Dunkelziffer: 200.000 Wintersportler betrunken unterwegs

5.2.2025 – 13 Prozent, die „selten, aber doch“ mit Alkohol dem Wintersport nachgehen, 10 Prozent, die es „regelmäßig“ tun – und jeder zweite Wintersportler meint, bei anderen schon Alkohol- oder Drogeneinfluss bemerkt zu haben. Das sind Ergebnisse einer Umfrage des KFV, das eine Dunkelziffer von rund 200.000 Personen annimmt, die letztes Jahr in Österreich alkoholisiert Wintersport ausgeübt haben.

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Symbolbild: Skipiste, Skihütte (Bild: Winter Visual auf Pexels)
Ohne Alkohol mehr Sicherheit auf der Piste (Symbolbild: Winter Visual auf Pexels)

Jedes Jahr passieren in Österreich mehrere tausend Unfälle bei Wintersport-Aktivitäten (VersicherungsJournal 29.1.2025, 27.1.2025). Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) spricht von rund 30.000 Verletzten pro Jahr, die eine Behandlung im Spital brauchen.

Dafür kann es verschiedenste Gründe geben. Man kann ausrutschen. Man kann die Kraft verlieren. Man kann mit einem Hindernis kollidieren. Die Sicht kann schlecht, die Ausrüstung mangelhaft sein.

Und offenbar kommt es gar nicht so selten vor, dass auch der Alkohol mit unterwegs ist.

„Besorgniserregende Ergebnisse“

Wie viele der Verletzten beim Unfall betrunken waren, lasse sich nur schwer eruieren, zumal das selbst bei anonymisierten Befragungen nur die wenigsten zugeben, heißt es vom KFV.

„Freimütiger“ gehe es hingegen bei Umfragen zu, wenn man nicht nur die Unfallopfer, sondern Wintersportler generell befragt.

Das KFV hat das gemacht und österreichweit 1.000 Personen im Alter von 16 bis 69 Jahren um Auskunft gebeten. „Mit besorgniserregenden Ergebnissen“, wie das KFV feststellt.

Rund jeder Vierte räumt Alkoholkonsum ein

Fast ein Viertel (23 Prozent) räumte ein, in den letzten zwölf Monaten beim Wintersport – Skifahren, Skitouren, Rodeln usw. – Alkohol in mehr oder weniger großen Mengen getrunken haben: 13 Prozent sagten, dies komme selten, aber doch vor; 10 Prozent gaben an, dies sei regelmäßig der Fall.

„Leider müssen wir davon ausgehen, dass unter den 77 Prozent, die diese Frage verneint haben, auch noch eine Dunkelziffer an Personen ist, die ihren Alkoholkonsum nicht zugegeben wollen“, kommentiert Johanna Trauner-Karner, Leiterin des Fachbereichs Sport- und Freizeitsicherheit im KFV.

„Doch selbst unter Ausklammerung dieses Faktors gehen wir davon aus, dass in Österreich pro Jahr mindestens rund 200.000 Menschen unter Alkoholeinfluss Wintersport aktiv ausüben. Eine hohe Zahl.“

Immerhin gehören „Hüttengaudi und Alkohol“ für insgesamt 38 Prozent der Befragten „gelegentlich“ oder „oft“ zum Wintersport dazu, wie das KFV weiter mitteilt.

Die Hälfte hat bei anderen schon Alkohol oder Drogen vermutet

„Sehr bedenklich“ sind laut Kuratorium auch die Ergebnisse der Fremdwahrnehmung: 39 Prozent der Befragten haben aufgrund der Fahrweise anderer „gelegentlich“ vermutet, dass diese unter Alkohol- oder Drogeneinfluss gestanden sind, 13 Prozent sogar schon „oft“.

„Tatsächlich kann es je nach Trinkmenge und Konstitution nach dem Konsum von Alkohol zu unterschiedlichen Beeinträchtigungen kommen: Während die einen enthemmter werden und eine leichtsinnigere Fahrweise wählen, kann sich bei anderen Müdigkeit einstellen“, so Trauner-Karner.

Eingeengtes Gesichtsfeld, Gleichgewichtsstörungen

Das KFV warnt jedenfalls: Die Reaktionsgeschwindigkeit sei herabgesetzt, zudem enge sich das Gesichtsfeld ein, die Gefahr für Kollisionen mit anderen Pistenteilnehmern steige.

Mit dem Alkoholkonsum einhergehende Gleichgewichtsstörungen seien nicht nur eine Gefahr für andere, sondern erhöhten auch das Risiko für Alleinunfälle deutlich.

Beim Einkehren auf Alkohol verzichten

„Es ist natürlich völlig in Ordnung, zwischendurch in Skihütten oder bei anderen Lokalitäten einzukehren“, meint Trauner-Karner.

„Ein wesentlicher Beitrag zur Sicherheit wäre es aber, wenn man den Konsum von Alkohol zumindest auf die Zeit nach dem Skifahren, Rodeln oder Tourengehen verlegt und zwischendurch beim Einkehrschwung lieber leichte Mahlzeiten und alkoholfreie Getränke zu sich nimmt.“

Versicherungsmakler warnen vor teuren Folgen

Vor den Konsequenzen alkoholisierten Fahrens auf der Piste machte jüngst auch der Fachverband der Versicherungsmakler auf seiner Facebook-Seite aufmerksam: Ein Unfall, den man unter Alkoholeinfluss verursacht, könne teuer werden.

„Die Krankenversicherung darf das Geld für die Behandlung nämlich zurückfordern. Die Versicherung des Unfallgegners kann den Betrunkenen ebenfalls zur Kasse bitten.“ Und: „Die private Haftpflichtversicherung zahlt meistens auch nicht, wenn Alkohol im Spiel ist.“

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Haftpflichtversicherung · Marktforschung · Social Media · Versicherungsmakler
 
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