Uniqa-Prognose: Gesundheitskosten steigen langfristig an

8.4.2019 – Steigende Lebenserwartung, mehr gesunde Lebensjahre – in einer Uniqa-Analyse wurden Szenarien für die Entwicklung der Gesundheitskosten durchgerechnet. Demnach würden sie von aktuell 10,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis 2060 auf mindestens 12,3 Prozent steigen, in einem der Szenarien auf 14,4 Prozent.

Anlässlich des gestrigen „Weltgesundheitstags“ hat die Uniqa Insurance Group AG eine Analyse zur langfristigen Entwicklung der Gesundheitskosten veröffentlicht.

Studien-Co-Autor Franz Xaver Zobl, Economist bei Uniqa Capital Markets GmbH (Bild: Uniqa)
Uniqa-Ökonom und Studien-
Co-Autor Franz Xaver Zobl
(Bild: Uniqa)

„Die wirklich erfreuliche Tatsache, dass die Bevölkerung altert, hat nachweislich Effekte auf die Finanzierbarkeit nicht nur des Pensionssystems, sondern auch des Gesundheitssystems“, sagt der Ökonom und Co-Autor der Studie Franz Xaver Zobl von der Uniqa Capital Markets GmbH.

Gesundheitsausgaben pro Kopf

Laut der Analyse betrugen die Gesundheitsausgaben pro Kopf auf Basis von Daten der Statistik Austria im Jahr 2014 zwischen dem 35. und 39. Lebensjahr 2.068 Euro.

„In der Alterskohorte 55 bis 59 sind die Pro-Kopf-Gesundheitsausgaben bereits doppelt so hoch und verfünffachen sich bis zur Alterskohorte 75 bis 79.“ Ab dem 90. Lebensjahr belaufen sie sich laut Uniqa auf 26.879 Euro.

Höhere Lebenserwartung

Allein der demografische Wandel (das ist das Szenario „reine Alterung“) führe dazu, dass die Gesundheitsausgaben von aktuell 10,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – dieser Wert war in den vergangenen Jahren (bis 2017) stabil – bis 2030 auf 11,3 Prozent des BIP steigen, bis 2060 auf 13,4 Prozent.

Denn, so der Versicherer weiter, 2018 seien erst 9,4 Prozent der österreichischen Bevölkerung 75 Jahre oder älter gewesen, bis 2060 werde dieser Anteil aber spürbar steigen: auf 16,5 Prozent.

„Gesund Altern“: Mehr gesunde Lebensjahre

Mit dem Alter erhöhe sich die Anzahl der gesunden Lebensjahre. Für den Prognosehorizont 2060 heiße das: „Frauen profitieren von einem Zugewinn an 2,7 gesunden Lebensjahren bei einem Anstieg der Lebenserwartung von 6,4 Jahren.“

Werde dies berücksichtigt, dann würden die Gesundheitsausgaben bis 2060 laut Uniqa-Analyse um 2,0 Punkte auf 12,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ansteigen.

Berücksichtigung der „Einkommenselastizität“

In einem weiteren Szenario („Gesundheitsausgaben Plus“) nehmen die Autoren auch auf die „Einkommenselastizität“ Bezug. Empirische Studien gäben Hinweise darauf, dass Gesundheitsausgaben „mit steigendem Pro-Kopf-Einkommen einen höheren Anteil der Ausgaben“ einnehmen.

Aufgrund der deshalb angenommenen „größeren Gesundheitsausgabendynamik“ zeige dieses Szenario eine höhere Kostenentwicklung. Dies würde bedeuten, dass die Gesundheitsausgaben bis 2060 um 3,8 Punkte auf 14,2 Prozent des BIP klettern.

Werden die zwei Szenarien – Zunahme gesunder Jahre und Einkommenselastizität – zu einem „Referenzszenario“ kombiniert, ergäbe sich ein Anstieg der Gesundheitsausgaben um 2,7 Punkte auf 13,1 Prozent des BIP.

Uniqa-Prognose zur Entwicklung der Gesundheitsausgaben (Quelle: Uniqa Reaearch & Data)
Zum Vergrößern Grafik anklicken (Quelle: Uniqa Research & Data)

Anstieg in jedem Szenario um mindestens zwei Prozent

Ein Vergleich der vier Szenarien „Reine Alterung“, „Gesund Altern“, „Gesundheitsausgaben Plus“ und „Referenzszenario“ zeige also eine Spannbreite der Gesundheitsausgabensteigerung bis 2060 zwischen 2 und 3,8 Prozentpunkten des BIP, ausgehend von 10,4 Prozent 2017.

„Demnach werden die Gesundheitsausgaben relativ zur Wirtschaftsleistung in jedem Szenario zunehmen.“

2016 hat die öffentliche Hand drei Viertel der Gesundheitskosten übernommen – zu 40 Prozent aus Steuern finanziert, der Rest aus Sozialversicherungsbeiträgen, erläutert die Uniqa; fünf Prozent entfallen auf private Krankenversicherungen, 19 Prozent haben die Österreicher „direkt aus der eigenen Tasche“ bezahlt.

Weiterführende Information

Die Analyse „Gesundheitsausgaben im demografischen Licht“ der Uniqa-Fachleute Martin Ertl und Franz Xaver Zobl ist auf der Uniqa-Website abrufbar.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Gesundheitsreform · Private Krankenversicherung · Sozialversicherung · Steuern
 
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