Fünf Standesvertreter blicken auf 2020 und 2021

18.12.2020 – Christoph Berghammer, Horst Grandits, Anna-Maria Taudes, Alexander Punzl und der IVVA ziehen ein Resümee über 2020 und äußern ihre Erwartungen zum Jahr 2021.

Wir haben die Spitzen der Standesvertretungen auch heuer wieder zum traditionellen Rückblick auf das zu Ende gehende und zum Ausblick auf das kommende Jahr eingeladen.

Christoph Berghammer

Christoph Berghammer (Bild: Martin Steinthaler)
Fachverbandsobmann
Christoph Berghammer
(Bild: Martin Stein-
thaler)

Obmann des Fachverbands der Versicherungsmakler und Berater in Versicherungsangelegenheiten

Prägend war 2020 freilich auch für die Makler Corona: „Wir haben mit dem ersten Lock-Down alle unsere Mitglieder mittels Fachverbandsnewsletter permanent über ihre Verpflichtungen und Möglichkeiten informiert. Die Mitarbeiter des Fachverbands haben an mehreren Wochenenden an der Abarbeitung des Härtefonds mitgeholfen. Dafür darf ich ihnen herzlich danken.“

Um die Weiterbildungsverpflichtung erfüllbar zu machen, habe man „eine Fülle von Webinaren angeboten, welche sehr intensiv angenommen wurden“. Als Höhepunkt bezeichnet Berghammer den „Bildungstag“ mit 700 Teilnehmern.

Abseits Corona habe der Fachverband zum Beispiel „einen großen Schritt in Richtung einer neuen Befähigungsprüfungsverordnung für Versicherungsmakler auf Level NQR 6“ gesetzt. Diese werde ab 2023 schriftlich und mündlich stattfinden und zukünftig dem Niveau eines Bachelors gleichgestellt.

„Begleitend zur Prüfungsverordnung arbeiten wir auch an einer neuen Zugangsverordnung. Es darf nicht sein, dass der Zugang zum Gewerbe über eine einfache individuelle Befähigung erfolgen kann und dadurch die Prüfung unterlaufen wird.“ Auch im Bereich des Fachgesprächs habe es eine österreichweite Einigung unter den Bundesländern gegeben.

„Auf europäischer Ebene haben wir es mit einer Revision der Mifid zu tun gehabt. Die Gefahr, Mifid-Regeln in die IDD zu kopieren und damit unser Vergütungssystem zu ändern (Provisionsverbot) haben wir zumindest momentan erfolgreich bekämpft.“

Angesichts der anstehenden IDD-Überprüfung arbeite man gemeinsam mit Bipar daran, möglichst keine weiteren delegierten Rechtsakten oder Richtlinie zu bekommen. „Die Bedrohung, dass Regeln aus der Finanzwelt in der Versicherungswelt übernommen werden, ist leider gegeben. Wir werden jedoch alles Mögliche unternehmen, um auch weiterhin erfolgreich und lebbar für unsere Klienten tätig sein zu können.“

Horst Grandits

Horst Grandits (Bild: Gerald Lechner)
Bundesgremialobmann
Horst Grandits
(Bild: Gerald Lechner)

Obmann des Bundesgremiums der Versicherungsagenten

„Zweifelsohne, die Covid-19-Krise hat uns dieses Jahr rund um die Uhr beschäftigt“, sagt Horst Grandits. 2020 habe „gezeigt, wie wichtig und unverzichtbar eine starke Interessenvertretung ist“, so Grandits.

„Mit zahlreichen Beratungen und juristischen Auskünften – ob zu Auslegungsfragen der Gewerbeausübung oder zu den Unterstützungsangeboten – konnten wir unseren Mitgliedern online oder via Chat-Rooms zur Seite stehen. Schnelle, aktuelle und gut aufbereitete Informationen zu bieten, war das Gebot der Stunde.“

Auch interessenpolitisch sei vieles gelungen, „zum Beispiel die vorzeitige Öffnung der Kfz-Zulassungsstellen oder etwa die Klarstellung für Versicherungsagenten bei der Vermittlung von Vorsorge- und Pensionskassenverträgen“.

Für 2021 steht eine Reihe von Themen auf der Agenda. „So werden wir die Fertigstellung der Befähigungsprüfung, die Einstufung auf NQR-Stufe 6, die Erarbeitung der Prüfungsinhalte sowie die Neuformulierung der Zugangsverordnung fortsetzen.“

Und: „Mit der kommenden IDD-Evaluierung sowie dem Thema ‚Sustainable Finance‘ mit Offenlegungspflichten bei den Anlageprodukten werden wir uns ebenfalls intensiv beschäftigen. Und natürlich läuft die Beratung zu coronabezogenen Themen für unsere Mitglieder weiter.“

Anna-Maria Taudes

Anna-Maria Taudes (Bild: Taudes)
ÖVT-Präsidentin
Anna-Maria Taudes
(Bild: Taudes)

Präsidentin des Österreichischen Versicherungstreuhandverbandes (ÖVT)

Anna-Maria Taudes hat im Jänner als Projektleiterin vor rund 50 Maklern und Führungskräften von Maklerbüros eine Riskmanagement-Methode präsentiert. Dort wollte sie wissen, wer schon alle IDD-Kriterien erfüllt.

„Was meinen Sie, wie viele aufgezeigt haben? Niemand; kein einziger hat sich getraut, Ja zu sagen. Dabei weiß ich, dass diese Kanzleien alle sehr gut arbeiten. Aber so groß ist die Verunsicherung, etwas falsch zu machen!“ Dabei sei die Anzahl der Beanstandungen bei jüngsten behördlichen Prüfungen gering gewesen, verweist Taudes auf einen vor kurzem erschienenen „Kurier“-Bericht (VersicherungsJournal 12.11.2020).

2020 habe der Begriff „Corona“ den Begriff „Digitalisierung“ überlagert. Dennoch: „Ja, natürlich wollen und sollen wir uns alle das Leben leichter und einfacher machen“, sagt die ÖVT-Präsidentin. Von Versicherern werde dabei das Ansinnen verfolgt, den Kostendruck verlagern, nach dem Motto: „Druck du die Polizze selber aus, oder schick sie einfach elektronisch weiter!“ Dies werde dann „wie ein Weihnachtspackerl unter dem Stichwort ‚Digitalisierung‘ verpackt“.

Die Lösung für die Zukunft besteht für Taudes in Flexibilität: „Gerne übernehme ich für dich, lieber Partner, deine Arbeit. Ich drucke und versende für dich deine Polizzen. Mach mir ein Angebot, was du dafür zahlen möchtest.“ – „Gerne übernehme ich für dich, lieber Klient, lästige Arbeiten. Ich fahre für dich zum Schadenort, mache Fotos und kümmere mich um die Schadenbehebung. Es kostet dich weniger, geht schneller und ist sicherer, wenn wir es für dich machen.“ – „Möchtest du das?“

Alexander Punzl

Alexander Punzl (Bild: ÖVM/Alexander Ranger)
ÖVM-Präsident
Alexander Punzl
(Bild: ÖVM/Alexander
Ranger)

Präsident des Österreichischen Versicherungsmaklerrings (ÖVM)

„Krisen soll man immer etwas Positives abgewinnen, auch wenn es in der aktuellen Covid-Krise schwerfällt, eines haben wir gelernt, unsere beruflichen Tätigkeiten vermehrt ins Worldwide Net zu verlagern“, sagt Alexander Punzl.

„Ich möchte es noch keinen Digitalisierungsschub nennen, aber die Maklerschaft ist 2020 einen großen Schritt weitergekommen. Insbesondere haben wir gelernt, auch elektronische Beratung über Video etc. abzuhalten, und ich habe das Gefühl, dass das auch in unseren zukünftigen Alltag Einzug halten wird. Wir mussten aber auch vermehrt administrative Tätigkeiten aller Art ins Netz verlegen, und das ist gut so.“

Auch die Versicherungswirtschaft habe in puncto Digitalisierung weitere Schritte angekündigt. So höre man zum Beispiel immer öfter die Begriffe „… 3.0“ oder „Dunkelpolizzierung“. Punzl hat dabei die Befürchtung, „dass nicht alles Gold ist, was glänzt“.

„Wir sehen massiven Personalabbau, der die Servicequalität verschlechtern wird und Digitalisierung heißt bei vielen Versicherern Standardisierung und dies meines Erachtens im Widerspruch zu unserer gesetzlichen Pflicht, maßgeschneiderte Deckungskonzepte zu erstellen“, meint Punzl. „Hoffentlich irre ich mich!“

IVVA

Interessenverband der österreichischen Versicherungsagenten (IVVA)

Der IVVA weist in seinem Schreiben auf die Bandbreite der Themen hin, mit denen er sich heuer zu beschäftigen hatte und zu denen es „praktische Umsetzungs-Tipps“ zu geben galt. „Sind doch Themen wie IDD, DSGVO oder aktuell Corona nicht immer leicht zu verstehen. Gesetzestexte oder schnelle Verordnungen sind keine leichte Materie. Auch Agenturverträge nicht.“

Daher prüfe der Verband und gebe darüber Auskunft, „welche Passagen positiv und welche (grob) benachteiligend für den Agenten sind“. Dies werde den jeweiligen Häusern auch mitgeteilt, verbunden mit dem Versuch, gegebenenfalls eine Abänderung zu erwirken.

Ein weiteres Thema: „Da Nachfolge und Nachwuchs große Probleme mit sich bringen, versucht die IVVA-Börse eine Hilfestellung für die Suche nach Nachfolger ebenso zu bieten wie für die Suche nach Partnern oder Beständen.“

2021 wolle man berufsrelevante Themen weiterhin „kritisch und aufmerksam verfolgen und bei Bedarf kommentieren“, schreibt uns der IVVA. Auch 2021 werde man sachlichen Hinweisen auf Belastungen für den Berufsstand der Agenten nachgehen.

 
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