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Stürmer: Klimakrise bedroht Versicherer existenziell

13.10.2020 – Die Klimakrise ist existenzbedrohend – und zwar unmittelbar für die Versicherungsbranche, warnt Zürich-Österreich-Chefin Andrea Stürmer. Diese Krise drohe, das Versicherungsmodell zu überfordern sowie den Ruf der Branche und das Vertrauen junger Menschen in selbige zu beschädigen. Stürmer plädiert dafür, Investmentpolitik und Risikoübernahme entsprechend auszurichten, Produkte und Dienstleistungen anzupassen sowie Nachhaltigkeit zentral in die Unternehmensstrategie einzubetten.

Auch wenn man sie vielleicht ignoriere: Die Klimakrise sei eine existenzielle Bedrohung. Das sagte Andrea Stürmer, CEO der Zürich Versicherungs-AG, am Montag in ihrer Keynote zum Auftakt des von Business Circle veranstalteten Insurance Forums Austria 2020 in Rust am Neusiedler See.

Vom Blickwinkel der Branche aus gesehen, trage die Klimakrise als erstes das Potenzial in sich, das gewohnte Versicherungsmodell in finanzieller Hinsicht zu überfordern.

Andrea Stürmer, CEO Zürich Österreich (Bild: Zürich)
CEO Andrea Stürmer sieht
große Risiken – aber auch
große Chancen, vorausge-
setzt, dass gehandelt wird
(Bild: Zürich).

Schon die Corona-Pandemie zeige die Grenzen des Versicherbaren auf. Die gesamte Schaden/Unfall-Sparte habe in Österreich ein Jahresprämienvolumen von rund zehn Milliarden Euro – der Staat nehme für Corona-Hilfen ein Mehrfaches davon in die Hand.

Was die Pandemie mit dem Klimawandel zu tun hat? Die Einengung des Lebensraums der Tiere trage zur Übertragung von Viren vom Tier auf den Menschen bei – und im Tierreich gebe es 1,7 Millionen Viren, die Kandidaten für eine derartige Übertragung sind, sagte Stürmer. „Die nächste Pandemie könnte schon nächstes Jahr über uns hereinbrechen.“

Grenzen des Versicherbaren

Schon unter normalen Umständen falle es schwer, den Nutzen der Versicherung zu vermitteln, Erklärungsnot, wenn es aber wieder einmal zu einem Hochwasser komme, würden die Grenzen der Versicherbarkeit erneut offensichtlich werden.

Als ein weiteres Beispiel nannte sie Kalifornien, das immer wieder von Waldbränden heimgesucht wird. Dort sei Versicherern 2019 wegen der Feuer für die Dauer eines Jahres teils untersagt worden, Kunden zu kündigen.

Die Frage, welche Risiken Versicherung abfedern kann, werde „vielfach auszuloten“ sein, folgerte Stürmer. Sie mahnte zu vorausschauendem, verantwortungsbewusstem Handeln und dazu, das Know-how der Branche einzubringen – dann könne diese als engagierte Partnerin wahrgenommen werden.

„Gewaltiger Hebel“ als „größter Investor Europas“

Zweites Drohpotenzial: Die Klimakrise könne den Ruf der Versicherungsbranche ruinieren, diese könnte zum „Buhmann“ werden, wenn sie ihren Wissensbestand und ihre Expertise nicht in den gesellschaftlichen Dialog einbringe.

Ein solches „Glaubwürdigkeitsproblem“ sei aber vermeidbar. Schließlich berühre die Versicherungswirtschaft alle Bereiche der Wirtschaft, alle Unternehmen und Privatpersonen, indem sie investiere und Risiken trage.

Wir können zur Klimawende einen signifikanten Beitrag leisten!

Andrea Stürmer, CEO Zürich Österreich

„Wir sind der größte Investor Europas“, stellte sie für den Versicherungssektor fest. Daraus ergebe sich eine gewaltige Hebelwirkung. „Der Green Deal der EU wird ohne uns nicht gelingen.“

Auch bei Produkten, Dienstleistungen und im Betrieb ansetzen

Auch im Bereich der Produkte und Dienstleistungen berühre Versicherung alle, und auch hier habe die Branche einen großen Hebel in der Hand.

Anreize könnten zu nachhaltigem Handeln animieren, Produkte und Services geändert, etwa der Grundsatz „Reparieren statt Verschrotten“ in den Vordergrund gerückt werden.

Nicht zuletzt gebe es auch Maßnahmen, die man im eigenen Betrieb setzen kann. Stichworte: Papier- und Stromverbrauch oder Reisetätigkeit. Digitalisierung könne hier einen Beitrag leisten.

Vertrauensverlust bei junger Generation?

Drittens bestehe das Risiko, das Vertrauen der jungen Generation zu verspielen, wenn nicht gehandelt werde. In Zeiten des Fachkräftemangels habe dies auch existenzbedrohendes Potenzial, so die Zürich-Vorstandschefin.

Junge Menschen achteten darauf, welche Werte ein Unternehmen sichtbar vertritt. „Sie suchen Arbeitgeber danach aus.“ Noch sei Zeit, sich im Sinne der Nachhaltigkeit zu positionieren. Wenn das nicht getan werde, würden die talentiertesten Kräfte „mit den Füßen abstimmen“.

Die Branche sollte all diese Risiken abwenden, aber: Nur „Risikomitigierung“ zu betreiben, wäre „zu kurz gegriffen“. Vielmehr müsse Nachhaltigkeit zentral in der Unternehmensstrategie verankert sein, messbar an Zielen und Ressourcen. Dies, so Stürmer, „könnte unserer Branche neue Strahlkraft verleihen“.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Digitalisierung · Elementarschaden · Nachhaltigkeit
 
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