Mittelstand vor „historischer Nachfolgewelle“

21.7.2026 – Fast jedes zweite Unternehmen in Österreich braucht bis 2030 eine Nachfolgelösung besagt eine Analyse von Creditreform. Familienübergaben verlören weiter an Bedeutung. Creditreform betont: Eine erfolgreiche Übergabe braucht rechtzeitige Vorbereitung. Oft würden Vorlauf und Umfang aber unterschätzt.

Schlüsselübergabe (Bild: Brock Wegner/Unsplash)
Symbolbild: Brock Wegner/Unsplash

Der Österreichische Verband Creditreform sieht auf Österreichs Wirtschaft „eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahre“ zukommen: Bis 2030 müsse nahezu jedes zweite mittelständische Unternehmen (45 Prozent) eine Nachfolgelösung finden.

Dies zeige eine Untersuchung, die Creditreform zusammen mit CH Consult, einem auf Unternehmensnachfolgen und -beteiligungen spezialisierten Beratungsunternehmen, durchgeführt hat.

Grundlage dafür ist die halbjährliche Mittelstandsbefragung der Creditreform Wirtschaftsforschung unter rund 1.400 Unternehmern und Geschäftsführern österreichischer Familien- und Nicht-Familienunternehmen aus Industrie, Bau, Handel und Dienstleistungen.

Hoher Nachfolgebedarf quer durch alle Bereiche

Der hohe Nachfolgebedarf ziehe sich quer durch Industrie, Bau, Handel und Dienstleistungen und betreffe damit den gesamten österreichischen Mittelstand, berichtet Creditreform.

Regional besonders betroffen seien Oberösterreich und Salzburg. Dort stehe bereits heute mehr als die Hälfte der Betriebe vor einer Unternehmensübergabe.

40 Prozent planen familienexterne Nachfolge

Gleichzeitig verändere sich die Art der Unternehmensübergabe grundlegend. Immer häufiger seien es externe Käufer oder Mitarbeiter, die die Betriebe übernehmen.

40 Prozent der Unternehmen planen demnach eine familienexterne Nachfolge, sei es im Wege eines Verkaufs an Investoren oder einer Übernahme durch Management oder Mitarbeiter.

Familieninterne Nachfolgen seien dagegen zwar nach wie vor ein „wichtiger Pfeiler des österreichischen Unternehmertums“, aber weiter rückläufig. Dort, wo sie gelinge, erfolge sie in 80 Prozent der Fälle ohne finanzielle Gegenleistung innerhalb der Familie.

Ein Drittel kann sich Übernahme eines Unternehmens vorstellen

„Die Studie liefert gleichzeitig positive Signale für den Nachfolgemarkt“, fügt Creditreform hinzu: Bereits 34 Prozent der befragten Unternehmer könnten sich vorstellen, ein Unternehmen im Rahmen einer Nachfolge zu übernehmen.

Damit wachse die Zahl potenzieller Käufer und eröffne Betrieben ohne familieninterne Nachfolger neue Perspektiven. Creditreform schätzt, dass der Markt für Unternehmensübernahmen damit in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen wird.

Den Vorlauf einer Nachfolge nicht unterschätzen

Aus Sicht von Creditreform beginnt eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge nicht erst mit der Übergabe, sondern mehrere Jahre davor.

Viele unterschätzen aber den zeitlichen Vorlauf einer erfolgreichen Nachfolge, sagt Gerhard Weinhofer, Mitglied der Geschäftsleitung von Creditreform.

Es gelte, die Unternehmensbewertung, die Finanzierung, die rechtliche und steuerliche Gestaltung sowie die Auswahl geeigneter Nachfolger frühzeitig vorzubereiten, gibt Creditreform zu bedenken.

Wer da erst kurz vor dem Ausstieg mit der Planung beginnt, schränke seine Handlungsmöglichkeiten deutlich ein, warnt Weinhofer. „Eine professionelle Vorbereitung und Begleitung des Nachfolgeprozesses erhöht die Erfolgschancen erheblich.“

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