Ehrlich, redlich und im Interesse des Kunden. mehr ...

Manfred Taudes - Zugang ordentlich regeln. mehr ...

 
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