Licht und Schatten – und zweierlei Maß

4.3.2019 – Das VKI-Lob für die Makler tut gut. Generelle Kritik sollte aber weniger an der privaten Vorsorge als an der EZB-Nullzinspolitik und dem Zurückfahren staatlicher Förderung geübt werden. Auch ist die Kritik an gesunkenen Renditen privater Sparformen unverständlicherweise deutlich lauter als jene an den Kürzungen durch die Pensionsreformen. Private Vorsorge tut not, und zwar ab frühen Jahren. Über eine Verbesserung des Ist-Zustandes muss nachgedacht werden. – Ein Kommentar von Rudolf Mittendorfer.

Das Leben wird bekanntlich von Naturgesetzen bestimmt. Die gelten nicht immer, aber meistens.

Wo viel Licht ist, muss nicht zwangsläufig Schatten sein, „normal“ ist das aber der Fall. „Normal“ ist auch, dass Personen und Organisationen lieber gelobt denn kritisiert werden.

Aber gerade Lob in Verbindung mit Kritik sollte man ernst nehmen – zeugt es doch von einer ernsthaften Beschäftigung mit einem Thema.

Lob für Bemühungen um sauberen Markt tut gut

Das Lob der beiden VKI-Autoren Gabi Kreindl und Walter Hager (VersicherungsJournal 27.2.2019) in Richtung der Versicherungsmakler tut wirklich gut. Es zeigt, dass unsere nun jahrzehntelangen Bemühungen um einen sauberen Markt und um gut ausgebildete Makler wahrgenommen und honoriert werden.

Die Einschränkung des Lobes auf die Sachversicherungen stimmt jedenfalls zum Teil. Ja, Makler sind im Elementarbereich die dominanten Berater. Das ergibt sich unter anderem aus der Komplexität der Sachversicherung – das bevorzugt die bestausgebildeten Berater.

Im Bereich Personenversicherungen ist der Marktanteil der Makler unter 15 Prozent. Wir bedauern das, und wir haben dennoch immer wieder negative Auswüchse (zum Beispiel Ausspannungen) kritisiert. Nicht nur kritisiert, wir haben dagegen auch – bis zum OGH – etwas unternommen.

Die Zins- und Förderpolitik verdient Kritik

Rudolf Mittendorfer (Foto: privat)
Autor Rudolf Mittendorfer
(Foto: privat)

Nicht konform gehe ich mit dem VKI in der generellen Kritik an der dritten Säule. Es ist notwendig, zu privater Pensions- und Pflegevorsorge zu beraten – und sie auch zu verkaufen.

Die Nullzinspolitik der EZB hat jedoch dazu geführt, dass alle Spar- und Anlageformen, bei denen Zinspapiere hinterlegt sind oder sein müssen, praktisch zu einer Entreicherung der Betroffenen geführt haben.

Demgegenüber hat die Regierung die letzten verbliebenen Förderungen gestrichen … Das sollte kritisiert werden. Vor allem auch deshalb, weil die Republik aus den Nullzinsen beim Zinsendienst der Staatsschulden Jahr für Jahr Milliarden „verdient“!

Statt wenigstens einen Bruchteil in Form zielgerichteter Vorsorgeförderungen zurückzugeben, passiert das Gegenteil.

Nicht mit zweierlei Maß messen

Demgegenüber werden die Kürzungen der diversen Pensionsreformen allgemein viel weniger thematisiert als die sinkenden Renditen bei Pensionskassen oder privaten Versicherungen. Ein Faktum, das ich nicht verstehe.

Gabi Kreindl und Walter Hager haben Recht – alle Säulen der Vorsorge sind nicht „gut“ – über die Wertungen können wir ja streiten.

Sie haben auch Recht – es bedarf exakter Fakten und individueller Beratung, um optimal vorzusorgen.

Vorsorge muss früh ansetzen

In einem bin ich aber anderer Meinung – es darf nicht das Ziel von mehr Makler-Engagement in der Vorsorge sein, die Generation 50-plus mit Pensionsvorsorge zu konfrontieren oder sie dazu zu animieren.

Da ist es unserer Meinung und Erfahrung nach zu spät. Die Beiträge, die zum „Schließen der Pensionslücke“ (auch über andere Begrifflichkeiten können wir gerne diskutieren, ich freue mich über positivere Bezeichnungen) dann nötig sind, sind meist so hoch, dass die Menschen gleich gar nichts mehr machen.

Einem Ungeübten die Hochsprunglatte auf 1,50 m zu legen, ist auch nicht von Erfolg gekrönt … Die Höhen müssen zu Beginn mit einigermaßen erträglicher Anstrengung erreichbar sein, und können dann gesteigert werden.

So ist es auch mit Vorsorge – die gehört in jungen Jahren begonnen. Wie Konfuzius 525 vor Chr. niederschrieb: „Wer im Alter eine Stütze braucht, der muss in der Jugend beginnen, einen Stecken zu schnitzen!“

Maßnahmen für bessere Vorsorgeentscheidungen ausloten

Ich freue mich über das Buch von Mag. Kreindl und Mag. Hager aber aus einem weiteren Grund.

In meiner Eigenschaft als Konsumentensprecher der österreichischen Versicherungsmakler habe ich schon vor Jahren eine Enquete für Vorsorge angeregt.

Dabei sollten Experten von VKI, AK, Versicherungen und natürlich Maklern den Ist-Zustand, die Mängel, vor allem aber die möglichen Maßnahmen für bessere private Vorsorgeentscheidungen diskutieren.

Das ist leider „eingeschlafen“ – aber wir werden nun einen neuen Versuch starten. Die Sicherheit der ÖsterreicherInnen als unser gemeinsames Anliegen sollte als Basis für gemeinsame Anstrengungen dienen. Ich freue mich schon darauf.

Rudolf Mittendorfer

Der Autor ist stellvertretender Obmann und konsumentenschutzpolitischer Sprecher des Fachverbandes der Versicherungsmakler und Berater in Versicherungsangelegenheiten.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Pensionskasse · Pflegeversicherung · Sachversicherung · Verkauf · Versicherungsmakler
 
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