Schwächeres Wachstum lässt Risiken steigen

12.7.2018 – Zunehmender Protektionismus, die Entwicklung in Europa oder der steigende Ölpreis: Coface sieht Warnsignale für die Weltwirtschaft, und im zweiten Quartal hat sich das Wachstum tatsächlich bereits abgeschwächt. Während in den Industrieländern und in importabhängigen Branchen das Kreditrisiko steigt, sind ölexportierende Länder und der Energiesektor Profiteure der Entwicklung.

Schon zu Jahresbeginn haben steigender Protektionismus und die Gefahr eines Handelskrieges für erste Anzeichen einer wirtschaftlichen Abschwächung gesorgt (VersicherungsJournal 25.4.2018). Nun schwäche sich das Wachstum auch tatsächlich ab, schreibt die Coface S.A. in ihrer Länder- und Branchenbewertung für das zweite Quartal 2018.

Als aktuelle Warnsignale sieht Michael Tawrowsky, Country Manager Austria beim Kreditversicherer, neben dem zunehmenden Protektionismus aber auch die Risse in der Eurozone, den höheren Ölpreis, Kapitalabflüsse aus größeren Emerging Countries und den gebremsten Welthandel.

Die Anzeichen dafür, dass der Höhepunkt des Wirtschaftswachstums erreicht ist, seien signifikant, so Tawrowsky weiter. Für die Industrieländer erwartet Coface heuer ein Wachstum von 2,2 Prozent, für die Eurozone eines von 2,1 Prozent. Und 2019 sollen es nur noch zwei respektive 1,8 Prozent sein.

Kreditrisiken steigen

In den Industrieländern registriert Coface ein Ansteigen des Kreditrisikos. Die Länderbewertung Italiens wurde auf A4 (mäßiges Risiko) hinabgestuft, womit unser südliches Nachbarland nun auf demselben Niveau wie Rumänien und Bulgarien bewertet wird.

Weitere Abstufungen gab es im zweiten Quartal für Argentinien, Sri Lanka und die Türkei (alle auf C, hohes Risiko) sowie für Indien (jetzt B, signifikantes Risiko). Verbessert hat sich laut Coface dagegen das Kreditrisiko von Malaysia (auf A3, zufriedenstellend) und Oman (auf B).

Spitzenreiter in Europa sind – alle mit sehr geringem Kreditrisiko – neben Österreich auch Deutschland, die Schweiz, die Niederlande, Luxemburg und Norwegen.

Hohe Risiken sieht Coface in Europa nur außerhalb der EU: Weißrussland, der Ukraine, Moldavien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro sowie Albanien werden jeweils ein hohes Kreditrisiko attestiert, „extrem hoch“ sei das Risiko in Europa nur im Kosovo.

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Auswirkungen des höheren Ölpreises

Einen wesentlichen Einfluss auf die Änderung der Risikoeinschätzungen habe dabei die Entwicklung des Ölpreises, so Coface. Bis Ende dieses Jahres erwartet der Kreditversicherer einen Ölpreis im Bereich von 70 bis 75 US-Dollar, was einer Steigerung von 30 Prozent gegenüber 2017 entsprechen würde.

Ölexportierende Nationen seien die Profiteure dieser Entwicklung, während die Handelsbilanzen ölimportierender Länder dadurch unter Druck gerieten. Als weitere Gründe für Abstufungen führt Coface nachlassendes Interesse internationaler Investoren und internationale Verwerfungen an.

Die Länderbewertungen erfolgen auf einer achtstufigen Skala von A1 (sehr niedriges Risiko) bis E (extrem hohes Risiko). Im ersten Quartal des heurigen Jahres hatte der Kreditversicherer noch drei Upgrades und nur drei Downgrades durchgeführt.

Profiteure und Verlierer

Positiv wirke sich der hohe Ölpreis auf den Energiesektor aus. Coface hat die Risikobewertung für die Branche in den USA, Kanada, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien und Frankreich angehoben.

Sektor-Risiken im zweiten Quartal 2018 (Quelle: Coface)
Sektor-Risiken im zweiten Quartal 2018 (Quelle: Coface).
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Belastungen sieht Coface dagegen in jenen Branchen, die auf den Import von Teilen und Anlagen angewiesen seien. Aus diesem Grund wurden der Bausektor in Argentinien auf hohes Risiko und der Einzelhandel in Argentinien und der Türkei auf sehr hohes Risiko hinabgestuft.

Auch die protektionistische Politik der USA wirkt sich auf einzelne Branchen aus. Coface hat deshalb die Bewertung der IKT-Branche (Informations- und Kommunikationstechnologie) in China auf hohes Risiko und jene des Metallsektors in Kanada auf „sehr hohes Risiko“ gesenkt. Für den Metallsektor der USA dagegen wird nun nur noch ein „mittleres Risiko“ (zuvor: „hohes Risiko“) gesehen.

Bei der Branchenbewertung analysiert Coface 13 Sektoren in sechs geografischen Regionen und 24 Ländern. Die vierteilige Skala reicht von niedrigem bis zu sehr hohem Risiko.

Risikoreiche und sichere Branchen

Hohe Risiken ortet Coface in Westeuropa in der Metall-, Papier- sowie der Textil- und Bekleidungsbranche. Am geringsten (niedriges Risiko) seien die Gefahren für den Automobil-, Pharma- und Lebensmittelsektor.

Für Zentral- und Osteuropa werden der Baubranche und dem Transportsektor ein hohes Risiko attestiert. Mit niedrigen Risiken seien auch in dieser Region die Automobil- und die Pharmabranche behaftet.

Die weltweit größten Risiken („sehr hohes Risiko“) sieht Coface in Nordamerika in der Textil- und Bekleidungsbranche sowie im Mittleren Osten, der Türkei und in Emerging Asia in der Baubranche.

Weiterführende Information

Die „Country Risk Assessment Map“ sowie die „Sector Risk Assessments“ für das zweite Quartal sind in hoher Auflösung auf der Coface-Website abrufbar.

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