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FMA: Whistleblower, Kundenbeschwerden und Gamechanger

15.5.2024 – Stabil, liquide und profitabel aufgestellt: So beurteilt die FMA den österreichischen Finanzmarkt. Auch die Versicherungsbranche steht laut dem neuen „Jahresbericht 2023“ gut da. Whistleblower-Eingaben betrafen nur in wenigen Fällen Versicherungen, Kundenbeschwerden drehten sich oft um Themen wie Kapitalgarantien, Richtigkeit von Berechnungen oder Kündigungen. In puncto Nachhaltigkeitsrisiken sei eine „völlig neue Daten- und Berichtsbasis“ nötig.

Als „schwieriges und zwiespältiges Jahr“ bezeichnen Eduard Müller und Helmut Ettl, die beiden Mitglieder des Vorstands der Finanzmarktaufsicht (FMA), das Jahr 2023 im Vorwort des am Dienstag publizierten neuesten FMA-Jahresberichts.

Einerseits hätten die finanz- und realwirtschaftlichen sowie geopolitischen Entwicklungen alle Finanzmarktteilnehmer vor große Herausforderungen gestellt, „andererseits behaupteten sich die Märkte trotz des schwierigen Umfelds stabil, und viele Finanzdienstleister konnten Rekordgewinne und gute Renditen erwirtschaften“.

In einem „Jahr voller Höhen und Tiefen“ habe sich der österreichische Finanzmarkt „als widerstandsfähig und krisenresistent erwiesen“. Österreichs Finanzsystem sei „derzeit stabil, liquide und profitabel aufgestellt“.

Zugleich dürfe man „mit dem konsequenten Risikomonitoring und Risikomanagement nicht nachlassen“. Denn: Es gebe „zahlreiche Herausforderungen und Unwägbarkeiten, angefangen bei der volatilen Wirtschaftslage über geopolitische Risiken bis hin zu Risiken in einzelnen Segmenten des Finanzmarktes“.

Solvabilität der Versicherungsbranche „solide“

Die Versicherungsunternehmen seien „gut durch die schwierigen vergangenen Jahre gekommen“, stellt die FMA fest. Die Solvenzquote (SCR) betrug 2023 im Median 270,4 Prozent (2022: 244,4 Prozent).

Neun von zehn Versicherern wiesen eine SCR-Quote von über 200 Prozent aus, also mehr als doppelt so hohe Kapitalreserven wie regulatorisch erforderlich.

Die Normalisierung des Zinsumfeldes habe auch „die schwierige Lage bei den Lebensversicherungen weiter entspannt. Dazu habe auch die von der FMA 2013 verordnete Zinszusatzrückstellung beigetragen. Diese sei inzwischen mit rund 1,5 Milliarden Euro „gut dotiert“.

Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) stieg 2023 um +81,31 Prozent auf 1,75 Milliarden Euro. Die Umsatzrendite – das Verhältnis von Vorsteuergewinn (EGT) zu abgegrenzten Prämien – verbesserte sich auf 8,04 Prozent (2022: 4,67 Prozent).

Whistleblower: 7 Prozent betrafen Versicherungen und Pensionskassen

FMA-Jahresbericht 2023 (Cvoer; Quelle: FMA)
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2023 erhielt die FMA insgesamt 432 Hinweise von Personen, die im Rahmen ihrer laufenden oder vergangenen Berufstätigkeit Fehlverhalten oder Missstände wahrnahmen. Rund die Hälfte davon (213) fiel tatsächlich in den Aufsichtsbereich der FMA.

Von diesen für die FMA relevanten Hinweisen betraf der relativ größte Teil Anlagebetrug (31 Prozent), gefolgt von Meldungen, die in die Banken- (28 Prozent), Wertpapier- (20 Prozent) und Markt- und Börsenaufsicht (8 Prozent) fallen.

Sieben Prozent betrafen die Versicherungs- und Pensionskassenaufsicht, die restlichen fünf Prozent andere Felder.

Beschwerden im Versicherungsbereich

Bei der FMA ist auch eine Beschwerdestelle für Verbraucher und Kunden eingerichtet. Falls sie mit einem beaufsichtigten Unternehmen Probleme bei der Erbringung einer Finanzdienstleistung haben und keine befriedigende Lösung zustande kommt, können sie sich an diese wenden.

2023 gingen mehr als 3.100 Anfragen und Beschwerden bei der Stelle ein. Der Großteil der Anfragen und Beschwerden habe Banken betroffen, gefolgt von Wertpapierfirmen. „Die Themen waren dabei sehr breit gestreut“, berichtet die Behörde.

Soweit es Versicherer angeht, ging es laut dem Bericht meist um die tatsächliche Höhe der Kapitalgarantie bei bestimmten Lebensversicherungsprodukten, Zweifel über die Richtigkeit von Berechnungen sowie mangelnde Nachvollziehbarkeit von Wertnachrichten, Vertragskündigung oder Prämienfreistellung.

Schwerpunkte 2024

Was den Blick in die Zukunft betrifft, habe man aufgrund einer mittelfristigen Risikoanalyse die Aufsichts- und Prüfschwerpunkte für 2024 abgeleitet.

Dazu gehören unter anderem Chancen und Risiken des digitalen Wandels, die Stärkung des Verbraucherschutzes „in dem sich rasch ändernden Umfeld“ und die Begleitung der Finanzmarktteilnehmer „beim Umbau zu einem nachhaltigen Wirtschaftsmodell“.

„Gamechanger“ Nachhaltigkeit – erst am Anfang

Die „Transformation zu einem nachhaltigen Wirtschaftsmodell“ sei für die Finanzmärkte und alle ein „Gamechanger“. Um Nachhaltigkeitsrisiken beurteilen zu können, sei eine „völlig neue Daten- und Berichtsbasis“ nötig. „Wir brauchen de facto neue Definitionen, neue Zahlenwerke, neue Kennzahlen“, schreibt die FMA.

Dies gelte für alle Bereichen des Finanzmarktes: vom beim Berichtswesen der Unternehmen der Realwirtschaft über die Aggregierung der Zahlen für die finanzwirtschaftliche Risikobeurteilung bis hin zur „transparenten, fairen und leicht verständlichen“ Darstellung für die Verbraucher.

„In all diesen Bereichen stehen wir erst am Anfang“, so die FMA. Dies zeigten alle aktuellen Erhebungen, Analysen und Stresstests zu den Nachhaltigkeitsrisiken.

„Wir sind nun gefordert, das Prinzip der Nachhaltigkeit mit validen Zahlen zu unterlegen, beginnend beim einzelnen Produktionsbetrieb über die Beurteilung und Messung von Umweltfaktoren bis hin zur individuellen finanzwirtschaftlichen Risikobeurteilung und ihrer Ausschilderung für institutionelle Investoren ebenso wie für Kleinanleger.“

 
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