Dämpfer für das globale Prämienwachstum 2017

6.7.2018 – Eine neue Swiss-Re-Analyse beziffert das weltweite Prämienvolumen 2017 mit umgerechnet 4,2 Billionen Euro. Das ist zwar ein Wachstum um 1,5 Prozent, aber ein deutlich geringeres als 2016. Als kritische Faktoren identifiziert die Studie unter anderem die anhaltende Niedrigzinsphase, zunehmenden Wettbewerb und regulatorische Änderungen. Swiss Re rechnet mit einem weiteren Prämienwachstum, aber auch mit Druck auf die Profitabilität.

Die Summe der Versicherungsprämien belief sich 2017 weltweit auf 4,892 Billionen US-Dollar, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten „Sigma“-Report des Swiss Re Institute hervorgeht. Per Wechselkurs vom 5. Juli 2018 sind das umgerechnet 4,185 Billionen Euro.

Nominell entspricht dies gegenüber 2016 einem Zuwachs von 4,0 Prozent. Real, also inflationsbereinigt, ist es ein Plus von 1,5 Prozent – und damit eine Verlangsamung des Wachstums: 2016 war das Prämienvolumen noch um 2,2 Prozent gestiegen.

Der Analyse liegen Daten aus 147 Ländern zugrunde. Die Angaben basieren auf den direkten (Erst-)Versicherungsprämien privater und staatlicher Versicherungsunternehmen, gesetzliche Sozialversicherung ausgenommen.

Prämien und Veränderung im Gesamtgeschäft

Land/Region

Prämienvolumen 2017

Veränderung 2016 > 2017 *

Veränderung 2015 > 2016 *

Österreich

17,06 Mrd. Euro

–1,7 %

–3,2 %

Eurozone

973,95 Mrd. Dollar

832,67 Mrd. Euro **

–1,3 %

–0,5 %

EU

1,36 Bio. Dollar

1,16 Bio. Euro **

–0,6 %

–0,5 %

Welt

4,89 Bio. Dollar

4,18 Bio. Euro **

+1,5 %

+2,2 %

Leben: Weltweit schwaches Plus, Deutschland verringert Minus

In der Leben-Sparte verringerte sich das Wachstum von 1,4 auf 0,5 Prozent, bei einem Prämienvolumen von 2,66 Billionen Dollar (umgerechnet 2,27 Billionen Euro).

In Westeuropa sanken die Leben-Prämien nach Angaben von Swiss Re real um schätzungsweise 1,9 Prozent, „da die drei größten Märkte in der Region rückläufig waren (Großbritannien: –0,7 Prozent; Frankreich: –2,7 Prozent; Deutschland: –1,8 Prozent).“ Österreich kommt auf 5,8 Milliarden Euro (–7,0 Prozent).

Der Leben-Sektor in den entwickelten Märkten habe sich noch nicht von der Finanzkrise 2008 erholen können, heißt es von Swiss Re.

Ein schlechtes wirtschaftliches Umfeld, stagnierende Löhne in Verbindung mit niedrigen Zinsen und Änderungen bei den Solvabilitätsregeln „haben kapitalbildende Produkte mit Zinsgarantien sowohl für Verbraucher als auch für Lebensversicherer unattraktiv gemacht“.

Prämien und Veränderung in der Lebensversicherung

Land/Region

Prämienvolumen 2017

Veränderung 2016 > 2017 *

Veränderung 2015 > 2016 *

Österreich

5,80 Mrd. Euro

–7,0 %

–10,0 %

Eurozone

555,10 Mrd. Dollar

474,43 Mrd. Euro **

–3,0 %

–1,5 %

EU

806,29 Mrd. Dollar

689,11 Mrd. Euro **

–1,8 %

–1,0 %

Welt

2,66 Bio. Dollar

2,27 Bio. Euro **

+0,5 %

+1,4 %

Klarer Zuwachs in Nichtleben, wenn auch gedämpft

Eine Abkühlung war auch in der Nicht-Lebensversicherung festzustellen. Nach global +3,3 Prozent 2016 war das Wachstum mit +2,8 Prozent 2017 niedriger, es liegt aber immer noch merklich über jenem im Leben-Segment. Insgesamt belief sich das Volumen auf 2,23 Billionen Dollar (1,91 Billionen Euro).

Das Prämienwachstum in Westeuropa war, wie Swiss Re sagt, 2017 „mit 1,0 Prozent moderat, aber etwas höher als 2016 (0,5 Prozent), und lag damit über dem Zehnjahresdurchschnitt von 0,5 Prozent“. Für Österreich werden 11,27 Milliarden Euro und ein – leicht gestiegenes – Plus von 1,3 Prozent ausgewiesen.

In Deutschland und Frankreich stiegen die Prämien 2017 real um 1,3 beziehungsweise 1,1 Prozent, „bedingt durch das Wachstum in den Privatversicherungs-Sparten, darunter private Krankenversicherungen, Hausrat- und Gebäudeversicherungen sowie Motorfahrzeug-Versicherungen“.

Prämien und Veränderung in der Nicht-Lebensversicherung

Land/Region

Prämienvolumen 2017

Veränderung 2016 > 2017 *

Veränderung 2015 > 2016 *

Österreich

11,27 Mrd. Euro

+1,3 %

+1,1 %

Eurozone

418,86 Mrd. Dollar

358,12 Mrd. Euro **

+0,9 %

+0,9 %

EU

551,60 Mrd. Dollar

471,62 Mrd. Euro **

+1,2 %

+0,3 %

Welt

2,23 Bio. Dollar

1,91 Bio. Euro **

+2,8 %

+3,3 %

Prognose: Prämienanstieg, aber Profitabilität unter Druck

In seinem Marktausblick erwartet das Swiss Re Institute einen Anstieg des globalen Prämienvolumens im Leben-Sektor, besonders befördert durch China. Niedrige Zinsen, steigender Wettbewerb und regulatorische Änderungen „drücken jedoch weiterhin auf die Profitabilität“.

Die anhaltende Niedrigzinsphase sei „nach wie vor ein großes Problem für die Lebensversicherer“, kommentiert Jérôme Jean Haegeli, Chefökonom der Swiss-Re-Gruppe.

Neue Sigma-Studie zur Prämienentwicklung (Cover; Quelle: Swiss Re)
Neue Sigma-Studie zur Prämienentwicklung
(Cover; Quelle: Swiss Re)

„Es gestaltet sich äußerst schwierig für sie, attraktive langfristige Lebensversicherungs-Produkte anzubieten, insbesondere in Kombination mit den mit Solvency II vergleichbaren regulatorischen Rahmenbedingungen“, so Haegeli.

Das Swiss Re Institute geht weiters von einem Anstieg der weltweiten Prämiensumme im Nichtleben-Sektor aus. Dies werde vor allem durch bessere gesamtwirtschaftliche Bedingungen in den USA unterstützt.

Regionaler Fokus der Märkte verschiebt sich

Anlässlich des 50-jährigen „Sigma-Jubiläums“ wirft Swiss Re auch einen langfristigen Blick zurück. Seit der Finanzkrise 2008/09 seien „die asiatischen Schwellenländer, allen voran China, die größte Wachstumsquelle in den globalen Versicherungsmärkten“.

Die Versicherungsdurchdringung nehme aber auch in den anderen Regionen schrittweise zu. Der regionale Fokus der globalen Versicherungsmärkte verlagere sich daher seit den 1960er-Jahren immer stärker von Europa und Nordamerika auf die entwickelten Märkte und Schwellenländer in Asien.

„Damals machten die entwickelten Märkte und die Schwellenländer in Asien nur fünf Prozent der weltweiten Versicherungsprämien aus – im Jahr 2017 waren es schon 22 Prozent“, illustriert Haegeli. „Die Verschiebung nach China dürfte sich noch die nächsten zehn Jahre fortsetzen.“

In den nachfolgenden Jahrzehnten, so Haegeli, könnten jedoch auch andere Märkte wie Indien, Indonesien, Brasilien, Mexiko, Pakistan, Nigeria oder Kenia mehr an Bedeutung gewinnen.

Zum Herunterladen

Der Sigma-Report 3/2018 „Globale Assekuranz 2017: Solide, aber reife Lebensversicherungsmärkte bremsen Wachstum“ kann auf der Swiss-Re-Website auf Englisch online gelesen oder als PDF-Dokument in deutscher und englischer Sprache heruntergeladen werden.

 
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