Hochwasserschäden in Millionenhöhe zu erwarten

19.7.2021 – Schon in den letzten Wochen haben Unwetter in Österreich massive Schäden verursacht. Mit den Überschwemmungen, unter denen in den vergangenen Tagen mehrere Länder Europas einschließlich Österreichs zu leiden hatten, dehnt sich das Schadenausmaß nochmals weiter aus.

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Seit zwei Monaten berichtete die Österreichische Hagelversicherung VVaG immer wieder, zuletzt alle paar Tage, von Landwirten, die von Unwettern getroffen wurden. In der Landwirtschaft sind bereits einige Millionen Euro an Schaden entstanden (VersicherungsJournal 15.7.2021).

Noch verheerender fielen die Schäden aus, die die Hochwasser in mehreren Ländern Europas in den letzten Tagen verursachten, zahlreiche Menschen verloren ihr Leben.

GDV: 2021 wohl eines der schadenträchtigsten Jahre seit 2013

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) äußerte am Freitag die Erwartung, dass 2021 eines der schadenträchtigsten Jahre seit 2013 sein wird.

„Bereits im Juni haben Starkregen und Hagel einen geschätzten versicherten Schaden von 1,7 Milliarden Euro verursacht. Eine aktuelle Schadenschätzung werden wir voraussichtlich in der nächsten Woche vorliegen haben“, sagte Jörg GDV- Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen.

Zur „Welt am Sonntag“ sagte er, Klimafolgenanpassung komme vielerorts zu kurz. Es gelte umzusteuern, „sonst setzt sich eine Spirale aus weiteren Katastrophen und steigenden Schäden in Gang, die erst teuer und irgendwann unbezahlbar wird“.

Unwetterschäden in mehreren Bundesländern

Am Wochenende waren auch mehrere Regionen Österreichs teils schwer in Mitleidenschaft gezogen.

„Genaue Schadenszahlen liegen noch nicht vor, aber wir rechnen auch dieses Mal mit Schäden in Millionenhöhe“, sagte Vorstandsdirektorin Sonja Steßl namens der Wiener Städtischen Versicherung AG Sonntagmittag in einer Aussendung.

Von Seiten der Bundesregierung wurde Hilfe in Aussicht gestellt, wie der ORF am Sonntag berichtete. Den Bundesländern seien Mittel aus dem Katastrophenfonds zugesichert worden, wird Bundeskanzler Sebastian Kurz zitiert.

Versicherungsbündel für Naturkatastrophenrisiken

In der jüngst erschienenen Ausgabe der „Versicherungsrundschau“ (6/2021) plädierte Othmar Nagl, Generaldirektor der Oberösterreichischen Versicherung AG, für die Schaffung einer neuen Naturkatastrophen-Versicherungslösung.

Er hielte es für „sinnvoll, die Sturmversicherung und mit ihr die anderen Naturkatastrophenversicherungen in einem Unternehmen zu bündeln“. So könnten die für den Risikoausgleich nötige große Zahl erreicht und höhere Deckungssummen angeboten werden.

„Natkat-Modell“ seit 15 Jahren vorhanden

Ein Konzept für eine Naturkatastrophen-Versicherung, die eine Kombination aus Privatversicherung und Leistungen der öffentlichen Hand darstellt, existiert bereits seit rund 15 Jahren.

Das Modell war als Konsequenz aus den Hochwassern 2002 und 2005 entwickelt worden und wurde seither immer wieder von der Versicherungswirtschaft aufs Tapet gebracht (VersicherungsJournal 28.2.2020, 1.3.2019, 14.12.2018, 24.1.2018, 8.3.2018, 12.10.2016, 20.5.2014, 28.2.2014, 17.7.2013, 1.3.2013, 20.11.20212, 27.7.2012). Umgesetzt wurde eine solche Versicherung bislang allerdings nicht.

Im aktuellen Regierungsprogramm scheint eine Naturkatastrophen-Versicherung ebenfalls nicht auf. Vielmehr verschreibt es sich unter dem Titel „Naturgefahren“ insbesondere einer „ausreichenden Dotierung“ für den Schutz vor selbigen und einem Ausbau des Hochwasserschutzes (VersicherungsJournal 7.1.2020).

„Im Rahmen der Versicherungswirtschaft Lösungen suchen“

Nagl ist im erwähnten Interview indes der Ansicht, dass der bestehende Katastrophenfonds ein unzureichendes Vehikel ist, speziell im Falle größerer Naturkatastrophen.

Er spricht sich deshalb und angesichts ausstehenden politischen Engagements in diese Richtung dafür aus, „im Rahmen der Versicherungswirtschaft“ Lösungen zu suchen.

Nagl: „Man könnte mit der Bündelung aller Sturmversicherungen beginnen und schrittweise eine österreichische Katastrophen-Versicherung aufbauen.“

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Elementarschaden · Unwetter
 
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