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Steinschlag: Hunderte riskante Wander-Kilometer

27.3.2025 – Von den 72.000 Kilometern kartierter Wanderwege in Österreich sind 2.200 Kilometer im Hinblick auf Steinschlag als besonders risikoreich anzusehen, davon gilt auf 760 Kilometern eine besonders hohe Steinschlaggefahr, warnt das KFV. Jährlich passieren mehr als 60 solcher Unfälle. Der Klimawandel lasse das Risiko steigen.

Steinfeld (Bild: Andreas/Pixabay)
Bild: Andreas/Pixabay

Das Netz der kartierten österreichischen Wanderwege erstreckt sich nach Angaben des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV) über rund 72.000 Kilometer (womit ihm 8.000 Kilometer bis zum doppelten Erdumfang fehlen).

Das KFV hat nun in einer neuen Analyse dieses Wanderwegenetz mit Gefahrenzonenplänen abgeglichen. Dabei wurde festgestellt, dass 2.200 Kilometer als „besonders risikoreich“ einzustufen sind, was die Steinschlaggefahr angeht.

Davon wiederum seien 760 Kilometer mit „besonders hoher Steinschlaggefahr“ behaftet. „Das entspricht in etwa einer Luftlinie von Wien nach Rom“, illustriert das KFV.

Tatsächlich könnte die Gefahr aber noch weit höher sein, warnt das Kuratorium: „Viele Wanderwege im alpinen Gelände liegen außerhalb kartierter Bereiche, wodurch eine hohe Dunkelziffer zu vermuten ist.“

Pro Jahr mehr als 60 Fälle

Steinschlag trete in Österreich immer häufiger auf. Im Zeitraum 2019 bis 2023 seien pro Jahr im Durchschnitt 61 Personen durch Steinschläge verletzt und drei Personen getötet worden. Zu vielen dieser Ereignisse komme es in Höhenlagen zwischen 400 und 700 Metern.

„Die Auswirkungen des Klimawandels machen sich zunehmend in den Bergen bemerkbar“, sagt Armin Kaltenegger, Leiter des Bereichs Eigentumsschutz sowie Recht und Normen im KFV.

„Schneeschmelze, starke Temperaturschwankungen und extreme Wetterereignisse destabilisieren das Gestein, wodurch Steinschlag immer häufiger auftritt“, so Kaltenegger.

Heatmap der Steinschlagereignisse 1990 bis 2023 (Quelle: KFV)
Heatmap: Steinschlagereignisse 1990 bis 2023 (Quelle: KFV; Daten: Inspire; Wildbach- und Lawinenverbauung [WLV]). Zum Vergrößern Bild anklicken.
Wanderwegenetz, grüne Punkte stellen den braunen Hinweisbereich des Gefahrenzonenplans der Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) dar, hier ausschließlich bezogen auf Steinschlagrisiken (Quelle: KFV).
Wanderwegenetz; grüne Punkte: brauner Hinweisbereich des WLV-Gefahrenzonenplans, hier ausschließlich bezogen auf Steinschlagrisiken (Quelle: KFV; Daten: Open Street Map; WLV; geoland.at). Zum Vergrößern Bild anklicken.
760 Kilometer mit besonders hohem Risiko: Punkte zeigen, wo Wanderwege Gefahrenzonen im Höhenbereich zwischen 400 und 600 Metern kreuzen (Quelle: KFV; Daten: Open Street Map, Inspire, WLV)
Besonders hohes Risiko: Punkte zeigen, wo Wanderwege Gefahrenzonen im Höhenbereich zwischen 400 und 600 Metern kreuzen (Quelle: KFV; Daten: Open Street Map, Inspire, WLV)

Wer haftet bei Schäden?

Wenn es zu einem Personen- oder Sachschaden kommt, hafte in der Regel die Person, die ihre Sorgfaltspflicht verletzt hat, erklärt das KFV.

  • Bei geführten Bergtouren könne dies der Tourenführer sein, wenn er nicht ausreichend über bestehende Gefahren informiert.
  • Bei Einzelwandernden könne der Vorausgehende haften, wenn er unachtsam auf loses Geröll tritt, oder der Nachfolgende, wenn er eine offensichtliche Gefahr nicht erkennt.
  • Ausschließlich bei grober Fahrlässigkeit könne eine Haftung für den Wegehalter bestehen.

„Durch die höhere Wahrscheinlichkeit eines Steinschlags steigt der Druck auf die Wegehalter ihre Kontroll- und Instandhaltungsmaßnahmen zu verstärken“, macht Kaltenegger aufmerksam. „Das kann jedoch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit vieler überfordern, wodurch eventuell sogar Wegsperren drohen.“

Eine Lösung sieht er in einer rechtlichen Interpretation, die die Eigenverantwortung der Wanderer stärker miteinbezieht.

Reaktion im Notfall

Wie im Notfall reagieren? Um das Unfallrisiko zu minimieren, sollte man in den Bergen immer achtsam unterwegs sein, unterstreicht das KFV, „denn Steinschlag tritt das ganze Jahr über auf“.

„Wer versehentlich einen Stein in Bewegung setzt, sollte nachfolgende Wandernde sofort mit einem lauten Warnruf auf die Gefahr aufmerksam machen. Betroffene sollten im Notfall schnell Schutz suchen – am besten hinter einem Felsen oder einer stabilen Geländekante.“

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