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Helvetia-Unfallstudie ortet existenzielle Gefahren

8.5.2024 – Die Österreicher schätzen zwar Unfallgefahren realistisch ein, jeder Zweite verfügt aber nicht über eine private Unfallversicherung und ist damit existenziellen Gefahren ausgesetzt, wie aus einer aktuellen Studie der Helvetia Versicherungen hervorgeht. Viele würden sich auf den Staat verlassen, Vorstand Andreas Gruber ortet hier eine „Vollkaskomentalität“.

Präsentation der Helvetia-Unfallstudie (Bild: VJ)
Präsentation der Helvetia-Unfallstudie v.l.n.r.: Ipsos-Österreich-Geschäftsführer Alexander Zeh, Helvetia-Skiteam-Mitglied Niki Hosp, KFV-Geschäftsführer Christian Schimanofsky und Helvetia-Schaden-Unfall-Vorstand Andreas Gruber (Bild: VJ). Zum Vergrößern anklicken.

Zum zweiten Mal nach 2013 hat die Helvetia Versicherungen AG eine Studie zum Thema „Unfallversicherungen“ mit dem Fokus auf Freizeit und Unfall in Auftrag gegeben, die vom Marktforschungsinstitut Ipsos GmbH erstellt wurde.

Dafür wurden im heurigen März tausend Personen im Rahmen von computerunterstützten Online-Interviews (CAWI) befragt. Zielgruppe war die versicherungsfähige Bevölkerung Österreichs zwischen 18 und 70 Jahren; die Ergebnisse seien für diese repräsentativ, so Ipsos.

Ein Fokus sei auf dem Unfallbewusstsein der Österreicher gelegen, betonte Andreas Gruber, Vorstand Schaden-Unfall der Helvetia in Österreich, bei der Präsentation der Studie. Vor allem sei es auch möglich festzustellen, was sich in den vergangenen zehn Jahren geändert hat.

Unfallvermeidung für viele ein Thema

Österreich sei ein Land der Wanderer, Fahrradfahrer und Schwimmer, erklärte Alexander Zeh, Geschäftsführer von Ipsos Österreich, wobei unter Schwimmen eher baden oder im Wasser planschen zu verstehen sei.

Jeweils mehr als ein Drittel der Befragten geben an, diese Sportarten auszuüben (Mehrfachantworten waren möglich). Dabei schätzen sich 48 Prozent laut Studie selbst als sehr oder ziemlich sportlich ein, nur 14 Prozent sagen, sie seien „überhaupt nicht sportlich“.

Genau die Hälfte jener Studienteilnehmer, die überhaupt Sport machen (842 Befragte), erklärt, diesen zwei bis vier Mal die Woche zu betreiben, weitere 20 Prozent zumindest fünf Mal in der Woche oder sogar täglich. Weniger als ein Mal in der Woche betreiben aus dieser Gruppe nur zehn Prozent Sport.

Dabei treffen 27 Prozent von ihnen jedes Mal und weitere 37 Prozent „sehr häufig“ besondere Vorkehrungen zur Unfallvermeidung in Form von Schutzausrüstung oder Sicherheitsgeräten. Aber immerhin 13 Prozent sagen, sie würden „nie“ vorsorgen.

Realistisches Unfallbewusstsein

„Eine durchaus realistische Wahrnehmung“ attestiert Zeh den Österreichern, was die Vermutung betrifft, wo die meisten Unfälle passieren: 49 Prozent (2013: 43 Prozent) gehen davon aus, dass dies „zu Hause“ geschieht, für 29 Prozent (2013: 43 Prozent) sind es Sport- und Freizeitunfälle.

Andere Unfallorte werden deutlich weniger gefährlich eingeschätzt: Zwölf Prozent (2013: neun Prozent) glauben, dass die meisten Unfälle im Straßenverkehr passieren, neun Prozent (2013: drei Prozent) in der Arbeit oder auf dem Weg zur Arbeit.

Allerdings ortet Zeh hier ein Paradoxon: Zwar würden die Menschen wissen, dass die meisten Unfälle im Haushalt passieren, Angst vor einem Unfall bei der Hausarbeit haben aber nur 18 Prozent. Umgekehrt fürchten sich 52 Prozent vor einem Autounfall und 18 Prozent vor einem Flugzeugabsturz.

Und es gebe eine „Sorgen- und Befürchtungsinflation“, so Zeh: hatten 2013 noch 28 Prozent der Befragten erklärt, sich nicht vor einem Unfall zu fürchten, so sank dieser Wert nun auf 18 Prozent.

Jeder fünfte Unfall passiert beim Sport

Christian Schimanofsky, Geschäftsführer des Kuratoriums für Verkehrssicherheit, untermauert diese Meinungen, Emotionen und Wahrnehmungen der Studienteilnehmer mit Fakten. Sportunfälle haben demnach einen Anteil von 21 Prozent am gesamten Unfallgeschehen.

Insgesamt verletzen sich jedes Jahr rund 160.000 Menschen bei der Ausübung von Sport so schwer, dass sie eine Krankenhausbehandlung in Anspruch nehmen müssen. Zwar gebe es die meisten Verletzten beim Fußball, besonders schwere Unfälle würden aber beim Radfahren passieren.

Die größte Risikogruppe sei männlich und jung oder „jung geblieben“. Großes Risikopotenzial gibt es laut Schimanofsky auch bei Älteren, insbesondere durch den E-Bike-Boom. Und: „Immer weniger Österreicher können schwimmen“ – 2023 habe es 51 tödliche Ertrinkungsunfälle gegeben.

Wichtige Maßnahmen zur Prävention seien regelmäßiges Training und die Verwendung von Schutzausrüstung, darüber hinaus solle man Sport „ablenkungsfrei ausüben“ und Freizeitaktivitäten auch an neue klimatische Verhältnisse anpassen, empfiehlt der KFV-Geschäftsführer.

Vollkaskomentalität

Quelle: Helvetia
Zum Vergrößern anklicken (Quelle: Helvetia)

Gerade Unfälle mit E-Bikes können „schnell zu hohen Kosten führen“, sagt Schimanofsky. Allerdings gebe es in der österreichischen Bevölkerung eine große Wissenslücke, was die Abdeckung von Unfallkosten betrifft, ergänzt Gruber.

So seien 43 Prozent der Meinung, dass ihre Krankenkasse, und 24 Prozent, dass die gesetzliche Unfallversicherung für die Folgekosten beispielsweise eines Sturzes bei einer Wandertour aufkomme. Es herrsche hier in Österreich eine „Vollkaskomentalität“, so der Helvetia-Vorstand.

Und 34 Prozent würden sich auf eine Versicherung über Vereine, wie Alpenverein oder Verkehrsclubs, verlassen. Gerade letztere seien aber häufig „Schmalspurvarianten“; hier sei es besonders wichtig, die individuelle Situation zu beachten.

Ein existenzielles Risiko

An einem aktuellen Praxisbeispiel erläutert Gruber, wie wichtig eine private Unfallversicherung ist: Nach einem Wanderunfall hätte eine Versicherungsnehmerin andernfalls 7.600 Euro für den Hubschraubereinsatz, 250 Euro für die MRT und zwei Mal 1.200 Euro für Physiotherapie selbst tragen müssen.

Allerdings erklären nur 53 Prozent der Studienteilnehmer, über eine private Unfallversicherung zu verfügen, was gegenüber 2013 zwar eine Steigerung um acht Prozentpunkte sei, gleichzeitig aber bedeute, dass die Hälfte nicht abgesichert und damit einem existenziellen Risiko ausgesetzt sei.

Deshalb wurde in der Studie auch danach gefragt, was Gründe sind, die gegen eine private Unfallversicherung sprechen: Hier erklären 32 Prozent, dass ihre gesetzliche Absicherung reichen muss, und 31 Prozent, dass sie sich mit dem Thema bisher nicht beschäftigt hätten.

 
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