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Insurtechs: Warum die Disruption ausgeblieben ist

25.3.2025 – E-Commerce-Erfolgsmodelle lassen sich nicht auf Versicherung übertragen. Gründe sind unter anderem das fixkostenintensive Geschäft und die Vorsicht der Versicherer, die Sicherheit und Verlässlichkeit suchen. Dazu haben die Versicherer inzwischen auch hausintern ihre Fähigkeiten aufgebaut. Die Zukunft heißt „Techsurance“, Innovation dürfte dabei eher von Versicherern kommen.

Analysierten das Scheitern der meisten InsurTechs: Nikolai Dördrechter (links, sitzend) und Dietmar Kottmann (Bild: Thomas Magyar/Business Circle)
Analysierten das Scheitern der meisten Insurtechs: Nikolai Dördrechter (links, sitzend) und Dietmar Kottmann (Bild: Thomas Magyar/Business Circle)

Vor rund zehn Jahren wurden die ersten „Insurtechs“ gegründet. Für das Insurance Forum Austria der Business Circle Management FortbildungsGmbH in der Vorwoche Grund genug, Rückschau zu halten und zu fragen, ob sie tatsächlich zu Innovationstreibern wurden.

Die Fintech-Welle sei damals in die Versicherungsbranche hinübergeschwappt und zum Hype geworden, resümierte Nikolai Dördrechter, COO und Managing Partner der XTP GmbH, eines auf die Beratung institutioneller Investoren spezialisierten Unternehmens.

Bald allerdings habe es erste Phasen des Umbruchs gegeben, Ernüchterung habe sich im Markt breitgemacht. Heute stehe fest, dass die groß angekündigten Disruptoren mit ihren Modellen im DACH-Raum – Deutschland, Österreich, Schweiz – gescheitert sind.

Warum die Disruption ausgeblieben ist

Die ersten Gründer hätten versucht, E-Commerce-Erfolgsrezepte auf die Versicherungsbranche zu übertragen, doch dies habe nicht funktioniert. Sie hätten die Regulatorik und die hohen Kosten der Kundenakquisition unterschätzt, und Geschäftskunden seien vorsichtig, wenn sie mit neuen Playern arbeiten.

Dazu komme, dass die Finanzierung über Business Angels oder Venture Capital für lizenzierte Versicherer der falsche Weg sei. Deren kurzfristiges Denken könne für Startups eine Katastrophe bedeuten, so Dördrechter.

Da viele Startups scheitern oder nur mäßig Erfolg haben, benötige es „Raketen“, die das Potenzial haben, den gesamten Fonds zurückzuzahlen. Das sei in einem fixkostenintensiven Geschäft wie den Versicherungen kaum zu erreichen.

Die Gründung lizenzierter Versicherer benötige kein disruptives, sondern ein bewährtes Geschäftsmodell, da es Kapital mit einem anderen Risikoprofil braucht.

Einige wenige erfolgreich

Viele der einstigen Insurtechs seien mittlerweile wieder vom Markt verschwunden, nur einige wenige hätten es geschafft, wirklich erfolgreiche Geschäftsmodelle aufzubauen, betonte Dördrechter.

Allerdings gebe es im Versicherungsbereich kein „Hypergrowth“, das heißt kein überdurchschnittliches Wachstum in extremem Tempo. Der Erfolg sei eine Mischung aus harter Arbeit und organischem sowie anorganischem Wachstum gewesen.

Potenzial für Insurtechs sieht Dietmar Kottmann, Partner beim Managementberater Oliver Wyman GmbH, in drei Bereichen. Was ihr Angebot betrifft, würden sich jene durchsetzen, die Differenzierung durch Technologie bieten, beispielsweise bei Risikobewertung oder Underwriting.

Darüber hinaus würden Vertriebsplattformen funktionieren und im Bereich des Betriebes könnten unter anderem Technologieplattformen oder Front-Office-Lösungen erfolgreich sein.

Größe entscheidet

„Gleich und Gleich gesellt sich gern“, sagt Kottmann. Große Versicherer wollen Sicherheit und Verlässlichkeit ihrer Anbieter, die Insurtechs seien „nicht an die Fleischtöpfe herangelassen worden“.

Für eine echte Relevanz als Technologie- bzw. Serviceanbieter sei Größe notwendig; große Versicherer würden nämlich große Technologieanbieter bevorzugen. Im B2B-Geschäft gebe es „schnellen Druck zur Größe“.

Diese könne auch anorganisch erreicht werden. So entstanden unter anderem durch M&A auch im DACH-Raum größere Anbieter, international gebe es „wahre Gorillas“.

Von Insurtechs zu Techsurance

Anfangs seien die Versicherer „schläfrig“ gewesen, seien dann aber aufgewacht und haben ihre Fähigkeiten hausintern aufgebaut, so Kottmann. Außerdem hätten sie Technologie zugekauft, teilweise auch von den Startups. Geld für „Big Data Analytics“ sei jedenfalls vorhanden.

Insurtechs seien in den vergangenen zehn Jahren Innovationstreiber gewesen; nun gehe es darum, Versicherung über Technologie besser zu machen: „Aus Insurtechs wird Techsurance“. Innovationsanstöße seien eher von Versicherern zu erwarten.

Dabei werden sich rund um große Spieler Tech-Ökosysteme bilden, erwartet Kottmann: „Es werden jene gewinnen, die mit echtem Wissen über die Versicherungsbranche Versicherung neu denken.“

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Ausbildung · Fintech · Insurtech
 
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