Die Haushaltsversicherung „der Lebenswirklichkeit annähern“

31.1.2019 – Das Konzept „Smart Home“, der digitalisierte und vernetzte Haushalt, begeistert erst eine Minderheit der Österreicher, zeigt eine neue VAV-Umfrage rund ums Wohnen. Ein Drittel könnte aber, im Gegenzug für weniger Prämie, einer elektronischen Überwachung von Haushaltsgeräten oder -installationen durchaus etwas abgewinnen. Die VAV hat für heuer eine „Smart Home“-Variante ihrer Haushaltsversicherung angekündigt. Aus Sicht von Vorstandschef Sven Rabe eröffnen digitale Technologien vor allem für Schadenfrüherkennung und -vermeidung, aber auch bei den Obliegenheiten neue Möglichkeiten.

Alles in allem schätzen die Österreicher das Risiko, Opfer eines Einbruchs zu werden, als mäßig ein. Nur drei Prozent halten es für sehr hoch, weitere 13 Prozent für hoch.

Das ist eines der Ergebnisse des ersten „Wohnbarometers“ der VAV Versicherungs-AG, das Vorstandschef Sven Rabe am Mittwoch in Wien vorgestellt hat. Für die Studie hat das Gallup-Institut im Dezember 2018 österreichweit 1.000 Personen befragt.

In regionaler Hinsicht ist der Anteil jener, die das Einbruchsrisiko für hoch oder sehr hoch halten, in Wien mit 21 beziehungsweise 8 Prozent am höchsten.

Überdurchschnittlich gefährdet fühlen sich laut VAV auch Niedrigverdiener mit einem Haushaltsnettoeinkommen von bis zu 1.500 Euro (19 Prozent „hoch“ oder „sehr hoch“) und ältere Personen (17 Prozent „hoch“ oder „sehr hoch“).

Einschätzung des Einbruchsrisikos (Daten: VAV/Gallup, Grafik: Lampert)

Einbruchszahlen in den letzten Jahren rückläufig

Für Rabe scheint sich in puncto Sicherheitsempfinden eine Korrelation zur polizeilichen Anzeigenstatistik zu zeigen. Schließlich ist die Anzahl der Anzeigen wegen Wohnraumeinbrüchen in den letzten Jahren laufend gesunken: Von 17.110 im Jahr 2014 auf 11.802 im Jahr 2014.

Dieser Trend setzte sich auch im ersten Halbjahr 2018 fort: „Die Einbrüche in Wohnungen und Wohnhäuser sind von 6.680 auf 5.808 Anzeigen weiter gesunken“, meldete das Bundeskriminalamt letzten Sommer auf Basis vorläufiger Zahlen zum Anzeigenaufkommen – ein Rückgang um 13 Prozent.

Vier Fünftel sind haushaltsversichert

Eine Haushaltsversicherung haben die meisten Haushalte in der Schublade, nämlich 82 Prozent der Befragten.

In der Gruppe der geringen Einkommen ist dieser Anteils allerdings ein Stück niedriger (64 Prozent). Unterschiede gibt es auch zwischen Eigentümern und Mietern: Von ersteren sind 89 Prozent, von letzteren 73 Prozent haushaltsversichert.

Rabe erinnerte angesichts des nicht versicherten Fünftels auch an die Privathaftpflichtversicherung, auf die „niemand leichtfertig verzichten“ sollte.

Haushalte mit Haushaltsversicherung (Daten: VAV/Gallup, Grafik: Lampert)

Die Mehrheit ist nicht vom „smarten“ Haushalt überzeugt

Einen Schwerpunkt widmete die VAV in der Studie dem „Smart Home“, also der Digitalisierung und Vernetzung des Haushalts. Würden die Befragten die Möglichkeit nutzen, Haushaltsgeräte mit dem Internet zu verbinden und via Internet zu steuern?

Sieben Prozent nutzen diese Möglichkeit schon, 15 Prozent zeigen sich dazu bereit. Überwiegend ist Österreich aber skeptisch: 57 Prozent bevorzugen den „Offline-Haushalt“. Am online-affinsten sind die Altersgruppen bis 50: Ein Drittel kann sich mit der Haushaltsvernetzung anfreunden oder praktiziert sie schon.

Haushaltsgeräte vernetzen und über Internet steuern? (Daten: VAV/Gallup, Grafik: Lampert)

Einen Sprachassistenten nutzt die überwältigende Mehrheit übrigens nicht (85 Prozent), selbst bei den 18- bis 30 Jährigen verzichten 77 Prozent darauf.

Daran scheint sich zumindest kurzfristig auch nicht viel zu ändern: An die Anschaffung eines Sprachassistenten denken nur sieben Prozent (15 Prozent bei den 18- bis 30-Jährigen); 90 Prozent (bei den 18- bis 30-Jährigen 82 Prozent) hegen keine solchen Pläne.

Onlinebedienung vor allem für Heizung und Licht gefragt

Welche Geräte steuern die Befragten bereits über das Internet oder würden sie über Internet steuern, wenn es mögliche wäre? Zu den bedeutsamsten Anwendungsbereichen zählen Heizung (77 Prozent), Beleuchtung (70 Prozent) und Jalousien.

Für das damit verbundene Sicherheitsrisiko – Stichwort Hackerangriffe – fehle aber vielfach das Problembewusstsein. Immerhin, so die VAV, geben sogar 51 Prozent an, die Alarmanlage über das Internet steuern zu wollen.

Welche Geräte via Internet steuern? (Daten: VAV/Gallup, Grafik: Lampert)

Code statt Brechstange

Das Cyberrisiko ist auch insofern nicht zu unterschätzen, als der unbefugte Zugriff von außen auch Einbrechern buchstäblich Tür und Tor öffnen kann: Man „hackt“ sich ins Haus, statt zur Brechstange zu greifen.

Die Versicherungswirtschaft habe schon mit ersten Fällen dieser Art zu tun gehabt, in denen keine sichtbaren Einbruchsspuren vorhanden waren – ein Problem nicht zuletzt im Hinblick auf die traditionellen Versicherungsbedingungen, die nicht auf das Phänomen „Smart Home“ vorbereitet sind.

Die Digitalisierung des Haushalts eröffnet aber auf der anderen Seite Chancen gerade auch im Bereich des Versicherns, sagt Rabe. Er denkt dabei etwa an die Möglichkeit, Wasserschäden schneller entdecken und entsprechend reagieren zu können.

Elektronische Überwachung gegen Prämiennachlass?

Und würden die Befragten ihre Wohnung beziehungsweise die Haushaltsgeräte selbst elektronisch überwachen, wenn Sie dafür einen Versicherungsrabatt bekämen?

31 Prozent sind für ein solches Angebot offen, doppelt so viele (59 Prozent) sind es nicht. In den beiden Altersgruppen bis 50 ist die Bereitschaft größer: Hier würden jeweils vier von zehn Befragten auf den Tausch „elektronische Überwachung gegen Rabatt“ eingehen.

Elektronische Überwachung für Versicherungsrabatt? (Daten: VAV/Gallup, Grafik: Lampert)

Für Rabe bewegt sich dieses Umfrageergebnis „im Bereich der Erwartung“. Er glaubt, dass die Zustimmung zu einem solchen Modell mit der Zeit steigen wird – und betont: Es gehe nicht darum, mehr Daten für Versicherer zu sammeln, um Profile erstellen zu können, sondern um Schadenfrüherkennung und -vermeidung.

„Smart Home“-Variante für die Haushaltsversicherung

Für heuer hat sich die VAV vorgenommen, eine „Smart Home“-Variante ihrer Haushaltsversicherung zu erstellen, mit der sie auf die Digitalisierung des Haushalts reagieren will.

VAV-Vorstandsvorsitzender Sven Rabe (Bild: VAV)
VAV-Vorstandsvorsitzender
Sven Rabe (Bild: VAV)

Einen Hebel sieht Rabe speziell bei den Obliegenheiten. Diese könnten unter den Voraussetzungen einer elektronischen Steuerung „viel flexibler gehandhabt“ und vom Versicherungsnehmer einfacher erfüllt werden. Als Beispiel nannte er die 72-Stunden-Regel.

Nur eine Verlagerung von Obliegenheiten?

Verschieben sich aber auf diese Weise nicht nur die Obliegenheiten anderswohin?

Muss der Versicherungsnehmer künftig beispielsweise nachweisen können, dass er immer alle Sicherheitsupdates für sein Smartphone und für die Haushaltssteuerungsapp(s) eingespielt und sein Heimnetzwerk stets im erforderlichen Ausmaß gegen Hackerangriffe abgesichert hat?

Wie wird das neue VAV-Produkt damit umgehen? Noch seien die Versicherungsbedingungen nicht fertiggestellt, sagt Rabe.

Aber: Ja, neue Obliegenheiten werde es vor dem Hintergrund der digitalen Vernetzung geben. Er hält es dennoch für „richtig, diesen Schritt zu gehen“. Denn, so Rabe, er bedeute eine „Annäherung an die Lebenswirklichkeit“ der Menschen.

Weiterführende Information

Weitere Ergebnisse aus der Umfrage hat die VAV auf einer gesonderten Webseite zum Abruf bereitgestellt.

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Digitalisierung · Haushaltversicherung · Marktforschung · Steuern
 
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