2018 war das schwierigste Anlagejahr seit langem

7.3.2019 – Ertrag war 2018 schwer zu erwirtschaften, selbst Diversifikation half nicht wirklich. Auf eine Flucht in riskante Anlagen hat Österreichs Versicherungswirtschaft trotzdem keine besondere Lust, so das Fazit von Wolfgang Herold (FMA) zum vergangenen Jahr. Von einer „Erholung des Leitzinses“ kann derweil noch nicht gesprochen werden, sagt Oskar Ulreich. Er legt den Versicherern im Übrigen nahe, sich stärker dem Thema Nachhaltigkeit zu widmen. Pensions- und Vorsorgekassen seien hier schon weiter.

Ertrag ist „gar nicht so leicht zu erwirtschaften“, sagte Wolfgang Herold von der FMA-Abteilung „Vor-Ort-Prüfung und interne Modelle von Versicherungsunternehmen und Pensionskassen“ am Dienstagabend bei der Veranstaltung „Kapitalanlagenrückblick 2018 und -vorschau 2019“ der Gesellschaft für Versicherungsfachwissen (GVFW) in Wien.

Auch wenn diese Feststellung nicht ganz neu ist, so gilt sie für 2018 doch im Besonderen. Herold illustrierte dies an Hand einer Zeitleiste von 2001 bis 2018, die für 18 Assetkategorien die jährliche Performance auswies. 2018 waren 16 Kategorien im Minus und zwei nur knapp über der Null-Linie.

In keinem Jahr seit 2001 waren so viele „rote Zahlen“ zu sehen, selbst 2008 nicht. Damals hatten immerhin noch Staatsanleihen einen positiven Gegeneffekt erzeugt. Die gute Nachricht: Die Ausschläge nach unten waren 2018 nicht annähernd so stark wie 2008; die Volatilität sei zwar gestiegen, die Märkte aber nicht in Panik verfallen.

Was dennoch nichts an Herolds Fazit änderte, dass es vergangenes Jahr keine Assetklasse gab, „in der man wirklich etwas verdient hat“.

Kein besonderer Appetit auf Hochriskantes

Sind die Versicherer angesichts dessen dabei, sich „in high yield bonds zu stürzen“? Es gebe zwar einzelne Unternehmen mit Anteilen von bis zu 15 Prozent, in Summe stellte Herold aber fest: „Wir können diesen Befund nicht teilen.“

Beim Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit zeichnete sich zum dritten Quartal 2018 bereits ein Rückgang ab: Ende September betrug es 893 Millionen Euro, nach 994 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Ganzjahreszahlen hat die FMA noch nicht veröffentlicht, Herold merkte aber an, dass sich die Entwicklung der Finanzanlagen entsprechend bemerkbar machen werde.

Die Solvabilitätsgrade der heimischen Versicherungswirtschaft haben sich „stabil entwickelt“, sagte Herold und fügte hinzu, dass sich Österreichs Versicherungsunternehmen diesbezüglich „im Wohlfühlbereich bewegen“.

Durchgängige Nachhaltigkeitsstrategie

Zu tun gibt es nach Ansicht von Oskar Ulreich, dem vormaligen FMA-Abteilungsleiter für Versicherer und Pensionskassen, der den Kapitalanlagerück- und -ausblick traditionell im Doppel mit Herold bestreitet, noch manches vor dem Hintergrund der „Sustainable Development Goals“.

Oder anders gesagt: im Hinblick auf nachhaltige, „grüne“ Veranlagungspolitik. Während Ulreich bei Pensions- und Vorsorgekassen mehr Bewegung sieht, habe er das Gefühl, dass sich bei den Versicherern „noch nicht allzu viel tut“.

Wenn man bedenkt, dass die Gesetzgebung auch den Finanzsektor „grüner“ machen will (VersicherungsJournal 8.1.2019, 12.3.2018), werden die Versicherungsunternehmen wohl eine durchgängige Nachhaltigkeitsstrategie auf die Beine stellen müssen, meinte Ulreich.

Uniqa- und VIG-Aktien: Performanceabstand, aber „top“ Dividendenrendite

Was die Aktien der beiden österreichischen börsennotierten Versicherungsgesellschaften Vienna Insurance Group AG und Uniqa Insurance Group AG betrifft, so halten diese einen Respekt-Performanceabstand beispielsweise zu den Aktien der Allianz- oder der Zürich-Gruppe.

Die Uniqa sei zum Jahresende 2018 um rund die Hälfte unter ihrer Performance von Ende 2008 gelegen, und auch die VIG habe verloren, zeigte Ulreich.

Allerdings ist auch hinter diesem Schatten Licht zu sehen: Wenn man die Performance ins Verhältnis zur Dividende – mit Werten im Bereich von vier bis sechs Prozent – setze, können sich die Aktien von VIG und Uniqa durchaus sehen lassen, wie Herold sagte. Prinzipiell seien Versicherungsaktien „attraktive Investments“.

„Massiver Konzentrationsprozess“

Zur Unternehmenslandschaft sagte Ulreich, dass mit nunmehr 29 Versicherungsunternehmen –Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit nicht mitgezählt – ein „historisches Tief“ erreicht sei, was die Anzahl der Akteure angeht.

Ob dieser „massive Konzentrationsprozess“ nun ein Ende findet, wollte Ulreich nicht beurteilen, auch wenn er vermutet, dass dem „im Großen und Ganzen“ so sein dürfte. Zuletzt war 2018 die Sparkassen Versicherung in der Wiener Städtischen Versicherung AG aufgegangen (VersicherungsJournal 2.10.2018).

Fondsgebundene im Fokus

Erste vorläufige Zahlen zum Geschäftsverlauf der heimischen Versicherungswirtschaft 2018 hatte der Versicherungsverband (VVO) vor wenigen Tagen präsentiert (VersicherungsJournal 1.3.2019).

Für Ulreich stellt sich die Entwicklung in der Lebensversicherung „durchwachsen“ dar. Die Sparte schrumpfte um 3,6 Prozent und vor allem im Einmalerlagssegment. Vor einem Jahrzehnt habe die Lebensversicherung noch etwa die Hälfte des Prämienaufkommens ausgemacht, aktuell ist es nur noch rund ein Drittel.

Ulreich lenkte das Augenmerk auf die fonds- und indexgebundene Lebensversicherung, die ihren Anteil am gesamten Leben-Volumen von 23,93 Prozent im ersten Halbjahr 2017 auf 24,87 im zweiten Halbjahr 2018 erhöht hat.

Das, so Ulreich, sei ein „relativ hoher Wert“ – im Vergleich mit Österreichs Nachbarschaft tatsächlich aber gering. Europaweit liege er bei etwa 60 bis 65 Prozent. Überhaupt werde in einigen östlichen und nördlichen Ländern „praktisch nur noch die fondsgebundene Lebensversicherung verkauft“.

2019 …

Prognosen sind bekanntermaßen vor allem dann schwierig, wenn sie die Zukunft betreffen. Entsprechende Vorsicht ließ Ulreich bei Vorhersagen zum Jahr 2019 walten.

Darauf, welches Jahr die „Zinswende“ bringt, wollte er sich nicht festlegen. Von einer „Erholung des Leitzinses“ könne noch keine Rede sein – was er im Übrigen als gefährlich erachte, weil den Notenbanken dadurch Spielraum fehle.

Und selbst knapp vier Wochen vor dem neuralgischen Datum 29. März scheint man auch über das weitere Brexit-Szenario nur spekulieren zu können. Ulreich: „Wir wissen am 30. März, ob wir was wissen oder immer noch nichts wissen.“

 
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