Miskarik: „Altersvorsorge soll nicht flexibel sein“

16.4.2019 – Im Gespräch mit dem VersicherungsJournal geht Michael Miskarik, Chef der heimischen HDI Lebensversicherung, auf den Stand der Umsetzung des „Lebenswert-Programms“ ein, spricht über seine Zusammenarbeit mit einer großen Tageszeitung und kritisiert eine zu starke Flexibilisierung in der Altersvorsorge. Das paneuropäische Pensionsprodukt Pepp werde für HDI definitiv ein Thema sein.

Michael Miskarik (Bild: zVg)
Michael Miskarik (Bild: zVg)

Vor etwas mehr als eineinhalb Jahren hat die österreichische Talanx-Tochter HDI Lebensversicherung AG das „Lebenswert-Programm“ (VersicherungsJournal 11.9.2017 und 10.4.2018) gestartet.

Für Niederlassungsleiter Michael Miskarik handelt es sich dabei um ein Unternehmensführungsprogramm, durch dessen Umsetzung jeder Kontakt – nach innen und außen – „bis zu einem gewissen Grad“ lebenswert gestaltet werden soll.

Es gehe dabei um einen respektvollen, ordentlichen und wertschätzenden Umgang miteinander. Das sei nach einer „schwierigen Phase“ gelungen, man müsse aber „dahinter sein, dass es am Leben bleibt“.

Teil des Programmes sei auch, dass man Reklamationen auf Augenhöhe bearbeite. Zwar könne nicht immer alles nach den Wünschen des Vermittlers laufen, schränkt Miskarik ein, vielmehr gehe es darum, Entscheidungen so zu erklären, dass dieser sie fachlich annehmen könne.

„Altersvorsorge soll nicht flexibel sein“

Immer wieder werde bei der Lebensversicherung Flexibilität gefordert, sagt Miskarik im Gespräch mit dem VersicherungsJournal. Es sei allerdings problematisch, dass die Haltbarkeit von Verträgen unter zehn Jahren liege, obwohl sie anfangs durchschnittlich auf rund 35 Jahre abgeschlossen werden.

Auch wenn ein Zugriff im „worst case“ möglich sein muss, so sei das Herausnehmen von Geld aus einer laufenden Lebensversicherung eine „Zweckentfremdung“. Vermittler sollten ihren Kunden bereits beim Abschluss empfehlen, die Vorsorge nicht anzutasten.

Flexibilität müsse neu definiert werden, sie müsse von außerhalb des Vorsorgeprodukts kommen, so Miskarik. Es gehe um eine „intelligente Aneinanderreihung von Produkten“, die Altersvorsorge selbst sollte aber nicht flexibel sein und nicht angegriffen werden.

Die gewünschte Flexibilität könnte aus einem Fondssparplan ohne Garantien und ohne Risikokomponente stammen, darüber hinaus sollte ein Notgroschen gespart werden. Das sei durchaus auch für kleinere Einkommen möglich, betont der Miskarik.

Pepp positiv für die Branche

„Definitiv ein Thema“ sei für HDI Leben das paneuropäische Pensionsprodukt (Pepp). Man befinde sich im Konzern dazu in der Planungsphase, Österreich sei in hohem Maße an einer Teilnahme interessiert. Miskarik: „Wenn es kommt, wollen wir dabei sein.“

Zwar sei derzeit „noch vieles offen“, beispielsweise das Steuerthema. Miskarik ist sich aber sicher, dass es eine Nachfrage nach dem Produkt geben werde.

Das Pepp habe seine Berechtigung als Ergänzung des Angebots und werde das Lebensversicherungsgeschäft europaweit stärken: „Es wird der Branche guttun.“

„Aufklärungsarbeit“

Aufgefallen ist die HDI Lebensversicherung im vergangenen Jahr mit wöchentlichen ganzseitigen Einschaltungen in der Tageszeitung „Kurier“.

Miskarik versteht diese nicht als Werbekampagne, sondern als „inhaltlich hochwertige Berichterstattung für Endverbraucher“; ein großer Teil der Inhalte sei in Eigenregie erstellt worden.

Ihm gehe es dabei um „qualitätsvolle Aufklärungsarbeit“. In einer „klaren Sprache“ werde dem Endkunden das Geschäftsmodell Lebensversicherung vermittelt. Eine Fortsetzung ist für heuer geplant.

Das im Vorjahr angekündigte „Workbook Lebensversicherung“ wird nun in einer digitalen Form erscheinen. Es soll in eine Lerndatenbank integriert werden, die HDI Leben für die Aus- und Weiterbildung von Vermittlern zugekauft hat.

Überbordende Regulierung

Gute, qualifizierte Beratung habe immer schon stattgefunden und sei auch dokumentiert worden; dies sei auch im Interesse des Qualitätsvermittlers gewesen. Regulatorien würden dem Grunde nach nur das nachbilden, was ein guter Vermittler immer getan hat.

Allerdings habe die Versicherungswirtschaft insgesamt „kein besonderes Image“. In der Vergangenheit sei von einer Minderheit falsch beraten worden; dies habe nun zu einer „überbordenden“ Regulierung und damit zur Belastung aller geführt: „Das Beratungsgespräch beim Kunden sprengt jeden Rahmen – für den Vermittler und den Endverbraucher.“

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Altersvorsorge · Ausbildung · Lebensversicherung
 
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