Die Kfz-Versicherung in einer Welt selbstfahrender Autos

5.4.2019 – Eine unfallfreie Zukunft und damit das Ende der Notwendigkeit, Fahrzeuge zu versichern, dürfte nicht in Sicht sein. Systemfehler oder -ausfälle werden neue Schadensbilder entstehen lassen, ebenso wie neue Haftungsfragen. Auf das Kaskoversicherungsgeschäft könnten sich steigende Anschaffungskosten der Fahrzeuge positiv auswirken.

Eine Veranstaltung des Instituts für Versicherungswirtschaft an der Linzer Johannes-Kepler-Universität befasste sich gestern mit der Entwicklung des autonomen Fahrens.

Diskutiert wurden neben dem Stand der Technik auch die Erwartungen an die Verkehrssicherheit und die Auswirkungen auf die Kfz-Versicherung.

Teilnehmer waren der Generaldirektor des Instituts Josef Stockinger, Othmar Thann vom Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV), Dieter Pscheidl von der Vienna Insurance Group AG sowie Günther Apfalter, Präsident von Magna Europe und Magna Steyr.

Verschiedene Stufen autonomen Fahrens

Die SAE-Norm J3016 beschreibt laut Wikipedia die „Klassifizierung und Definition von Begriffen für straßengebundene Kraftfahrzeuge mit Systemen zum autonomen Fahren“.

Stufe null bedeutet dabei, dass der Fahrer das Fahrzeug ohne jede technische Hilfe selbst steuert, in Stufe fünf fährt das Fahrzeug vollautomatisch, menschliche Eingriffe sind nicht mehr vorgesehen.

Laut Institut für Versicherungswirtschaft wollen einzelne Hersteller bis 2021 Stufe drei als Standard etablieren, 2030 soll dann Stufe fünf zum Standard werden. Aber auch in dieser Stufe werde der Fahrzeughalter für die Betriebsgefahr haften müssen, so Stockinger.

Weniger Schäden, aber neue Risiken

In Fahrzeugen verbaute Elektronik habe bereits in den vergangenen Jahren zur Reduktion der Schäden und damit zu gesunkenen Versicherungsprämien geführt, so Stockinger.

In den letzten 15 Jahren betrug die Teuerung kumuliert 32 Prozent; die Prämien für Haftpflichtversicherungen seien in diesem Zeitraum um acht Prozent gesunken, die der Kaskoversicherung nur um rund zehn Prozent (nominell) gestiegen.

Während aber Thann im automatisierten Fahren großes Potenzial für einen unfallfreien Straßenverkehr sieht, betont Stockinger, dass neue Risiken beispielsweise durch den Ausfall von Fahrersystemen entstehen werden.

Gleichzeitig werden sich auch die Anforderungen an Kraftfahrzeuglenker ändern; sie müssten sich in Zukunft beispielsweise auch um das Reinhalten von Sensoren oder um Software-Updates kümmern.

Neue Schadensbilder entstehen

Automatisierung und Vernetzung werden zu neuen Schadensbildern führen. So würde sich im Schadensfall die Frage stellen, ob die dafür ursächliche Entscheidung von einem Menschen oder einer Maschine getroffen worden ist.

Einfluss auf das Fahrzeug hätten zukünftig neben dem Fahrer auch die Kfz-Hersteller, Software-Entwickler, Betreiber der Verkehrsinfrastruktur oder Telekommunikationsanbieter.

Für die Schadensabwicklung werde daher der Zugang zu Fahrzeugdaten, insbesondere zu Datenschreibern, notwendig sein. Letztere sollen gemäß EU-Plänen ab 2022 für Pkw und leichte Lkw verpflichtend werden.

Systemisches Risiko

In der Diskussion wurde auch ein weiteres Problem thematisiert. Unabhängigkeit sei ein wesentliches Kriterium für Versicherbarkeit, ein Schadenereignis sollte die Wahrscheinlichkeit weiterer Schadenereignisse nicht erhöhen.

Allerdings könnten die Automatisierung oder die Vernetzung von Einzelrisiken im Straßenverkehr einen Domino-Effekt auslösen; Störfälle in der Verkehrsinfrastruktur oder im Telekommunikationsnetz könnten das Potenzial von Massenschäden fördern, was für Versicherungen eine neue Herausforderung wäre.

Zukunft der Kfz-Versicherung

Es bestehe „kein Zweifel“, dass die Haftung des Fahrzeughalters auch für autonome Fahrzeuge aufrecht bleiben wird. Haftungen von Fahrzeugherstellern oder Softwarezulieferern könnten möglicherweise dazukommen.

Dies werde dazu führen, dass Regresse künftig eine größere Rolle bei der Schadenregulierung spielen werden. Die komplexe Technik werde auch zu vielschichtigeren Schäden führen und die Abwicklung aufwendiger machen.

Schließlich sei zu erwarten, dass die Anschaffungskosten der Fahrzeuge durch die aufwendige Technik steigen werden; dies werde zu einer weiter steigenden Bedeutung der Kaskoversicherung führen.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Haftpflichtversicherung · Kfz-Versicherung · Pkw · Schadenregulierung
 
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