Neue Wohntrends: Risikobewusstsein fehlt häufig

12.2.2020 – Smart Homes bieten Chancen, Risiken zu reduzieren, die Anbindung ans Internet macht sie gleichzeitig anfällig für neue Kriminalitätsformen. Das Risikobewusstsein dafür ist aber genauso wenig ausgeprägt wie für die Gefahren von Sprachassistenten, zeigt eine aktuelle Studie der VAV. Vor physischen Einbrüchen fürchten sich nur wenige, die Bereitschaft, in Sicherheit zu investieren, sinkt. Davon betroffen sind auch Versicherer.

Zum zweiten Mal hat das Gallup Institut für die VAV Versicherungs-AG das „Wohnbarometer“ erstellt. Befragt wurden im gesamten Bundesgebiet im Dezember 2019 1.000 Personen in einem Stichprobenverfahren; das Ergebnis sei repräsentativ, so die VAV.

Abgefragt wurden heuer unter anderem die Einstellung der Österreicher zu Miete und Wohneigentum, zu Investitionen, Sicherheit und Smart Home.

Smart-Home-Risiken unterschätzt

Trotz steigender Cyberkriminalität sei das Risikobewusstsein in Bezug auf Smart Homes nur wenig ausgeprägt, erklärt VAV-Vorstandsvorsitzender Sven Rabe.

Es gebe heute keinen Fernseher und keine Waschmaschine mehr, „auf denen nicht ‚smart‘ steht“. „Smart“ bedeute aber immer auch eine Anbindung an das Internet. Es gebe hier offenbar Missverständnisse, was die aktive bzw. passive Steuerung betreffe.

Die Steuerung von Haushaltsgeräten über das Internet stecke aber nach wie vor in den Kinderschuhen. Nur neun Prozent der Befragten nutzen diese Möglichkeiten bereits, im Vorjahr waren es sieben Prozent gewesen. Die Mehrheit (56 Prozent) lehnt eine Nutzung dagegen weiterhin ab.

Jüngere bis 30 Jahre, Maturanten und Akademiker sowie Bezieher höherer Einkommen stehen der smarten Technik aufgeschlossener gegenüber, Gegner sind vor allem über 50-Jährige (70 Prozent) und Bezieher niedriger Einkommen bis 1.500 Euro (67 Prozent).

Technik reduziert aber auch Risiken

Weniger Prämie bei Überwachung? (Grafik: VAV)
Niedrigere Prämie bei Überwachung?
(Grafik: VAV). Zum Vergrößern Grafik anklicken.

Gleichzeitig werde übersehen, dass Smart Homes auch die Möglichkeit bieten, Risiken zu reduzieren. So könnten Detektoren Gefahren melden, Schäden erkannt werden oder das Schadenausmaß reduziert werden.

Es bedürfe einer Meinungsbildung, dass die Technik dem Schutz des Eigentums und nicht der Versicherung diene, ergänzt der VAV-Chef.

30 Prozent der Befragten wären zu einer elektronischen Überwachung ihrer Wohnung bereit, wenn sie dafür von ihrer Versicherung einen Rabatt erhalten. Auch bei dieser Frage steigt die Bereitschaft mit der Ausbildung und dem Einkommen, Jüngere sind eher zur Kontrolle bereit.

Sprachassistenten: Geringe Nutzung, wenig Bedenken

Insbesondere bei Sprachassistenten gebe es „wenig Awareness für die Gefahren“, trotz der Bedenken beim Datenschutz. So würden 47 Prozent der Studienteilnehmer Alexa & Co. „nie ausschalten“. Bei privaten Gesprächen drehen 30 Prozent ab, wenn Besuch da ist, sind es 21 Prozent.

Verwendet werden Sprachassistenten vor allem für Unterhaltung und Information (Wetter, Nachrichten, Lexikonfunktion). Zur Steuerung von Beleuchtung (37 Prozent) oder Heizung (26 Prozent) werden sie vergleichsweise wenig genutzt.

Allerdings bleibe ihre Nutzung deutlich hinter den vor einigen Jahren geäußerten Erwartungen zurück: Gegenüber dem Vorjahr ist die Verwendung von 14 auf 18 Prozent gestiegen, doch die Dynamik sei „draußen“, so Rabe.

Deutlich höher ist der Anteil bei den 18- bis 30-Jährigen: 29 Prozent von ihnen besitzen einen digitalen Assistenten. Rabe: „Abgesehen von den ganz Jungen haben schon alle, die einen Assistenten wollen, einen solchen angeschafft.“

Nur wenige fürchten sich vor Einbrechern

Wenig Angst vor Einbrüchen (Grafik: VAV)
Wenig Angst vor Einbrüchen (Grafik: VAV).
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Zwölf Prozent der Befragten schätzen das Risiko eines Einbruches in ihre Wohnung als „hoch“ oder „sehr hoch“ sein. Der Rückgang gegenüber dem Vorjahreswert (15 Prozent) korreliere mit der tatsächlichen Zahl physischer Einbrüche, so Rabe.

Diese gehen laut polizeilicher Anzeigenstatistik in den letzten Jahren zurück und „das schlägt sich auch in der Erwartungshaltung nieder“.

Weil die Risikoeinschätzung wichtig sei für die Bereitschaft, eine Versicherung zu kaufen, habe das auch Auswirkungen auf die Versicherer.

Unter 30-Jährige fürchten sich deutlich weniger vor einem Einbruch: 49 Prozent von ihnen halten das Risiko laut Studie für „gering“ oder „sehr gering“, nur acht Prozent für „hoch“ oder „sehr hoch“.

Investitionen in Sicherheit rückläufig

Insgesamt planen 15 Prozent der Befragten Investitionen in ihrer Wohnung, nur geringfügig mehr als im Jahr davor (14 Prozent). Stark geändert haben sich laut Studie aber die konkreten Pläne.

In Sicherheit und Einbruchschutz wollen nunmehr 23 Prozent investieren – vor einem Jahr waren es noch 26 Prozent gewesen. Deutlich zurückgegangen sind auch geplante Ausgaben für Einrichtung und Ausstattung: von 55 auf 47 Prozent.

Gestiegen sind dagegen die Investitionspläne für „Fassade und Garten“ (38 nach 24 Prozent), „bauliche Veränderungen, Umbau und Ausbau“ (34 nach 23 Prozent) sowie „Wärmedämmung, Energiesparen“ (33 nach 23 Prozent).

Hier dürfte die Änderung in der öffentlichen Diskussion eine Rolle spielen. Das Thema „Klimaschutz“ sei angekommen, die Bereitschaft ökologisch zu investieren gestiegen, resümiert Rabe.

Eigentum: bevorzugt aber teuer

Für „wirtschaftlich sinnvoller als Miete“ halten 71 Prozent der Befragten Wohnen im Eigentum, doch nur 54 Prozent besitzen tatsächlich ihre Wohnung. Das liege vor allem an der Finanzierung. Zwar sei diese durch Niedrigzinsen günstiger geworden, gleichzeitig steigen aber die Kaufpreise, betont Rabe.

Nur sechs Prozent halten die Anschaffung eines Eigenheimes für leicht finanzierbar, für 34 Prozent wäre sie leistbar, wenn konsequent gespart wird. Für 59 Prozent wäre der Kauf aber nur unter hohen Einschränkungen oder überhaupt nicht möglich.

Sechs von zehn Mietern unter den Studienteilnehmern geben maximal 30 Prozent ihres Haushaltseinkommens für die Miete (brutto) aus, jeden Vierten kostet die gemietete Wohnung zwischen 30 und 40 Prozent des Einkommens, fast jeden Zehnten sogar noch mehr.

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