Versicherung von Großkunden hat sich stark verändert

8.10.2018 – In Großunternehmen umfasst Versicherung heute die ganze Palette an Risikoaspekten der Gesellschaft und ist damit zu einem Risikomanagementthema geworden. Für den Versicherer sei es daher wichtig, das Geschäftsmodell des Kunden zu verstehen. Auch gehe es darum, Kunden in ihre Märkte zu begleiten und lokal zu betreuen.

VIG-Vorstand Peter Höfinger im Gespräch (Bild: VIG)
VIG-Vorstand Peter Höfinger (rechts) im
Gespräch mit VersicherungsJournal-
Herausgeber Marius Perger (Bild: VIG)

Mehr als eine Milliarde Euro Prämienvolumen erzielte die Vienna Insurance Group AG im Vorjahr im Geschäft mit Großkunden, erklärte Vorstand Peter Höfinger, im Konzern unter anderem für das Großkundengeschäft zuständig, im Exklusivinterview mit dem VersicherungsJournal.

Zum Vergleich: Insgesamt erwirtschaftete der Konzern 2017 Prämien in Höhe von knapp 9,4 Milliarden.

Die VIG betreue Großkunden quer über alle Branchen mit einem Schwerpunkt auf Industrieunternehmen. Deren Prämienzahlungen würden oft Millionenhöhe erreichen, teilweise sogar zweistellig.

Frage des Risikomanagements

Versicherung sei heute meist im Bereich des Risikomanagements angesiedelt und werde daher vom CFO abgehandelt. Manchmal zähle sie auch zum Procurement, dann allerdings würden nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, so Höfinger.

War Versicherung früher auf Investitionen und Betriebsmittel fokussiert, so umfasse sie bei international tätigen Großkunden heute „die gesamte Palette an Risikoaspekten der Gesellschaft“. Damit sei das Versicherungsthema stärker zu einem Risikomanagementthema geworden.

Dabei orientiere man sich unter anderem an der Bilanz. Gemeinsam mit dem CFO würden die Prioritäten der Risikoabdeckung und die Selbsttragungsfähigkeit von Risiken definiert. Es gehe dabei beispielsweise um Abhängigkeiten, arbeitsteilige Prozesse, Outsourcing und Lieferketten, Vernetzung und nicht zuletzt um Cyberrisiken.

Das Geschäftsmodell verstehen

Anforderungen an eine Versicherung seien heute anders als noch vor zehn Jahren. „Großkunden wollen heute Risiken unterschiedlich abgedeckt haben.“

Dies erfordere, das Geschäftsmodell des Kunden zu verstehen. Zugute komme der VIG dabei ihre „spezifische Expertise in einzelnen Industrien“, so Höfinger. „Wir haben Underwriter, die die Branchen und die Kunden verstehen.“

Außerdem könne man dank des Netzwerks der VIG in Zentral- und Osteuropa Kunden in die jeweiligen Regionen begleiten. Neben der Risikomanagementfunktion im Konzern könnten so auch dessen lokale Tochterunternehmen betreut werden.

Das ermögliche beispielsweise, dass die österreichische Firmenzentrale eine Programmpolizze erhalte, gleichzeitig aber bei Tochterunternehmen vor Ort polizziert werde.

Betreuung durch Makler

Die Betreuung von Großkunden erfolge durch spezialisierte Makler. Gemeinsam mit diesen versteht sich die VIG als Gesprächspartner des Kunden.

Wichtig sei dabei die enge Kommunikation mit dem Makler. Dabei gehe es um die Unterstützung in der Beratung und Betreuung des Kunden, die Schnelligkeit bei der Beantwortung von Fragen und die Fachkompetenz, aber auch um Handschlagqualität. Höfinger: „Unsere Underwriter haben hohe Pouvoirs für Zusagen.“

Für das grenzüberschreitende Geschäft gebe es in Wien darüber hinaus einen „Country desk“; dort koordinieren Mitarbeiter aus den jeweiligen Ländern jeweils die Organisation.

Für Länder, in denen die VIG nicht mit eigenen Gesellschaften vertreten ist, gebe es Netzwerkpartner, die den Service vor Ort sicherstellen: „Wir können unseren Kunden weltweit folgen.“

Welche Risiken abgedeckt werden

Während im Retailgeschäft standardisierte Lösungen Risiken sinnvoll abdecken könnten, hätten Großkunden sehr individuelle Ansprüche, so Höfinger. In der Diskussion müsse man darstellen, welche Risiken abgedeckt werden können und welche Möglichkeiten es dazu gebe.

Wie viele und welche Risiken ein Kunde durch einen Versicherer abgedeckt haben will, sei eine „Strategiefrage des Kunden“. Die VIG biete eine universelle Betreuung des Kunden an, dies habe den Vorteil, dass man das Risiko besser kenne und der Kunde „alles aus einer Hand“ erhalte.

Zwar gebe es für Großkunden keine „All-in-Versicherung“, weil die Risiken zu schwer zu beurteilen sind. „Wir haben aber Großkunden, die wir in all ihren Risiken begleiten.“

Eine wichtige Rolle spiele bei Großkunden auch die Digitalisierung, die zunehmend Auswirkungen auf das Risikomanagement habe. Gemeinsam würden „Risk surveys“ erarbeitet, einen großen Stellenwert habe dabei die Schadensprävention.

Was Großkunden wichtig ist

Besonders für Großkunden sei auch die finanzielle Stabilität des Versicherers wichtig. Höfinger verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass die VIG das bestgeratete Unternehmen im ATX ist und als „großer europäischer Player“ Zugang zu allen Themen der Rückversicherung habe.

Ebenso sei ein Verständnis für lokale Gegebenheiten von Bedeutung: „Das ist bei Versicherungen wichtiger als bei Standardprodukten.“

Schlagwörter zu diesem Artikel
Digitalisierung · Geschäftsbericht  · Mitarbeiter · Rückversicherung · Strategie
 
WERBUNG
WERBUNG
Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu! Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.at.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.at.

Täglich bestens informiert!

Der VersicherungsJournal Newsletter informiert Sie von montags - freitags über alle wichtigen Themen der Branche.

Ihre Vorteile

  • Alle Artikel stammen aus unserer unabhängigen Redaktion
  • Die neuesten Stellenangebote
  • Interessante Leserbriefe

Jetzt kostenlos anmelden!

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.at
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
  • Youtube – Hintergründe zum Buchprogramm
Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
5.6.2018 – Welche Auswirkungen das aktuelle Marktumfeld und die niedrigen Zinsen auf das Versicherungs- und das Bauspargeschäft von Wüstenrot haben, ist dem soeben erschienenen Geschäftsbericht für das Jahr 2017 zu entnehmen. (Bild: Rafaela Pröll) mehr ...
 
10.3.2017 – Der Konzern hat am Donnerstag seine ersten vorläufigen Zahlen für 2016 und einen Ausblick für 2017 präsentiert. Vorstandschef Andreas Brandstetter erklärte, warum er trotz fast um die Hälfte gesunkenen Vorsteuer-Ergebnisses voll des Optimismus ist. (Bild: Uniqa) mehr ...